Eine etwas andere Erntedankgeschichte

Gott segnete die Menschen und sprach: Macht euch die Erde untertan. 

 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

Und die Menschen machten sich die Erde untertan. Sie begannen, Bäume zu fällen, um Häuser zu bauen und diese mit Holz zu beheizen.

Und die Menschen sahen alles an, was Gott gemacht hatte, und siehe, es war noch ziemlich gut.

Und die Menschen machten sich die Erde untertan. Sie kamen auf die Idee, eine Arbeitsteilung einzuführen. Manche bestellten weiter die Felder oder züchteten Vieh und sorgten so für Nahrung. Andere wurden Handwerker, etliche verborgten auch Geld gegen Zinsen. Einige wurde sogar Soldaten, um das Geld und die Nahrungsmittel zu verteidigen.

Die, die kein Land und kein Vieh besaßen, mussten nun bei ihren Mitmenschen die Nahrung kaufen. Dafür brauchten sie das Geld, das wiederum andere Mitmenschen verborgten. Um es zurückzuzahlen, arbeiteten die Besitzlosen hart – wenn man sie ließ.

Und die Menschen sahen alles an, was Gott gemacht hatte, und siehe, es war, na ja, immer noch einigermaßen gut.

Und die Menschen machten sich die Erde weiter untertan. Sie stellten fest, dass die Wälder nicht so schnell nachwuchsen, wie sie gefällt wurden. Deshalb entwickelten sie den Kohleabbau oder suchten nach Erdöl. Dicker Rauch durchzog nun die Luft, so dass die Menschen husteten und krank wurden. Doch sie konnten nun Wärme und andere Energie erzeugen, ohne Bäume zu fällen.

Und die Menschen sahen alles an, was Gott gemacht hatte, und siehe, es war teilweise ganz gut.

Und die Menschen machten sich die Erde weiter untertan. Als sie merkten, dass nach dem Holz auch die Kohle und das Erdöl knapp wurden, entdeckten sie die Atomkraft für sich. Die erwies sich als abgasfrei und unsichtbar. Nun war die Luft wieder sauber, und keiner musste krank werden. Bis es ein paar Unfälle gab…

Und die Menschen sahen alles an, was Gott gemacht hatte, und siehe, es war schon deutlich weniger gut.

Da nannten einige Menschen sich "Umweltschützer", machten sich die Erde untertan und entwickelten neue Ideen.

Sie schraubten giftiges Blei auf ihre Dächer und nannten es "Solarplatten". Sie errichteten auch große Windräder zu Land und im Meer. Vögel und Wale fanden das zwar nicht so lustig.

Aber die Menschen konnten nun "erneuerbare Energien" nutzen und so die Schöpfung schonen. Jene wurde schließlich durch Naturkatastrophen und den Treibhauseffekt schon genug belastet.

Denn man erkannte, dass Kühe Umweltsünder sind, weil sie viel zu viel Methan-Abgase in die Luft pupsen…

Und die Menschen sahen alles an, was Gott gemacht hatte, und siehe, es war eindeutig mittelmäßig geworden.

Und die Menschen machten sich die Erde noch weiter untertan. Sie entdeckten, dass man auch die Feldfrüchte zur Energiegewinnung nutzen konnte.

Also bebauten sie große Felder voller genmanipulierter Pflanzen und fertigten daraus Kraftstoff oder Brennmaterial. Ihre Mitmenschen hatten dadurch noch weniger zu essen, doch immerhin wirtschaftete man jetzt ökologisch.

Allerdings verhungerte nun alle drei Sekunden ein Kind.

Und die Menschen sahen alles an, was sie selbst angerichtet hatten, und siehe, es war absolut schrecklich.

Und sie glaubten nicht mehr an Gott. Aber Gott glaubte immer noch an die Menschen. Deshalb bewahrte er die Schöpfung weiterhin.

Und ein paar Menschen, die doch noch an Gott glauben, freuen sich darüber, denn so können sie in diesem Augenblick Erntedank feiern.

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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