Der Schattenwurf des Mont-Blanc über dem Genfer SeeHier der uralte Bericht über die Besteigung des Mont-Blanc in der ungekürzten Fassung von 1997. Schon damals gab's Internet in Ulm und man hat noch mit der Deutschen Mark, dem Französischen Franc und dem Schweizer Franken bezahlt :-)

Nachdem nun schon tagelang super Wetter in den Bergen war, die Klettersachen seit einigen Tagen gepackt im Zimmer lagen und noch immer keiner meiner Freunde Zeit hatte, fuhr ich am Donnerstag morgen eben alleine los in Richtung Chamonix. Da weder Eltern noch Freundin von dieser Idee begeistert waren, hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch, zumal ich auch nicht so recht wußte, was da auf mich zukommt und dies mein erster 4000er werden sollte. Nach 10 Stunden Fahrerei (solange hat's gedauert um die Strecke Ulm - Chamonix zurückzulegen... insgesamt 520 km) war ich dann endlich am Ziel und verbrachte die Nacht mehr schlecht als recht im Auto. Am nächsten Morgen erwachte ich deshalb auch schon ziemlich früh und kam als erster an der Bergstation von Les Houches an. Ich war sehr verwundert, da ich keinen einzigen anderen Bergsteiger antraf und die erste Gondel demnächst losfuhr. So ganz alleine wollte ich dann doch nicht rauf auf den Mont Blanc und es hatte ja geheißen, da oben wäre ein Gedränge, das bei gutem Wetter seinesgleichen sucht. Nun denn, des Rätsels Lösung ergab sich etwas später, als dann doch noch einige Wanderer eintrafen: Die erste Gondel von Les Houches fährt zwar schon um 8.00 Uhr los, aber weiter oben kann man in eine Zahnradbahn umsteigen, die erst um 10.25 Uhr die Bergstation Bellevue passiert. Nid d'Aigle, die Endstation der Zahnradbahn, war dann Ausgangspunkt meiner Mont Blanc Tour. Zuerst läuft man ziemlich lange über öde Steinfelder, kommt dann an der Tete Rousse Hütte vorbei, überquert einen Teil des Bionnassa Gletschers und erreicht schließlich das berühmt berüchtigte Couloir, eine Felsrinne in der sehr große Steinschlaggefahr herrscht. Meiner Meinung nach ist das Couloir aber gut einzusehen, so daß man die Steine schon von Weitem sehen und hören kann. Ist alles OK (d.h. kein Stein im Anmarsch), dann aber nix wie rüber, nicht stolpern und keine Photos machen (Beim Abstieg sah ich 2 Typen, die ewig lang im Couloir ohne Helm! rumlatschten und sich nicht entscheiden konnten, wo der Weg langgeht... kein Wunder, daß dabei was passieren kann). Der weitere Aufstieg zur Gouter Hütte ist dann meistens Felskletterei im ersten Schwierigkeitsgrad, aber es hatte auch noch jetzt (Ende September) vereiste Stellen. Um halb vier war ich dann endlich auf der Hütte angekommen und nach einer langen Pause gab's dann am Abend was zu Essen. Entgegen allem was ich bisher gehört hatte (bei gutem Wetter herrsche hier totale Überfüllung (oft mehr als 500 Personen!?), Schlafen im Stehen etc.), waren wir hier oben dann nur eine Gruppe von ca. 40 Leuten und jeder erhielt ein Essen (Mensa like mit Nachschlag) und einen Platz im Matratzenlager. Um halb acht war dann Bettruhe angesagt und schon um 2.00 Uhr in der Nacht wurde man geweckt. Nach dem Frühstück und einigen kleinen Vorbereitungen ging's dann endlich los. Mit Helmlampe steigt man bei Dunkelheit zuerst über Schneefelder hinauf zum Dome de Gouter und weiter hoch bis zum Refuge de Vallot, ein Notlager, das zwar schon einige Menschenleben gerettet hat, aber total verwahrlost ist (benutzen die das als Müllhalde oder was???). An diesem Punkt hat man so ungefähr die Hälfte des Aufstieges geschafft. Dann, als es langsam heller wurde sah ich endlich, wieviel noch zu gehen war: Weitere 500 Höhenmeter über den bis zu 40° steilen Bossegrat. Der Schnee war aber gut und griffig und nach weiteren 2 anstrengenden Stunden (Ächz) erreichte ich um 7.50 Uhr den Gipfel. Endlich oben. Mein Ziel war erreicht. Der höchste Berg der Alpen war bestiegen. Jucheeee... Nach einer halben Stunde Pause (es herrschte eine super Fernsicht) ging's dann leider wieder runter. Auf der Gouter Hütte machte ich nochmals ausgiebig Rast und erreichte um 15.00 Uhr gesund und halbwegs munter (nach einem 2500 m langen Abstieg) die Zahnradbahnstation bei Nid d'Aigle.

GEFAHREN:
Das Couloir stellte für mich das größte Risiko dar, da man gegen Steinschlag einfach machtlos ist. Ich denke aber, daß das Couloir mit etwas Umsicht relativ sicher zu passieren ist (man höre und schaue zuerst ob ein Stein kommt und wenn frei ist quere man möglichst zügig im Alleingang rüber). Ein Stahlseil, in das man sich zur Sicherung einhängen kann (wie in manchen Büchern erwähnt), konnte ich nicht entdecken. Übrigens: Viele Bergsteiger passierten das Couloir ohne Helm und im Schneckentempo, also kein Wunder wenn's da jedes Jahr Verletzte gibt! Der weitere Weg zur Gouter Hütte ist dann relativ Steinschlag sicher, aber es ist trotzdem angebracht den Helm auch hier zu tragen. Nach der Gouter Hütte folgt dann nur noch Schneestapferei, die allerdings sehr anstrengend ist (geringe Spaltengefahr). Und: am Bossegrat wird sicheres Steigeisengehen im bis zu 40° steilen Gelände vorausgesetzt auch wenn Mann / Frau nach Luft japst und mit Kopfschmerzen zu kämpfen hat (Stand September 1997).

ZEITEN:
1.Tag Fahrzeiten Auto: Ulm (12.30 Uhr) - Chamonix (22.30 Uhr, 520 km) ~~~~~ 2.Tag Fahrzeiten Seilbahn: Gondel von Les Houches bis Bellevue (9.40 - 9.50 Uhr, 1007 m - 1786 m) - Zahnradbahn von Bellevue bis Nid d'Aigle (10.25 - 10.40 Uhr, 1786 m - 2372 m). Gehzeiten: Nid d'Aigle (10.50 Uhr, 2372 m) - Refuge de Tete Rousse (12.30 Uhr, 3167 m) - Couloir (13.00 Uhr, 3333 m) - Refuge de Aiguille du Gouter (15.30 Uhr, 3817 m) ~~~~~ 3. Tag Gehzeiten: Refuge de Aiguille du Gouter (3.20 Uhr, 3817 m) - Dome du Gouter (4.50 Uhr, 4304 m) - Refuge Vallot (5.30 Uhr, 4362 m) - Mont Blanc (7.50-8.20 Uhr, 4807 m) - Refuge Vallot (9.10 Uhr, 4362 m) - Refuge de Aiguille du Gouter (10.50-12.00 Uhr, 3817 m) - Nid d'Aigle (14.40 Uhr, 2372 m). Fahrzeiten Seilbahn: Zahnradbahn von Nid d'Aigle bis Bellevue (15.30 - 15.45 Uhr, 2372 m - 1786 m, letzte Fahrt um 16.25 Uhr) - Gondel von Bellevue bis Les Houches (15.50 - 16.00 Uhr, 1786 m - 1007 m).

KOSTEN:
Kurs: FF / 3.24 = DM ~ Gondel von Les Houches bis Bellevue und zurück (66 FF) - Zahnradbahn von Bellevue bis Nid d'Aigle und zurück (58 FF) - Übernachtung auf der Gouter Hütte (47 FF mit DAV Ausweis, ohne 94 FF) - Menu auf der Gouter Hütte (99 FF) - Frühstück auf der Gouter Hütte (38 FF) - 1,5 Liter Wasserflasche auf der Gouter Hütte (31 FF).

AUSRÜSTUNG:
Kletterhelm, Helmlampe, ERSATZ Batterien, Skianzug, Skihose, T-Shirt, Pulli, Stirnband, Mütze, Handschuhe, Steigeisenfeste Schuhe, Steigeisen, Gamaschen, Pickel, 1-2 Liter Wasser, Kleinigkeit zu essen, Landkarte, Photo, Gletscherbrille, Sonnencreme, Toiletterpapier und für Seilschaften zusätzlich ein entsprechend langes Seil, Brust und Sitzgurt, Karabiner und evtl. Bandschlingen.

ANHANG:
Am Samstag abend (27.9.1997) fuhr ich dann weiter Richtung Sion, übernachtete wieder im Auto (wo man eigentilch doch recht gut schläft, wenn man etwas erschöpft ist) und war am nächsten Morgen um 8.00 Uhr in Täsch. Von Täsch aus fährt man dann mit dem Zug nach Zermatt (20 min) und von dort nimmt man die Seilbahn auf's kleine Matterhorn (45 min, 3820 m). Die Fahrkarten kauft man am Besten vorne in Täsch im Gasthof neben dem großen Parkplatz, da es dort einen Sonderpreis für die Bergbahnen gibt (Kosten: 14.50 SF für den Zug nach Zermatt, 45 SF für die Seilbahnfahrt zum kleinen Matterhorn, jeweils mit Rückfahrkarte ~ Kurs: SF / 0.81 = DM). In einer Stunde stieg ich dann auf's Breithorn (4164 m) auf und war so gegen 12.00 Uhr mittags wieder zurück bei der Gondelstation. Von Täsch aus fuhr ich dann in 7 Stunden wieder zurück nach Ulm (14.00 Uhr - 21.00 Uhr, 437 km).

INFO:
Die Besteigung des Breithorns ist sehr einfach, vorausgesetzt man wird nicht Höhenkrank und das Wetter ist gut (Es sind schon einige Wanderer bei einem blitzartigen Wettersturz ums Leben gekommen. Also selbst bei solch einem einfachen 4000er ist Vorsicht geboten). Vom Breithorn aus hat man einen super Blick über die "ganze Alpenkette": Matterhorn, Mont Blanc, Monte Rosa Masiv, Grand Paradiso, Jungfrau etc. Also wer lieber die Fernsicht geniessen will und einen leichten 4000er besteigen möchte, dem sei diese Tour empfohlen. Allerdings sind die Berge um Zernatt in den Sommermonaten wohl total überlaufen, was diesmal ausnahmsweise nicht der Fall war (trotz Wochenende). Noch ein paar Worte zur Ausrüstung: Pickel, Steigeisen, Handschuhe und Gletscherbrille nebst warmer Kleidung sollten auch an diesem Berg nicht fehlen (September 1997).

Ankunft mit der Bahn bei Nid d'Aigle auf 2723 m

Hans, am 16.10.2009
3 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Autor seit 7 Jahren
59 Seiten
Laden ...
Fehler!