Hund

Hund (Bild: www.pixabay.com)

Man muss Kindern behutsam helfen, dieses abstrakte Konzept in ihrer Welt zu begreifen. Dabei helfen plastische Beispiele, die sie vielleicht schon erlebt haben, oder Beispiele aus Geschichten, die sie kennen und verstehen. Die meisten Experten raten übrigens davon ab, Vergleiche von einem langen Schlaf oder einer Reise zu benutzten, da die Kinder dann immer noch auf die Rückkehr warten und zudem selbst Ängste vor diesen Themen entwickeln könnten – wenn der Papa verreist, ist er dann auch tot?

Und Kinder machen oft keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier; der Tod ihres Hamsters kann sie genau so schmerzen wie der Tod der Oma. Mit dem Haustier haben Kinder oft einen echten Freund gewonnen. Sie haben ihn gestreichelt, gefüttert, ihm ihre Geheimnisse anvertraut und abends mit ihm im Bett gelegen. Ihr Tod reißt daher eine große Lücke in das Familiengefüge der Kinder. Ihr ganz spezieller Freund ist fort, und nun müssen sie ohne ihn weiter leben. Es ist fraglich, ob das prompte Angebot, ein neues Haustier an zu schaffen, die passende Maßnahme ist. Sie kann sehr kleine Kinder vielleicht trösten, die das verstorbene Tier noch nicht als Individuum wahr genommen haben. Ältere Kinder könnten eher zornig reagieren. Ihr ganz besonderer tierischer Freund ist doch nicht so einfach zu ersetzen!

Hilfreich kann auch ein Abschiedsritual sein, welches die Kinder mit gestalten. So kann bei Kleintieren ein Grab im Garten angelegt werden, bei Großtieren kann man überlegen, ob man das Tier auf einem Tierfriedhof gemeinsam mit den Kindern beerdigt. Durch das konkrete Erleben des Begrabens verstehen so auch kleine Kindern besser, was es bedeutet, tot zu sein. Das Grab können die Kinder dann später schmücken und mit einem kleinen Grabstein versehen, dort haben sie einen Ort, an dem sie ihren Freund immer wieder besuchen können.

1. Gesprächsvorbereitung

Da es den Erwachsenen manchmal selbst schwer fällt, mit dem Tod umzugehen und über ihn zu sprechen, sind sie für etwas Hilfestellung sicher dankbar. Dazu gibt es zwei Buchempfehlungen.

  • "Es ist doch nur ein Hund...:Trauer um Tiere"
    von Claudia Pilatus und Gisela Reinecke. Darin wird erklärt, wie Kinder trauern und wie man mit ihnen über ihre Trauer sprechen kann. So können sich die Eltern selbst auf mögliche Fragen ihrer Kinder vorbereiten und sich kindgerechte Antworten überlegen.
  • "Leb wohl, Chaja!"
    von Antonie Schneider und Maja Dusikova. Dieses Buch über den Tod eines Kanarienvogels ist dazu gedacht, es gemeinsam mit den Kindern zu lesen. So können sie anhand der Geschichte ihre eigenen Gefühle thematisieren, verstehen und verarbeiten.

Schnelle Hilfe findet man aber auch im Internet. Es gibt sehr viele einschlägige Elternforen, in denen man gute Ratschläge und Tipps von Experten und anderen betroffenen Eltern finden kann. 

2. Kleine Kinder und die Ewigkeit

Sehr kleine Kinder verstehen zwar den Unterschied zwischen lebendig und nicht lebendig – der Hund lebt und die Puppe nicht-, aber der Begriff von Ewigkeit und Endgültigkeit ist ihnen noch fremd und unverständlich. Für sie ist Totsein ein temporärer Zustand wie Wegsein. Daher ist alles nützlich, was ihnen hilft, diese Endgültigkeit zu begreifen. Vielleicht haben sie schon erlebt, wie im Garten ein Tier zu Tode gekommen ist, welches sie dann in verwestem oder "kaputtem" Zustand gesehen haben. Das könnte ihnen helfen zu begreifen, dass auch ihr geliebter Hund "kaputt" ist und man ihn nicht wieder heile machen kann.

Neues Leben

Neues Leben (Bild: www.pixabay.com)

3. Kindergeschichten über den Tod

Kindern kann es auch helfen, wenn man ihnen Geschichten darüber erzählt, wo ihre abwesenden und toten Freunde jetzt sind. Erzieht man seine Kinder mit der christlichen Vorstellung von Gott und einem Himmel, so kann es für das Kind eine schöne Geschichte sein, wenn man ihm erzählt, dass der kranke Kanarienvogel, dem selbst der Doktor nicht mehr helfen konnte, jetzt im Himmel beim lieben Gott ist und es ihm dort sehr gut geht. Er schaut immer von oben zu und ist eine Art Schutzengel für seinen kleinen Freund auf der Erde geworden.

Wenn wieder die Frage auftaucht, wo Hansi denn jetzt ist, kann man auf den Himmel verweisen, in dem es ihm jetzt sehr gut geht. Schön ist es auch, wenn das Kind einen Luftballon mit einem Brief oder einem Leckerli zu seinem Freund im Himmel aufsteigen lassen kann.

4. Ehrliche Aussagen helfen weiter

Kindern ist bei der Bewältigung der Trauer mehr damit geholfen, dass man ihnen ehrlich die Wahrheit erzählt, anstatt sie mit Halbwahrheiten oder erfundenen Geschichten ab zu speisen. Wenn Waldi tot ist, sollte man ihnen das auch sagen, und nicht eine lange Reise erfinden. Denn wenn die Kinder früher oder später doch die Wahrheit erfahren, können diese Lügen das Vertrauen in die Eltern doch sehr erschüttern. Man sollte auch Fragen, die das Kind hat, ehrlich beantworten – am besten mit einem Beispiel, welches die Antwort verdeutlicht. Wird also die Frage gestellt, was jetzt mit Waldi passiert, kann man vielleicht eine Erinnerung an eine tote Maus oder ähnliches zur Verdeutlichung benutzen.

Auch die Offenheit der Gefühle ist wichtig. Kinder verstehen es nicht, wenn Erwachsene nicht auch um den verlorenen kleinen Freund weinen, wenn sie ihn doch angeblich auch lieb gehabt haben und ihn vermissen. Stoische Selbstbeherrschung ist dann schlimmer, als wenn man gemeinsam mit dem Kind um den toten Hausgenossen weint. So spürt es, dass es in der Trauer nicht allein ist und dass es in Ordnung ist zu trauern.

5. Bücher zur Unterstützung

Erkenntnisse, die kindgerecht in schöne Geschichten verpackt werden, können Kindern verschiedener Altersstufen helfen, den Tod zu begreifen und zu verwinden. Ein solches Buch ist das Buch "Als Michel in den Himmel ging" von Katja Herzog. Es handelt vom kleinen Kater Michel, der eines Tages völlig unerwartet in den Himmel gerufen wurde. Dort sieht er sich nun um und lernt andere Haustiere und ihre Geschichten kennen.

Die Kindern können anhand dieser Geschichten ihre Vorstellung vom Tod entwickeln und sich so allmählich darauf vorbereiten, dass alles Leben endlich ist und dass auch Mama, Papa und sie selbst eines Tages einmal sterben würden. Diese Erkenntnis verstehen Kinder etwa ab acht Jahren. Mithilfe des Buches können sie einen aktuellen Verlust verarbeiten, oder aber man kann sie damit auf den bevor stehenden Tod eines Haustieres vorbereiten.

Sonnenstrahl

Sonnenstrahl (Bild: www.pixabay.com)

6. Physischer Abschied ist wichtig

Wenn ein Kind etwas mit eigenen Augen gesehen und im Wortsinne begriffen hat, kann es viel besser verstehen. was vorgefallen ist und was das für es selbst bedeutet. Deshalb sollte man Kindern ab etwa vier Jahren, die den Wunsch äußern, ihr totes Haustier noch einmal sehen zu dürfen, diesen ruhig erfüllen. Sie können ihren Liebling noch einmal streicheln und selbst fest stellen, dass er sich verändert hat. Dieser Abschied macht ihnen den Tod leichter.

Eine strittige Frage ist es, ob das Kind dabei sein sollte, wenn ein Tier eingeschläfert werden muss. Es besteht dabei die Gefahr, dass es sich dann selbst für dessen Tod verantwortlich fühlt und Schuldgefühle entwickelt. Auf der anderen Seite kann es für das Kind leichter sein, wenn das Tier friedlich in seinem Schoß einschläft, wie Studien ergeben haben. Es erlebt den Prozess mit und kann den Tod so besser verarbeiten, als wenn sein tierischer Freund einfach so verschwindet.

7. Ein Grab wie für die Großen

Auch Kinder empfinden es als hilfreich, wenn sie zur Erinnerung an ihren verstorbenen Begleiter eine Grabstelle pflegen und besuchen können. Kleine Tiere kann man im eigenen Garten begraben, wenn keine örtlichen Vorschriften dagegen stehen, wie es in Trinkwasserschutzgebieten der Fall ist. Am besten erkundigt man sich bei den örtlichen Behörden, wie die Vorschriften sind und welche Größe ein daheim begrabenes Tier maximal haben darf.

Ist das Tiergrab im Garten nicht möglich, so kann man eine Grabstelle auf einem Tierfriedhof erwerben. In beiden Fällen kann das Grab dann mit einem Grabstein versehen werden, auch eine kleine Bepflanzung oder Blumenschmuck kann man mit seinem Kind für das Grab entwerfen und umsetzen. Die Kinder sind oft sehr froh über diese Erinnerungsstätte und pflegen sie liebevoll.

Die Beerdigung sollte man dann gemeinsam mit dem Kind planen, so dass es seine Vorstellungen mit einbringen kann. Man kann auch mit ihm gemeinsam aus einem alten Karton einen Sarg für ein kleines Tier basteln, welches man im Garten begräbt. Diese Aktivitäten helfen dem Kind, mit seiner Trauer fertig zu werden.

8. Ein symbolisches Beerdigungsritual

Manchmal ist es nicht möglich, das Tier selbst zu beerdigen. Da kann es hilfreich sein, stattdessen einen Gegenstand zu begraben, der für das Kind das Tier repräsentiert. Der Kauknochen, das kleine Glöckchen im Käfig, vielleicht auch ein schönes Bild oder ein Abschiedsbrief an den verlorenen Freund, diese Gegenstände kann man dann in einem kleinen Karton verstauen und statt des Tieres begraben. So hat das Kind dennoch das Gefühl, seinen Freund richtig zur letzten Ruhe begleitet zu haben.

Man sollte das Kind fragen, wen es bei der Beerdigung seines Lieblings dabei haben möchte – vielleicht ist es für es wichtig, dass die Familie und besten Freunde die Zeremonie begleiten. Und es spürt, wenn auch die anderen ihrer Trauer Ausdruck verleihen, dass es in seinem Schmerz nicht allein ist.

Kraft

Kraft (Bild: www-pixabay.com)

9. Achterbahn der Gefühle

Kinder empfinden Emotionen oft sehr viel intensiver als die Erwachsenen mit ihrer Selbstbeherrschung, und sie können schnell von einem emotionalen Zustand in einen anderen wechseln. Deshalb sollte man darauf gefasst sein, dass ein Kind neben der Trauer auch sehr intensiv Wut, Ärger oder auch Angst empfinden kann. Es hadert mit den Erwachsenen, die den Tod zugelassen haben, es schimpft auf den Tierarzt, der es nicht gerettet hat. Und im nächsten Moment können wieder die Tränen fließen. Aber auch Ängste oder alte Gewohnheiten wie Bettnässen oder Daumenlutschen können wieder auftauchen.

Zum einen ist es wichtig, dass das Kind diese Emotionen haben und auch ausagieren darf, während man im zum anderen liebevoll erklären sollte, warum keiner Schuld an dem Tod hat oder dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Die Ängste sollte man hinterfragen und das Kind dann fragen, was es braucht, damit es sich wieder sicherer fühlt. Manchmal reicht schon eine Kleinigkeit wie ein Nachtlicht, damit es wieder beruhigt schlafen kann.

10. Ein neuer Freund für den nächsten Lebensabschnitt

Es ist keine gute Idee, direkt nach dem Tod eines Haustieres ungefragt mit einem Ersatz vor dem Kind zu stehen. Diese neuen Haustiere werden dann oft abgelehnt; sie sind Eindringlinge, die den Platz das alten einnehmen wollen und daher nicht erwünscht sind. Nach einer gewissen Zeit äußern viele Kinder aber selbst den Wunsch nach einem neuen Hausgenossen.

Diesen sollte man ausführlich mit ihm besprechen. Manchmal möchten die Kinder ein ganz anderes Tier, da sie glauben, dann den verlorenen Freund auf keinen Fall zu verraten. Möchten sie ein ähnliches Tier wie das bisherige, sollte man ihnen noch einmal ganz klar machen, dass dieses anders sein wird als das verstorbene, mit eigenen Eigenarten und Eigenschaften. So beugt man der Enttäuschung der Hoffnung auf Wiederkehr vor, die einige Kinder vielleicht noch hegen. 

Mädchen

Mädchen (Bild: www.pixabay.com)

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