Der Effekt erklärt von Spiegel TV - Ein Kollege aus Berlin erklärt den Tilt Shift Effekt
Die richtige Aufnahme
Bild 1

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Sie benötigen zuerst passende Aufnahmen. Figuren und Objekte in Spielzeugwelten sind in der Regel klein. Das heißt für Sie, dass Sie Videoaufnahmen benötigen, in denen Menschen und Objekte möglichst klein zu sehen sind. Tilt-Shift-Videos können Sie nicht mit Nahaufnahmen oder ähnlichem erstellen. Idealerweise filmen Sie von oben herab. Je mehr Menschen oder sich bewegende Objekte zu sehen sind, umso besser.

Sättigung und Kontrast
Bild 4

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Suchen Sie in Ihrem Schnittprogramm die Einstellmöglichkeiten für Sättigung und Kontrast. Heben Sie in dem Video diese beiden Werte an. Spielzeug hat knallig bunte Farben. Auch Ihr Video sollte knallig bunt sein. Erhöhen Sie in Ihrem Schnittprogramm als Erstes die Sättigung des Videoclips. Hier empfiehlt sich wenigstens 150% der ursprünglichen Sättigung zu nutzen. Dies ist jedoch abhängig vom Ausgangsmaterial. Hier ist ein wenig Geschick gefragt, jedoch werden Sie selbst schnell herausfinden, wie hoch die Sättigung angehoben werden sollte. Erhöhen Sie nun den Kontrast Ihres Videos. Hier ist Ihr gutes Auge gefragt. Probieren Sie es mit circa 15 bis 25% mehr Kontrast. Reicht das nicht, so erhöhen Sie den Kontrast weiter – doch übertreiben Sie es nicht. Nachdem die Sättigung und der Kontrast angehoben wurden, sieht das Video nun schon viel knackiger aus.

Geschwindigkeit erhöhen

Beschleunigen Sie als nächstes das Ganze mit der Zeitrafferfunktion um ca. 500%, d.h. 5-fach schneller als die Ausgangsgeschwindigkeit. Dieser Wert hat sich in Bezug auf die normalen menschlichen Bewegungen als sehr gut geeignet erwiesen, um die letztendliche Spielzeugwelt möglichst realistisch aussehen zu lassen.

2 Spuren und Unschärfe
Bild 9

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Nun müssen Sie nur noch eine Unschärfe schaffen. Für den Effekt der Spielzeugwelt müssen bestimmte Bildbereiche unscharf sein. Das gesamte Videobild sollte nur einen kleinen Schärfebereich besitzen, in dem sich jedoch sehr viel abspielt. Kopieren Sie den Videoclip und legen Sie beide Videoclips übereinander. Wenden Sie auf den oberen der beiden Videoclips einen Unschärfeeffekt an. Übertreiben Sie es mit der Unschärfe jedoch nicht. Hier ist Ihr persönliches Gefühl gefragt. Das obere der beiden Videos sieht schließlich so aus, wenn ein Unschärfeeffekt angewendet wurde.

Maskierung des oberen Clips
Bild 11

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Wenden Sie auf den oberen Clip eine Maske an. Stellen Sie sie so ein, dass vom unteren Clip nur ein geringer Schärfebereich durch scheint. Damit die Kanten der Maske nicht zu scharf sind, sollten Sie diese noch abrunden (hier »Glätten« genannt) und schlussendlich noch mit einem weichen Verlauf finalisieren. So gibt es einen weichen Übergang auf den darunter liegenden Videoclip.

Der fertige Tilt Shift Effekt
Bild 12

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Das fertige Tilt-Shift Video sieht so aus. Wenn Sie es abspielen lassen, so flitzen die kleinen Spielzeugfiguren nur so durch die Gänge. Der Miniatur-Look entsteht, weil der obere und untere Bildbereich mit einer Unschärfe belegt ist. Zusätzlich wird die Aufnahme etwas im Kontrast angehoben und läuft im Zeitraffer ab. Diese drei Faktoren ergeben den Miniatureffekt, wobei die partielle Unschärfe den größten Anteil daran hat. Der Grund dafür ist unser gelerntes Sehen. Würde man eine Aufnahme in einer tatsächlichen Miniaturszene machen, sähe sie annähernd gleich aus. Denn solche im Nahbereich gefilmten Aufnahmen haben nur einen geringen Schärfebereich. Je kleiner ein fotografiertes oder gefilmtes Objekt, desto geringer der Bereich, der scharf dargestellt wird. Bekannt ist diese typische Schärfeverteilung von Makroaufnahmen. Beim Miniatureffekt interpretiert der Betrachter die Unschärfe um und bringt sie mit geringer Größe in Verbindung – eine optische Täuschung.

Über Ralf Biebeler

Ralf Biebeler schreibt seit vielen Jahren für die Fachzeitschrift Videofilmen Artikel rund um Film- und Videoproduktion. Im Fachverlag Schiele & Schön hat er bereits diverse Bücher veröffentlicht. Seit 2005 ist er Geschäftsführer der Filmproduktion Pionierfilm GmbH mit Sitz in Ludwigshafen (bei Mannheim). Pionierfilm produziert Imagefilm, Werbefilm, Schulungsvideo & Co. Das Unternehmen besteht aus 5 Pionieren, die den gesamten Bereich der Filmproduktion abdecken.

Weiterführende Links

Pionierfilm GmbH - Filmproduktion in Mannheim, Heidelberg, Frankfurt,...
Filmproduktionsunternehmen für Werbefilme, Imagefilme, Schulungsvideos & Co.

Videofilmen - Fachmagazin für Videotechnik
Magazin, in dem dieser Artikel in abgewandelter Form bereits erschienen ist.

Fachverlag Schiele und Schön
Verlag des Autors und Verleger des Magazins Videofilmen.

ralfbiebeler, am 08.05.2013
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Bildquelle:
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