Ein eBook-Reader mit Basisfunktionen

Beginnen wir ausnahmsweise mit dem, was der Weltbild eBook Reader 4 Ink alles nicht hat: Er hat keinen Touchscreen, keine Beleuchtung, kein WLAN, keinen Browser, keine Audio-Funktionen und keine Bindung an einen bestimmten Shop. Was bleibt dann noch übrig? Ein Gerät, mit dem man eBooks und Dokumente in verschiedenen Formaten lesen kann. Es verfügt über ein Display mit digitaler Tinte, das sich kaum von einem eInk-Display unterscheidet; die abweichende Bezeichnung hat nur markenrechtliche Gründe.

Der Weltbild eBook Reader 4 Ink ist identisch mit dem TrekStor Pyrus, bis auf die kleinere Speicherkarte
TrekStor eBook Reader Pyrus (15,2 cm (6 Zoll ) Digital In...
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Das Fehlen der genannten Eigenschaften kann auch Vorteile haben

  • Kein Touchscreen => keine Fingerabdrücke
  • Keine Beleuchtung => geringerer Stromverbrauch
  • Kein WLAN => keine Handystrahlung, kein Zugriff von außen auf die Bibliothek
  • Kein Browser, kein MP3-Player => keine Ablenkung
  • Keine Shop-Bindung => freie Wahl des Anbieters

Viele Formate und Text-Reflow

Außer EPUB-Dateien, dem gebräuchlichsten eBook-Format, liest der Weltbild eBook Reader 4 Ink auch die Formate HTML, RTF, TXT, PDF, FB2, PDB und zeigt Bilder im BMP-, JPEG-, GIF- und PNG-Format an, allerdings nur in schwarz-weiß. Für PDF-Dateien steht eine Text-Reflow-Funktion zur Verfügung, das heißt, der Text  wird neu umbrochen, so dass die Schrift vergrößert oder verkleinert werden kann. Abstriche gibt es dann allerdings bei der Darstellung von Abbildungen oder Tabellen; die werden nicht immer korrekt angezeigt, wenn die Reflow-Funktion aktiviert wurde. Das ist bei vielen anderen Readern aber auch nicht besser, bei einigen sogar schlechter, denn PDF ist ein etwas schwieriges Format.

Die digitale Tinte lässt sich ebenso gut im Freien und bei Sonnenschein lesen wie in Innenräumen. Einzige Einschränkung sind Temperaturen unter 5 °C, die verträgt der Akku nicht. Und bei Dunkelheit braucht man eine Leselampe, wie es bei echten Büchern ja auch der Fall ist.

Für Start-Lesefutter ist bestens gesorgt

Ein kleines Zusatzschmankerl bringt der Weltbild eBook Reader 4 Ink mit: 26 Leseproben, darunter die Anfangskapitel einer Reihe von aktuellen Bestsellern und das komplette Dr. Oetker Schulkochbuch. Also, ein paar Snacks für den Hunger zwischendurch vorbereitet, und los geht's mit dem Lesen!

Schätzchen mit kleinen Macken

Mit dem Weltbild eBook Reader 4 Ink lässt sich zwar gut lesen, aber er besitzt ein paar Eigentümlichkeiten, auf die sich der Benutzer einstellen muss. Es sind nicht unbedingt die hochwertigsten Hardware-Komponenten verbaut worden, was bei dem niedrigen Preis ja auch kein Wunder ist, und vor allem die Software ist noch etwas unausgereift.

Tücken beim Umblättern

Die Vor- und Rückblättertasten sind sowohl rechts als auch links am Gehäuse angebracht und lassen sich bequem bedienen. Rechts- wie Linkshänder können den eReader in einer Hand halten und gleichzeitig blättern. Der Nachteil: Es kommt ab und zu vor, dass man die Tasten versehentlich betätigt. Dasselbe kann passieren, wenn man den eReader in die Tasche steckt, ohne vorher auf Standby zu schalten.

Ein größeres Manko besteht allerdings darin, dass die Blätterfunktion manchmal nicht anspricht und dann beim nächsten Druck auf die Taste gleich zwei Seiten umgeblättert werden. Da hilft dann nur Zurückblättern. Dieser Fehler kommt nach einem empfohlenen Firmware-Update zwar nicht mehr so häufig vor, ganz ausgemerzt ist er aber noch nicht.

Schwammige Menütasten

Außer den seitlich angebrachten Tasten zum Umblättern gibt es unter dem Display noch ein Steuerkreuz und vier weitere Tasten. Der Einschaltknopf ragt etwas unter dem unteren Rand hervor und lässt sich problemlos bedienen. Die Menü- und Steuertasten erfordern hingegen etwas Fingerspitzengefühl, weil der Druckpunkt nicht sofort ersichtlich ist. Wer an den Touchscreen eines Tablets gewöhnt ist, wird den Aufruf mancher Funktionen vielleicht etwas umständlich finden, aber alles lässt sich lernen. Zumindest löst man keine ungewollten Aktionen aus, wenn man versehentlich das Display berührt.

Was tun, wenn sich der eBook-Reader aufhängt?

Im Prinzip ist ein eBook-Reader nichts anderes als ein kleiner Computer mit sehr stark eingeschränkten Funktionen. Und ebenso wie sein großer Bruder kann sich auch so ein Minicomputer "aufhängen". Das heißt, er reagiert einfach nicht mehr auf den Tastendruck, ganz egal, was man versucht. Ältere PCs hatten für diesen Fall einen Reset-Knopf, heute hilft meistens die Tastenkombination Strg+Alt+Entf. Auch der Weltbild eBook Reader 4 Ink lässt sich neu starten, aber die Vorgehensweise dazu ist leider nicht in der Bedienungsanleitung dokumentiert. Doch keine Panik, das Internet weiß alles.

Hier kommt die Erste-Hilfe-Anleitung:

Zunächst den Einschaltknopf etwa 10 Sekunden lang gedrückt halten und dann loslassen. Entweder schaltet sich der eReader jetzt schon aus oder es passiert gar nichts, das spielt aber keine Rolle. Nach einer kleinen Pause von ein paar Sekunden den Einschaltknopf noch einmal etwa 3 Sekunden lang gedrückt halten, dann schaltet sich der eBook-Reader wieder ein. Wichtig ist sowohl hierbei als auch beim normalen Einschalten, dass man den Knopf lange genug gedrückt hält. Es dauert immer eine kleine Weile, bis der Reader reagiert und sich auf dem Display etwas bewegt.

Weitere Hilfe bei Problemen mit dem Weltbild eBook Reader 4 Ink findet man in diesem Forum

lesen.net E-Reader Forum

Verwaltung des Lesestoffs

Da der Weltbild eBook Reader 4 Ink über kein WLAN verfügt, müssen eBooks am PC erworben, heruntergeladen und von dort aus auf den eBook-Reader übertragen werden. Das funktioniert ganz einfach. Man verbindet den Reader per mitgeliefertem USB-Kabel mit dem PC oder Notebook. Der Reader wird dann vom Computer als neues Laufwerk erkannt, ebenso eine eventuell eingelegte Micro-SD-Karte. Nun können die eBook-Dateien bequem per Drag and Drop mit der Maus vom PC-Verzeichnis in ein Verzeichnis auf dem Reader oder der Micro-SD-Karte kopiert werden. Dabei lassen sich auch beliebig viele Unterordner kreieren, mit deren Hilfe man eine umfangreiche Bibliothek übersichtlicher gestalten kann.

Allerdings werden gewisse Merkfunktionen der Software nur bis zur zweiten Ordnerebene unterstützt. Normalerweise merkt sich der eBook-Reader bei jedem Buch die zuletzt gelesene Seite und kehrt bei einem erneuten Aufruf des Buches zu dieser Stelle zurück. Bei Büchern, die in Unterordnern ab der dritten Ebene abgelegt wurden, funktioniert das nicht mehr, wenn man zwischendurch etwas anderes gelesen hat. Da erscheint dann bei jedem erneuten Aufruf immer die erste Seite des Buches. In diesen Fällen setzt man am besten jedes Mal beim Beenden der Lektüre ein Lesezeichen, damit man die Stelle später schnell wiederfindet. Alte, überflüssig gewordene Lesezeichen lassen sich problemlos wieder löschen.

Sinnvolles Zubehör

Ob man sich die passende Hülle zum Reader leistet, ist Geschmackssache. Sie schützt das Display vor Kratzern und den Reader insgesamt vor Staub. Ich trage meinen eBook-Reader fast täglich mit mir herum und stecke ihn oft ungeschützt in die Handtasche. Im Rucksack steckt er zusammen mit meinem Tablet in einer etwas größeren Hülle und zu Hause liegt er einfach auf dem Nachttisch. Bisher ist nichts passiert. Für manche Benutzer ist aber vielleicht eine kleine Leselampe eine Überlegung wert oder ein spezielles Kissen, von dem der Reader nicht abrutscht, so dass man auch freihändig lesen kann.

 

 

Sehr nützlich finde ich ein USB-Ladegerät für die Steckdose. Standardmäßig wird der Weltbild eBook Reader 4 Ink nur mit einem USB-Kabel für den Anschluss an einen PC ausgeliefert. Über das Kabel können Bücher übertragen und der Reader aufgeladen werden. Da eine Akkuladung für mehrere Wochen reicht, ist das normalerweise auch kein Problem. Dennoch sorgt ein separates Ladegerät für etwas mehr Unabhängigkeit.

Ob man den Weltbild eBook Reader 4 Ink mit einer Micro-SD-Karte erweitert, hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Die fest eingebauten 2 GB Speicherplatz dürften in den meisten Fällen ausreichen, aus Platzgründen ist eine Erweiterung also nicht erforderlich. Trotzdem bringt eine zusätzliche SD-Karte Vorteile mit sich. Eltern können darauf zum Beispiel einen "Giftschrank" anlegen, der sich problemlos entfernen lässt, bevor der eBook-Reader an die Kinder weitergegeben wird. Oder man speichert persönliche Dokumente auf der Karte, die nicht ständig zur Verfügung stehen müssen und nur bei Bedarf mitgenommen werden. Oder man benutzt die Karte als Medium für ein Sicherheits-Backup.

Fazit

Der Weltbild eBook Reader 4 Ink eignet sich für Personen, die ein reines Lesegerät ohne zusätzliche Funktionen suchen und auf den Komfort, den eine drahtlose Buch-Übertragung per WLAN bietet, verzichten können. Der ideale Benutzer sollte schon etwas Erfahrung im Umgang mit Computern mitbringen und nicht gleich in Panik verfallen, wenn das Gerät mal streikt oder nicht so reagiert, wie man es erwartet. Hat man sich erst einmal an die Eigenheiten des Weltbild eBook Readers 4 Ink gewöhnt, erhält man einen unkomplizierten und robusten Begleiter, mit dem sich unter fast allen Umgebungsbedingungen sehr gut und bequem lesen lässt. Er unterstützt eine Vielzahl von Formaten, ist dadurch sehr flexibel einsetzbar und unabhängig von einer bestimmten eBook-Quelle.

Federspiel, am 27.05.2013
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Bildquelle:
Amazon Produktbild (Wie man den richtigen e-book-Reader für sich findet)

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