5. Der Party-Typ

Was spricht dagegen, bei einem dafür konzipierten Film mitzusingen und ausgelassen eine Party im Kinosaal zu feiern? Streng betrachtet lediglich der Umstand, dass es abgesehen von der "Rocky Horror Picture Show" keinen einzigen Film dieser Art gibt. Mit anderen Worten: 99,9 Prozent aller Filme wollen vom Zuschauer in Ruhe betrachtet und entsprechend gewürdigt werden. Warum? Aus dem gleichen Grund, weshalb bei Vernissagen kein Konfetti geworfen und irgendwelche Lieder gegrölt werden. Es ist dringend abzuraten, den Party-Typen auf eine Beerdigung einzuladen. Seine eigene natürlich ausgenommen, die nicht mehr allzu weit scheint, wenn er sich nicht endlich hinsetzt und die Klappe hält...

4. Die Diva

"Mrs. Robinson, you're trying to seduce me""

Bei jedem Film mit mehr als einem Dutzend Zuschauern zelebriert die Diva ihren großen Auftritt. Die perfekte Ausgangsposition: Die Werbung ist vorbei, das Licht im Saal erloschen, endlich beginnt der Film, die Gespräche werden eingestellt, die Türen geschlossen, alles starrt gebannt auf die Leinwand. Und während die Titelsequenz beginnt … tataaa! Der Einmarsch der Diva! Die Tür schwingt quietschend auf, jeder Zuschauer blickt unwillkürlich auf den einfallenden Lichtkegel und stöhnt genervt auf.

Mit etwas Glück sucht der extravagante Neuzugang von Welt noch minutenlang seinen Sitzplatz, anstatt einfach einen freien Platz zu nehmen und nicht weiter zu stören. Wobei: Das ist ja der eigentliche Grund für sein Zuspätkommen: Die aufsehenerregende Zelebration seiner Selbst! Damit hat er viel mit dem nächsten nervigen Zuschauertyp gemeinsam.

3. Der Mittelpunkt des Universums

Früher glaubten die Menschen, die Erde wäre der Mittelpunkt des Universums. Das ist natürlich falsch: Dieser eine Typ, der während einer spannenden Hetzjagd auf der Leinwand auf die Toilette muss und nachher seine Mails am iPhone checkt, wobei jedem Klick ein schrilles "Pieps" folgt, der ist das Zentrum unserer Galaxie! Kennen Sie die ungeschriebene Regel, im Kino das Handy auszuschalten? Ausnahmen bilden dringende Notfälle, etwa Männer, deren hochschwangere Frau zu Hause überlegt, ob sie die Fruchtblase platzen lassen soll, da nach der geplatzten Finanzblase ohnehin schon alles egal ist, oder Ärzte in Bereitschaft. Hand aufs Herz: Haben Sie schon jemals einem ungemein wichtigen Anruf im Kino lauschen müssen? Ist irgendwann im Saal eine Ärztin aufgesprungen, weil sie dringend im Krankenhaus gebraucht wird? Nein? Natürlich nicht! Was Sie hingegen gehört haben sind Gespräche wie: "Hallo? – Ja, ich sitze gerade im Kino – Nö, der Film ist nicht so toll – Nein, nein, du störst überhaupt nicht! Du, was ich gestern noch fragen wollte …"

So nervig dies auch sein mag: Mitmenschen sollten besonnen und verständnisvoll auf derlei Unannehmlichkeiten reagieren und den Mittelpunkt des Universums höflich, aber bestimmt darüber informieren, aus welcher Körperöffnung er sein Handy beim nächsten Anruf ziehen kann.

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2. Der Klugscheißer

"Das ist doch völlig unrealistisch, dass im Badezimmer Stroh herumliegt! Was hat sich der Regisseur nur dabei gedacht?"

Die Existenz dieses nervigen Zuschauertyps basiert auf einem Missverständnis: Er hält seine Mitmenschen für unfähig, den Ereignissen auf der Leinwand folgen zu können und möchte ihnen deshalb mit seinen Kommentaren den Film erklären. Im Regelfall handelt es sich bei diesen Filmen jedoch nicht um gesellschaftskritische mongolische Sozialdramen, deren Hintergrund tatsächlich einer Erklärung bedarf, sondern um Michael-Bay-Blockbuster oder Komödien. Insbesondere Komödien, möchte man hinzufügen, denn offenbar ist dem gewöhnlichen Kinobesucher nicht zuzutrauen, die Lustbarkeiten von Slapstick oder Witzen angemessen würdigen zu können. Folglich ruft der Klugscheißer erklärend aus: "Boah, voll in die Eier, haha!", oder: "Wetten, dass der Killer hinter der Tür steht?"

An dieser Stelle begehen manche Zuschauer den Fehler, derlei Erklärungsmodelle mit einem unhöflichen "Fresse!" zu quittieren. Stattdessen sollte man dem Klugscheißer standing ovations spendieren oder seine verblüffenden deduktiven Fähigkeiten ("Der Saurier hat den Anwalt gefressen!") ruhig auch mal mit einer La-Ola-Welle durch den Saal belohnen.

1. Das Kino-Pärchen

"Oh! Mon Amour, du machste misch wilde!"

Aus wissenschaftlich noch nicht lückenlos geklärten Gründen treffen sich frisch verliebte Pärchen oftmals im Kino. Zu Recht stellen sich unbeteiligte Zuschauer die Frage, ob eine Wohnung, ein Hotelzimmer oder die Abstellkammer in der Schule nicht der geeignetere Ort für den Austausch vonIntimitäten sei. Besonders unangenehm sind derlei Situationen für unmittelbare Sitznachbarn. In seltenen Fällen nutzen sie diese schamlos aus, indem sie die Glocken des weiblichen Pärchen-Parts auf ihre Gussfestigkeit testen. Zumeist überwiegt aber die Verärgerung, beim Filmvergnügen durch das Gefummel nebenan gestört zu werden. Sarkastische Bemerkungen wie: "Kann ich mitmachen?", oder: "Bist du der Typ aus dem Schwulenporno?" sind völlig unangebracht und peinlich für das Knutsch-Pärchen.

Gönnen Sie den beiden das junge Glück, packen Sie diskret zusammen und verlassen Sie den Saal möglichst geräuschlos. Sollten Sie der Letzte sein, der den Saal verlassen hat, vergessen Sie bitte nicht, den Geschäftsführer des Kinos unaufgeregt zu informieren, dass zwei Leute im Saal offenbar einen Terroranschlag planen.

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