Stressfaktoren

Verantwortlich dafür dürfte der mit 46 % am häufigsten genannte Stressor sein: die Arbeit. Wer auch mit dem am zweithäufigsten genannten Faktor - hohen Ansprüchen an sich selbst - zu kämpfen hat, dürfte gute Chancen auf einen hohen Stresslevel haben.

Viele der weiteren, häufig genannten Stressfaktoren, hängen ebenfalls direkt oder indirekt mit Arbeit zusammen, zum Beispiel:

  • Teilnahme am Straßenverkehr und Arbeitsweg
  • Ständige Erreichbarkeit
  • Arbeitsbelastung im Haushalt
  • Finanzielle Sorgen

Bedenklich ist in diesem Zusammenhang, dass fast die Hälfte der Befragten in einer Studie der DAK zu Protokoll geben, dass ihr Arbeitgeber nichts unternimmt, um psychischen Belastungen für Arbeitnehmer entgegenzuwirken.

Stressfaktoren im Beruf

Im Zusammenhang mit dem Beruf nennen Arbeitnehmer häufig Termindruck, ein Übermaß an Aufgaben, ungerechte Bezahlung, mangelnde Anerkennung, und Störungen als wichtigste Gründe für das Erleben von Stress.

Auch die dauernde Erreichbarkeit per Email oder Telefon stellt ein Problem dar: Mehr als 50 % der Befragten der oben zitierten DAK-Studie gaben an, auch im Urlaub erreichbar zu sein. Fast ein Drittel liest außerhalb der Arbeitszeit berufliche Emails.

Männer und Frauen

Insgesamt fühlen sich Männer etwas weniger gestresst als Frauen (58 % gegenüber 63 %).

Während Männer aber eher arbeitsbezogene Stressfaktoren nennen, sind es bei Frauen häufiger hohe Ansprüche an sich selbst, Konflikte mit Nahestehenden, Kindererziehung und Hausarbeit, die das Leben stressig machen.

Geographische Unterschiede

Interessant wird es auch, wenn man sich die geografischen Unterschiede ansieht. Eine ältere Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2013 zeigt, dass sich Großstadtmenschen mit 69 % weit häufiger gestresst fühlen als Landbewohner (58 %).

Auch die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind eindrucksvoll: Während es Spitzenreiter Hamburg auf 60 % bringt, sind es in NRW nur 47 %.

Gesundheitliche Folgen

Erwartungsgemäß klagen Menschen, die sich gestresst fühlen, überproportional häufig über gesundheitliche Beschwerden.

Zu den am häufigsten genannten Symptomen zählen:

  • Rückenschmerzen und Muskelverspannungen
  • Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Nervosität und Gereiztheit
  • Schlechte Stimmung bis hin zur Depression
  • Magenprobleme und Übelkeit

Was ist Stress eigentlich?

In der Psychologie definiert man Stress als eine Fehlbeanspruchung, die als extrem bedrohliche Überforderung (selten Unterforderung) ohne Ausweich- und Lösungsmöglichkeit erlebt wird und die sich in vielfältigen psychophysiologischen Reaktionen äußert.

Reaktionsorientierte Stresstheorien

Ältere Stresstheorien, wie zum Beispiel das "Allgemeine Adaptionssyndrom (AAS)" nach Selye begreifen Stress als Anpassungsreaktion des Körpers auf unspezifische Bedrohungen. Dabei lassen sich die drei Phasen, nämlich

  • Alarm
  • Widerstand
  • Erschöpfung

unterscheiden. Eine kurze Zusammenfassung der Theorie findet sich hier. Diese sogenannten "reaktionsorientierten" Stresskonzepte können allerdings nicht erklären, warum Menschen sehr unterschiedlich auf Stressoren reagieren.

Reiz- und ressourcenorientierte Stresstheorien

Neuer Konzepte beschäftigen sich daher auch mit der Frage nach Stressauslösern und Ressourcen, die den Umgang mit Stress verbessern helfen.

So identifiziert die Life-Event-Forschung Situationen, die häufig mit großem Stress einhergehen, zum Beispiel Heirat, Umzug, Arbeitsplatzwechsel oder Todesfälle von nahestehenden Personen und entsprechend Auslöser psychophysiologischen Krankheiten sein können. Ein guter Artikel dazu findet sich hier.

Andere Modelle beschäftigen sich mit der Frage, welche Ressourcen Stress entgegenwirken können. Im beruflichen Umfeld geht beispielsweise das Demand-Control-Modell davon aus, dass hohe Arbeitsanforderungen zusammen mit geringem Handlungsspielraum Stress verursachen können. Eine Erweiterung des Handlungsspielraums wirkt entsprechend stressreduzierend.

Transaktionale Stresstheorie

Die transaktionale Stresstheorie bringt dagegen das Erleben des Individuums noch mehr in den Mittelpunkt. Demnach ist Stress ein Prozess der emotionalen Bewertung (appraisal); wird eine Situation als belastend eingeschätzt, folgt eine Bewertung der Folgen. Dazu zählen bereits eingetretene Schäden, Antizipation von Schäden (Bedrohung) oder als positiv wahrgenommene Chancen (Herausforderung).

Diese sekundäre Bewertung kann gleichzeitig erfolgen, bezieht sich aber auf individuelle Fähigkeiten und situationsbedingte Möglichkeiten zur Bewältigung (Coping). Auf die Bewertung erfolgt die emotionale (palliative) bzw. instrumentelle Reaktion. Dazu zählen je nach Bewertung

  • Konfrontation (bei günstiger Einschätzung)
  • Flucht
  • Intrapsychische Bewältigung (z. B. Bagatellisierung)).

Der Prozess endet mit einer Neubewertung der Situation.

Was tun bei Stress?

Wie sich aus den obigen Theorien erkennen lässt, gibt es darauf keine allgemeine Antwort - auch wenn das Internet voll von Empfehlungen ist. Aber während beim Einen Yoga, Mediation oder der tägliche Spaziergang Wunder wirken mögen, werden Andere ohne eine Psychotherapie evtl. sogar mit medikamentöser Unterstützung, einen Jobwechsel oder andere große Veränderungen ihren Stress nicht in den Griff bekommen. Der Begriff der Work-Life-Balance führt hier ebenfalls nur bedingt weiter (vergleiche dazu auch den Artikel in diesem Blog).

Wenn sie sich aber ein paar grundsätzliche Fragen stellen und ehrlich beantworten, wird sich möglicherweise eine Lösung abzeichnen:

  1. Welche Situation löst Stress bei mir aus?
  2. Welche Gedanken und Gefühle habe ich dabei?
  3. Habe ich schon einmal Ausnahmen erlebt? Worin lag der Unterschied?
  4. Was habe ich bisher getan, um mit dem erlebten Stress umzugehen? Wie gut hat das funktioniert?
  5. Mit wem könnte ich darüber sprechen?

Zu guter Letzt noch die Wunderfrage: Stellen sie sich vor, sie wachen eines Morgens auf, all ihre Stressgefühle sind verschwunden und sie wissen, dass sie nie wieder kommen werden. Wie fühlt sich das an? Was werden sie jetzt alles tun, von dem sie früher nie zu träumen gewagt hätten?

Autor seit 6 Monaten
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