Putin und Kim

Putin, lächelnd, mit Staatspräsident Kim. Putin, frech, mit Managern aus dem Westen. Putin, leichtfüssig, beim Judo. Putin, überlegen, umringt von Frauen auf einem Empfang. Putin, englischsprechend, bei einer Ansprache vor der UNO – oder ist es eine Videomontage?

 

Er ist definitiv nicht kamerascheu, Russlands Langzeitpräsident. Es wirkt, als wäre er in letzter Zeit sogar noch etwas aufgetaut, hätte Vertrauen zu ausländischen Medien gefasst und steht Rede und Antwort, wenn es ihn auch an die Grenzen seines Verständnisses für Publikumsinteressen bringt. Dann bremst er. Das sind interessante Sequenzen in diesen Dokumenten: Wenn er von einer schönen Lady um den Finger gewickelt wird.

 

Putin hat auch einen unsympathischen Moment in seinem Lebenslauf. Zumindest für uns "Westler" ist das eine Situation, die uns zeitweise an ihm zweifeln lassen könnte: Der Tross aus Bürgern der DDR zieht zum Tor der KGB-Zentrale und begehrt Einlass. Angeblich tritt Major Putin damals selbst heraus, ausgestattet mit einer Kalasch, und spricht auf Deutsch zur Menge: "Das Gebäude ist sehr gut bewacht. Meine Genossen und ich haben Schießbefehl." Niemand zweifelt daran, dass er sich an seine Direktiven halten würde, wenn die aufgeheizte Menge vorwärtsrollt und das Grundstück betritt.

 

Plötzlich meint man den Mann, der er einst war, zu erkennen. Meint den in Russland vom KGB - zum Killer vielleicht - ausgebildeten Agenten auszumachen. Fragt sich, welche Aufgaben er übernommen hat? Ob er den Fluchtwilligen über die Grenze half oder ob er sie davon abhielt? In der eignen Vorstellung sieht man ihn mit einem Stift vor dem Funkgerät sitzen, Zahlenreihen notieren und Codes entschlüsseln. Dann wird diese glatte, trainierte Figur, die man aus dem Fernsehen kennt, zu einem ganz anderen - ober er vielleicht als Romeo-Agent Sekretärinnen angeworben hatte? Mit einem Notizbuch voller Damenbekanntschaften und roten Nelken in Händen auf Freiersfüßen? Putin? Nun, selbst der härteste Faktenforscher wird bei diesem Gedanken ein leichtes Lächeln auf den Lippen haben. Obwohl – gerade die damalige Schüchternheit … Er mag vielseitig sein, doch da kann man ihn sich schon eher als Agent Provocateur vorstellen. Vielleicht hat er ja auch Quellen bei Verhören ordentlich ins Schwitzen gebracht? Wenn man ihn dann als Trouble-Shooter in den Firmen sieht, in denen er Machenschaften aufdeckt und Managern barsch eine Unterschrift samt dem Stift abnimmt, sieht man eher den kühlen Juristen, der sich durchaus durchsetzen kann.

 

Spätestens seit man weiß, welches frühe Interesse man Putin nachsagt: Chemie, gesteht man ihm insgeheim auch zu, mit sämtlichen Code-Schriftverfahren vertraut zu sein. Aber Putin in einem Labor als Giftmischer? Es fällt schwer, aber man könnte es schaffen. Es wäre ihm sogar zuzutrauen, dass die Neurotoxin-Labors direkt in einem Reinraum-Flügel seines Amtssitzes untergebracht sind, wo das Militär ja immerhin Büros benutzt. Moskau ist anders. Es misst die Zusammensetzung der Raumluft im Büro des Präsidenten. Aber sicher ist dies nur ein Analyse-Labor, das in Fällen eines heimtückischen Angriffs nützlich ist und schnell Hilfe leistet. Sicher hat er seine Chemie-Kenntnisse nur eingesetzt, um Fotos zu entwickeln um damit einen harmlosen Kalender zu gestalten. Zum Gaudium, am Parteitag.

 

Das ist ein so gänzlich anderer Putin, als den, den man auf dem Flüssigkristallbildschirm sieht. Der Wladimir Wladimirowitsch, wie er tatsächlich einigen Interviewpartnern gestattet, ihn zu nennen, lässt einige Nähe zum Medienschaffenden ahnen. Vielleicht einer "seiner Medienleute"? Kurzum, es gibt so viele Information über Putin. Doch es bleiben auch so viele Fragen offen. Was geschah mit seinen Brüdern? Wie steht er nun wirklich zu Frauen? Hat er eine Beziehung mit Dimitri Medwedew, die über die professionelle berufliche Ebene hinausgeht? Wie viele Atomwaffen besitzt er noch? Hält er sich an das Atomwaffen-Abkommen? Wieso nimmt er so viele Zugeständnisse an die neuen UnternehmerInnen in seinem Land in letzter Zeit zurück? Ist das Eignen von Gütern wieder zu einem Verbrechen geworden und wohin soll es mit dem Land gehen, wenn er den Militärs wieder so viel Raum gibt? 

Blumenkavalier Putin mit der First ...

Blumenkavalier Putin mit der First Lady Frankreichs - auch mit Blumen kann man sich ausdrücken (Bild: Sputnik)

Links

SVZ

Putin zieht in die Propagandaschlacht

https://www.svz.de/deutschland-welt/panorama/putin-zieht-in-die-propaganda-schlacht-id12582816.html

 

Russia Beyond

Der Perfekte Gentleman: Blumen für Damen von Welt von Russlands Präsident Putin

https://de.rbth.com/lifestyle/80505-perfekte-gentleman-blumen-wladimir-putin

 

 

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