Wagner

Wagner (Bild: Amazon)

Fortschritte

Also wird das Mathematikstudium an den Nagel gehängt und im Sommer 1989 die Ausbildung zum Opern- und Konzertsänger an der Hochschule für Musik und Theater im München begonnen. Bald finden sich im Rahmen der Ausbildung Möglichkeiten, in kleineren Rollen an der Bayerischen Staatsoper erste Bühnenerfahrungen zu sammeln. So etwa später auch viele Vorstellungen an der Regensburger Oper, wobei all diese Kurzgastspiele den jungen Sänger mehr und mehr davon überzeugen, auf dem richtigen Weg zu sein.

So kommt quasi mit dem Studienabschluss das erste Engagement am Staatstheater, das Jonas Kaufmann als seine "Gesellenzeit" bezeichnet, wo der breitgefächerte Spielplan dem noch unerfahrenen Sänger Vieles abverlangt: einmal also Oper, kurz darauf am selben Haus Musical, dann Operette, schließlich wiederum Oper, "Gesellenzeit" eben. 

Wanderjahre

Er verlängert den ihm angebotenem Vertrag am Staatstheater nicht, wohl wissend, dass er sich wieder in eine ungewisse Zukunft begibt, doch will er weg vom festen Engagement, quasi auf eine musikalische Wanderschaft sich begeben, stets damit rechnend, eben einmal dann auch ohne Engagement dazustehen, was sich auch bald tatsächlich so einstellt.

Und schließlich beweisen die endlich doch eintreffenden Angebote, dass er sich richtig entschieden hatte, es folgen Engagements in Trier, Stuttgart, Mailand und Zürich. Mittlerweile haben sich alle namhaften Opernhäuser in diese Liste eingefügt. 

Das Singen 

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung meinte er einmal über das Singen:" Ich sag' immer: Wenn man weiß, wie's geht, dann braucht man keine Nerven zu zeigen, wenn mal ein paar mehr Leute zuhören. Ich kann ja nicht plötzlich anders singen. Es macht einfach wahnsinnig Spaß, den Sängerberuf auszuüben, und da kann man keine Unterschiede machen, ob das jetzt ein kleiner Saal ist oder eine weltweite Übertragung...", und auf die Frage, wie lange es gedauert hat, bis er endlich da ist, wo er sich nun künstlerisch befindet: Während meines Studiums hätte ich nie im Leben gedacht, es einmal zu schaffen, auf der Bühne zu stehen und mit keiner Zelle meines Hirns darüber nachzudenken, wie ich den nächsten Ton produzieren sollte. Ich habe jahrelang gebraucht, um herauszufinden, wie das geht. Gleich am Anfang meiner Laufbahn hatte ich eine Krise, als gar nichts mehr ging und ich mir sagte, entweder änderst du etwas dramatisch oder du ergreifst einen anderen Beruf. Immer hatte ich Halsschmerzen, immer war ich erkältet, alles Zeichen, dass die Stimme überlastet und deshalb überempfindlich war. Ich habe dann, Gott sei Dank, einen anderen Lehrer gefunden, der mir eine ganz andere Art des Singens beigebracht hat. Ich habe wirklich wieder bei Adam und Eva angefangen, was sehr mühsam war und mir auch viel Kritik eingebracht hat. Aber ich habe gespürt, dass es funktioniert..." 

Die Vielfalt seiner stimmlichen Ausdrucksweisen, das große Repertoire und die Wandlungsfähigkeit haben den Tenor in die erste Reihe der Opernsänger gebracht, der als einfühlsamer Liederinterpret genauso überzeugt wie auf den Opernbühnen dieser Welt sei es n der Wiener Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera oder dem Opernhaus in Sydney. 

Wie Jonas Kaufmann seine künstlerischen Ambitionen sieht und weshalb er ein so immens umfangreiches Repertoire beherrscht, beantwortet er ausführlich :

"In der Vergangenheit ist das völlig normal gewesen! Die Leute damals haben alles durcheinander gesungen, an einem Abend Tamino, am nächsten Siegfried. Ich weiß nicht, warum das verlorengegangen ist, aber prinzipiell geht es ja in unserer Welt immer mehr in Richtung Spezialisierung. Ich fände es aber langweilig, tagein, tagaus nur noch fünf, sechs Partien zu singen, und außerdem wäre es auch gefährlich: Routine lullt ein, und man merkt gar nicht, dass es wieder mal nötig wäre, die Stimme auf den Prüfstand zu legen. Ich stelle auch immer wieder fest, dass sich die unterschiedlichen Partien gegenseitig befruchten. Wenn man eine italienische Partie nach einer deutschen macht, versucht man doch, seiner Stimme mehr Weichheit und Legato zu geben und profitiert gleichzeitig von den Kraftreserven aus dem "Wagner-Training". Den italienischen Schöngesang versucht man dann auch wieder in den Wagner-Gesang reinzubringen, damit es nicht so abgehackt und hart klingt, sondern auch eine gewisse Weichheit hat." 

Neues

Sein neues Album steht ganz im Zeichen der Musik Richard Wagners mit markanten Arien aus "Die Walküre" und "Siegfried", "Die Meistersinger" und "Lohengrin", aber auch einige der schwermütig, tiefsinnigen Wesendonck-Lieder, und man erhält schon nach wenigen Hörproben den Eindruck, dass sich hier eine der besten Wagnerstimmen der Welt dem Werk mit aller Sorgfalt und Akribie, mit Einfühlungsvermögen und überragender Stimme annähert.

  • Titelbild: scholzshootspeople

 

 

 

 

 

 

Autor seit 5 Jahren
25 Seiten
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