Gratifikationskrisen kennen und überwinden

Aus heutiger Sicht bewerte ich meine erste, leichte Depression als Ausdruck einer "sozialen Gratifikationskrise" (Gratifikation = freiwillige Vergütung). Gratifikationskrisen wurden von dem Medizinsoziologen Johannes Siegrist anhand umfangreicher empirischer Studien nachgewiesen. Dabei stellen die Gratifikationskrisen große psychosoziale Stressfaktoren dar, die vor allem in der Berufs- und Arbeitswelt, aber auch im privaten Alltag auftreten können. Das Gefühl, sich engagiert für eine Sache einzusetzen und sich dabei zu verausgaben, ohne eine angemessene Würdigung zu erfahren, führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. Negative Empfindungen von z.B. ausgenutzt sein oder ausgebeutet zu werden, können dann, sofern diese Gefühle nicht ausgeräumt werden können und länger andauern, zu einer Depression führen. Bei mir führten der Abschluss meines Studiums und das Leben als "Nur-Hausfrau" zur Wahrnehmung der Nichtbeachtung meines Hausfrauen-Daseins. Plötzlich lebte ich ohne angemessene Anerkennung und kam in eine Krise!

Auch die Gesellschaft kann krank machen

Damals wurde mir deutlich, wie gesellschaftliche und geschichtliche Hintergründe, mein Denken und Fühlen bestimmten. Meine anerzogenen Ansichten standen im Konflikt zu meinen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen. Sicherlich kollidieren nicht nur in meinem Leben angenommene Sichtweisen und persönliche Wünsche und Bedürfnisse. Statistisch durchlebt jeder siebte im Laufe seines Lebens mindestens eine depressive Phase. Zurzeit, so Schätzungen, leben in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen mit der Diagnose Depression und sind dabei nicht einfach nur "schlecht drauf" sondern wirklich ernsthaft erkrankt! Doch nicht alle, die eine depressive Phase durchleben brauchen einen Facharzt oder Psychologen. Viele Krisen oder verdrängte Konflikte können im Leben eines Menschen zur Diagnose "Depression" führen. Dabei können, wie mein Beispiel im Umgang mit der Hausfrauen-Rolle zeigt, auch anerzogenes Verhalten, durch die Erziehung und die Umwelt verinnerlichtes Denken bzw. angenommene innere Haltungen, Grundlage der Krisen oder Konflikte sein.

Kennen Sie alle Ihre Muss-, Soll- und Kannvorschriften?

Genau hier liegt der Ansatz für die Ausführungen dieser Zeilen. Wir wachsen in bestimmten Traditionen auf, die uns Orientierung und Halt bieten. Mit diesen Traditionen übernehmen wir bereits ganz früh in unserem Leben unbewusst nahezu alle Muss-, Soll- und Kann-Vorschriften unserer Gesellschaft. Wir wissen dann, dass wir nicht schlagen sollen, nicht lügen oder betrügen sollen oder nicht bei rot über die Ampel zu gehen haben. Leider übernehmen wir auch Regeln, deren Wirkung auf unser Leben wir gar nicht oder nur sehr unzureichend wahrnehmen. Um einige dieser verdeckten Lebensregeln geht es in den Texten von ErkenntnisWelten. Dabei werden nicht nur die Hintergründe, die in eine Depression führen können, dargelegt, sondern auch potentielle Lösungswege beschrieben.

Diesen Text können Sie auf dem You Tube Clip: (Gratifikatins-) Krisen überwinden, mit Bildern unterlegt hören.

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