Während man in den Nachkriegsjahren und noch herauf bis in die späten 50er Jahre versuchte, ein Nationalbewusstsein entstehen zu lassen und auch die Traditionen zu pflegen, begann man später, den Konsum zu fördern, den Aufschwung zu begleiten und Sehnsüchte, auch in Hinblick auf schmuckes Interieur und noble Hotels zu wecken.

Saison in Salzburg: Die Wirtin (Waltraud Haas) und ihre Stieftochter (Ingeborg Schöner), 1961. (Bild: https://fernsehjuwelen.de)

In den 70ern wichen Serien dem "Heimatfilm".

 

Die rauhe Realität als Kulisse. Der naturbelassene Bauer, die ungeschminkte Dorfjugend wurde samt ihres Dialekts dem Burgtheaterdeutsch vorgezogen, zumindest für eine oder zwei Stunden in der damaligen Programmgestaltung ('Die Alpensaga', 1976 - 1980). Es war natürlich gewöhnungsbedürftig, denn die Leute, die sich im Nachkrieg und in den Fifties an ein "Bild von sich" gewöhnt hatten, der auch einen gewissen Chic ausstrahlte, wurde von den tiefen Tönen der Sprache, von gemeinen Drohungen der Bauern untereinander und den sozialen Emporkömmlingen gegenüber, heimgesucht, von Leuten, die nur an Sonntagen ihre Tracht hervorholten und sich wenig aus der neuesten Haarmode der Pariser Salons machen.

Es wurde nicht mehr mit einem Lachen ein Betrug weggewischt, es wurde wieder lautstark über Enteignungen und Ungerechtigkeiten gestritten – in der Stube, beim Wirt, ja sogar die Räume der Heiligen Mutter Kirche wurden durch solche Gespräche entweiht. Ob es denn so mehr der Realität entsprach, als zuvor? Ob sich damit mehr junge und jüngste Österreicherinnen und Österreicher identifizieren konnten? Oder ob es für den einen oder anderen eine Wohltat war, zu sehen, wie "es wirklich war", was demselben ein leises: "Ja, so wors'" entlockt, und beim anderen blankes Entsetzen erzeugt, sei der eigenen Überlegung überlassen.

 

Und dann?

 

Nach der "Alpensaga", die eigentlich eine Reihe von eineinhalbstündigen Historienfilmen ist, die eben die Geschehnisse einer bestimmten Ära umfassen (Jahrhundertwende bis zum Ständestaat), wurden die 80er Jahre eingeläutet. Die Rolle der Frauen wurde in der zweiten Hälfte der 70er noch einmal moderner. Nun hatten sie Firmen zu leiten, sahen über Affären hinweg und gestalteten selbständig. Es war zwar noch erlaubt, in traditionelle Rollen zu schlüpfen, aber der Blick richtete sich eher auf jene, die sich was trauen. Nach dem "Monaco Franze", den man getrost als Schwerenöter betrachten kann, dämmerte auch schon das massive Seriengeschehen heran. Man hatte sich doch aus dem Ausland die Serien (Dallas, Magnum, Denver Clan, Falcon Crest, Golden Girls) erworben und musste anerkennen, dass die Mädels erwachsen geworden waren, mitunter sogar "Biester"!

Die Männer beantworteten das (international) mit Cooless: "Ein Colt für alle Fälle", "MacGyver" und immer öfter nur noch Abenteuern, anstelle von ernsten Absichten. Hierzulande sah man die Zukunft in der Entwicklung der Serie: "Ein Schloss am Wörthersee" (1990 - 1992), die widerum die idyllische Landschaft Kärntens mit dem bereits bekannten Sänger Roy Black in der Rolle des Lennie Berger, als Hotelchef, der das Schlosshotel in Schwung bringt und sich mit den Höhen und Tiefen des Hotelgeschäfts plagt. Die Serie geriet in Gerede, als man sie der illegalen Schleichwerbung durch Product Placement für verschiedenste Marken bezichtigte. In der Zweiten Staffel verstarb der Hauptdarsteller - Grund genug, sich eine österreichische Krimiserie auszudenken, die sich solchen Gegebenheiten stellt: "Kommissar Rex", (Ab 1994) erfreut die Zuseher mit Wiener Lokalkolorit und einem Hundehalter als Ermittler, der sich stets auf seinen Partner verlassen kann.

Berühmtheit erlangte auch der Regisseur Otto Retzer, dessen Name aus der Kärntner Filmszene kaum noch wegzudenken ist. 1993 entstand "Das Paradies am Ende der Berge", das Christine Neubauer als Ehefrau eines sportlichen Draufgängers zeigt, der wenig mit seiner Frau zu tun hat, bis er sich eines Tages ändert, abschwört und wider Willen doch an einem Rennen teilnimmt. An diesem manipuliert eine verlassene Liebschaft (Morgan Fairchild) an seiner Maschine, mit der er in den Tod rast. Ironischerweise erscheint Regisseur Otto Retzer darin als Rennleiter. Von einer Anklage der Saboteurin keine Spur!

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Die Fünfte Jahreszeit: Auswanderersaga Tiroler Bergbauern nach Peru , 1982

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