Warum lassen Menschen sich tätowieren?
Ein Aborigine, Australien

Ein Aborigine, Australien (Bild: falco)

Was wir (nicht) beschreiben werden

Historie und kulturelle Verbreitung. Die Technik des Tätowierens.
Erfahrungsberichte und Pflegeanleitungen. Adressen und aktuelle Motive.

Worüber wir uns Gedanken machen.

Was hat dieser Trend mit uns zu tun?
Wie wird diese Entwicklung von neutraler Seite, in Untersuchungen, bewertet?
Und die Zukunft: digitale Tattoos – RFID Technologie u.a.

Begriffsbestimmung und Symbolsprache

Der Maori-Krieger hat das Wort geprägt. Tattoo bedeutet "Zeichen". Zeichen wofür?

Seeleute haben früher Anker, schöne Frauen und Herzen mit einer Widmung getragen. Sind dies, geraten, Zeichen der Sehnsucht nach daheim (der Anker) und nach der Liebe (Herz, Frau)?

Maori Tattoo Maske (Bild: falco)

Wir haben einmal im "Buch der Symbole" von Udo Becker nachgesehen.
Anker – er hält das Schiff bei schwerem Sturm - das Zeichen für Hoffnung
Frau – Partnerin, Lebensgefährtin – das war einfach
Herz – Sitz der Emotion, Liebe – auch klar

Das berühmte Geweih am Gesäß? Im Lexikon finden wir auf Anhieb nicht die Antwort.
Wir sehen im Internet nach. Der Suchbegriff "Geweih" führt uns zum Hirschen. Dieses Tier, so erfahren wir, ist ein Symbol für Männlichkeit und Kraft. Aber warum haben dann vor einiger Zeit so viele Frauen, wie man liest, sich dieses Zeichen tätowieren lassen?

Zu diesem Punkt kann man jetzt lang hin und her überlegen. Wir kommen beim Thema "Motiv-Wahl" nicht weiter und denken über Soziologie nach.

Warum lassen Menschen sich tätowieren? (Bild: ClkerfreeVectorImages/ pixabay.com)

Der gesellschaftliche Aspekt

In den 1950er Jahren waren die Deutschen in der verklärten Vorstellung ein einig Volk. Raus aus den Trümmern – rein in das Reihenhaus. Zusammen geht alles besser. Also hat man in die Hände gespuckt, und alle haben an einem Strang gezogen. Es gibt in diesem Zusammenhang den Begriff der "Arbeitsgesellschaft".

Anscheinend gab es in den 50er und 60er Jahren nach Feierabend auch eine ausgeprägte Häuslichkeit mit Familienleben.

Heute sind wir ziemlich Single. Etwa 40% der erwachsenen Deutschen leben in sogenannten Ein-Personen-Haushalten. Dies, so liest man, ist Ausdruck des Wunsches, sich selbst zu verwirklichen. Jeder will anders sein, einzigartig – singulär. Wir leben in einer Zeit der singulären Singles.

Charaktersymbole und Archetypen

Einzigartigkeit muss sich ausdrücken. Ein Tattoo kann man dann als ein Symbol verstehen, mit dem der Träger seine Einzigartigkeit öffentlich demonstrieren kann.

Der Adler fliegt hoch am Himmel über allen Problemen. Der Löwe kämpft sich durch das Leben. Der Totenkopf signalisiert die Furchtlosigkeit vor dem Ende usw … .
Soll das Tattoo beim Gegenüber die Assoziationen zum Charakter des Trägers herstellen? Oder soll das Symbol nicht nur beim fremden Betrachter einen Eindruck hervorrufen?
Vielleicht soll das Zeichen auch, oder zuerst, seine Kraft auf den Träger übertragen. Etwa in diesem Sinne: ich trage einen Adler als Zeichen. Ich fühle mich furchtlos und stehe über den Problemen - in dieser Form.

Der Begriff der Archetypen aus der Psychologie fällt dem Autor an dieser Stelle ein.
Dies sind Vorstellungsmuster, die in uns von Geburt her angelegt sind. Dabei geht es um symbolische Bilder, die beim Betrachter bestimmte Ideen oder Kräfte auslösen.

Das Bild der Rose bedeutet Hinwendung, Liebe zu den Menschen.

(Bild: schreibspass bei Pagewizz.com)

Kraftübertragung

Der Gedanke an die Kraftübertragung ist eine interessante Überlegung.

Wenn Sie bei Amazon Bücher bestellen, so bekommen Sie anschließend persönliche Buchempfehlungen auf dieser Website eingeblendet, die in Ihre thematische Richtung gehen.
Der Autor hat kürzlich ein Buch über Symbole bestellt. Anschließend hat er die Einblendung eines Buches über "Krafttiere" bekommen.

Jetzt geht ein Licht auf. Tattoos, Symbole, Krafttiere.
Indianer und andere Naturvölker haben solche Krafttier-Symbole verwendet. Und sie haben auch Tätowierungen getragen.

Man kann fast denken, dass diese Einstellung jetzt wieder in unsere hochtechnisierte Gesellschaft zurückgekehrt ist. Bewusst oder unbewusst? Wer weiß.

Tattoos und wissenschaftliche Untersuchungen

Persönliche Meinungen möchte man doch auch mit anderen Ansichten oder mit Untersuchungen von Fachleuten überprüfen.

Im Internet werden Forschungsergebnisse z.B. der Universität Leipzig zitiert. Wir lesen u.a. vom Streben nach Individualität als Motivator für die Tätowierung. Das geht in eine ähnliche Richtung.

Tattoos in der Werbung

David Beckham war seinerzeit ein einzigartiger Fußballspieler ("Kick it like Beckham").
Noch in seiner aktiven Zeit stand er Werbung mit nacktem und ziemlich stark tätowierten Oberkörper.

Als Durchschnittsbürger hat man vielleicht zuerst gedacht. Oje, jetzt macht der Beckham sich den guten Ruf kaputt. Aber die Werbung kam toll an.
Ein interessierter Beobachter konnte man damals schon erahnen: Tätowierungen sind jetzt gesellschaftlich anerkannt. Die Meinungsbildner wie Beckham zeigen - stolz – ihren Körperschmuck.

Und die Fans verstehen dies als Signal dazu, selbst loszulegen. Der neue Trend ist in der Gesellschaft angekommen.

Tattoos bei Bankiers, Politikern und am Arbeitsplatz

Auf Fotos von Bankmanagern hat ein aufmerksamer Beobachter bisher keine Tattoos entdecken können. Auch Politiker gehören wohl nicht zur Avantgarde der Tätowier-Kunst. Unsere Gesellschaft scheint in dieser Frage schon ziemlich gespalten zu sein. Oder das Freidenkertum hat noch nicht überall die Runde gemacht.

Über das Tragen von Tätowierungen am Arbeitsplatz liest man von einer "T-Shirt Regelung". Damit ist gemeint, dass Verzierungen erlaubt sind, die von einem kurzärmligen T-Shirt verdeckt werden.

Von Ötzi über die Maori zur Gegenwart

Kürzlich erschienen Meldungen in der Presse, nach denen der eingefrorene Urmensch Ötzi selbst Tattoos getragen hatte. Man hat nachweisen können, dass auf der Haut der Mumie Symbole eingezeichnet waren. Über die Bedeutung wird noch spekuliert.

Der Hautschmuck, den die Maori Krieger aus Neuseeland tragen, wird Ta Moko genannt. Interessanterweise werden die Symbole sowohl im Gesicht als auch auf dem Körper aufgetragen. Bei uns im Westen sind Gesichts-Tattoos eher selten, wegen der schwierigen gesellschaftlichen Akzeptanz. Der bekannteste Ta Moko Träger begegnet uns im Westen in der Figur des Walfängers aus dem Film "Moby Dick".

Auf den aktuellen Tattoo Conventions zeigen oft mehrere Hundert Tätowierer, was sie können. Die Vielzahl der Veranstaltungen weist auf einen ungebrochenen Trend in der Suche nach Körperschmuck hin. Es werden Besucherzahlen von mehreren Tausend Interessierten reported. Inzwischen haben sich auch auf diesem Gebiet internationale Größen aus Deutschland, Russland bis nach Asien hinüber einen Namen gemacht.

Gibt es noch Fragen?

Ja. Stört es die Träger eigentlich nicht, dass man die Tattoos nicht (oder schlecht?) entfernen kann? Im Alter von 20 Jahren mag das noch angehen. Aber was macht der Betreffende, wenn er mit fünfzig Jahren nicht mehr den Schriftzug von Rihanna über der linken Brust sehen will?

Wahrscheinlich gibt es in naher Zukunft eine akzeptable Entfernungsmethode.

RFID Tattoos, Smart Biochips und Biostamps

Der ultimative Kick sind wohl Tattoo-Chip-Implantate, die über ein Smartphone ausgelesen werden. Das Motiv wird dann erst auf dem Display sichtbar.

Im nächsten Schritt scheint man schon über implantierte Codemuster nachzudenken. Der Träger könnte seinen eigenen Körper als Passwort für diverse Anwendungen und Geräte verwenden.
Hier verlässt man dann allerdings den Bereich des Körperschmucks.

Auf YouTube gibt es zu diesen Themen bereits erste Videos.

(Bild: Pixabay)

Captain Future

Als nächstes kommen Elektro-Tattoos heraus. Diese sollen keine Klebeflächen haben, wie etwa die abziehbaren Tattoos für Kinder. Elektro-Tattoos sollen aus einfachen Leiterbahnen bestehen, wie wir sie aus den Platinen für Computer her kennen.
Es lassen sich dann beliebige Muster entwickeln, programmieren und – diese Tätowierungen sollen sich wieder auflösen. Dies hätte zwei grandiose Vorteile.
Erstens wir der Träger tattoo-frei, falls er dies einmal wünschen sollte. Zweitens kann der Kunstbegeisterte beliebig seine Designwünsche verändern.

Wann ist es soweit? Vorläufer sollen in der medizinischen Forschung bereits in der Erprobung sein. Die Welt wird ohnehin interessant. Schauen Sie einmal hier nach:

Toleranz und Peak

Die Freiheit der Bürger, Tattoos zu tragen, erscheint uns nach etwas Nachdenken als ein wichtiges Zeichen der Toleranz. Jeder kann ein Tattoo (oder keines) tragen, wie es ihm gefällt.
Zu Beginn des Trends war der Anblick gewöhnungsbedürftig. Jetzt schaut man kaum noch hin.
Peak-Time.

Im oberen Scheitelpunkt einer Entwicklung, dem Peak, gibt es naturgemäß eine Veränderung.
Daher ergibt sich die Frage: was kommt nach dem Tattoo-Trend?

Diese Fragestellung prickelt schon. Tätowierungen, so verstehen wir, sind Ausdruck einer gesellschaftlichen Lebensweise. Die Gesellschaft ändert ihre Verhalten und die damit verbundenen Ausdrucksweise anscheinend alle 10-15 Jahre.

Man könnte also auch sagen: Wir sind die Tattoos … … und die Entwicklung bleibt spannend.

 

Textquellen: wikipedia.de, Bildquelle: pixabay.com

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