Keine Gleichheit in der Gesellschaft

Die französische Gesellschaft dieser Zeit lässt sich in verschiedene Gruppen unterteilen: Adel, Klerus, Bourgeoisie (Großbürgertum), Handwerker und Bauern. Zur Deckung der horrenden Staatsausgaben wurden in erster Linie die unteren Schichten heran gezogen – Adel und Klerus waren von der Grundsteuer befreit. So mussten also die Ärmsten die finanzielle Hauptlast tragen, ohne jegliches Recht auf Mitbestimmung.

Diese Zustände trafen zunächst auf die Gedanken der sich verbreitenden Aufklärung. Die Forderungen nach Freiheit und Gleichheit wurden zunächst auch von den reicheren Bürgern gefordert. Ludwig XVI. zeigte sich zwar zunächst reformbereit, wurde aber vor allem durch die Partei seiner Frau Marie Antoinette gestoppt.

Der Dritte Stand trägt den Klerus ...

Der Dritte Stand trägt den Klerus und den Adel (Bild: M.P.)

Revolution gegen die bestehende Ordnung

Nachdem die Kosten für außenpolitische Maßnahmen explodierten und sich die Lage der Menschen in Frankreich weiter verschlechterte, war die Revolution nicht mehr zu verhindern. Nicht nur in Paris wurde die alte Ordnung gestürzt, im ganzen Land bildeten sich autonome Gemeinden. Nach dem Vorbild der Virginia Bill of Rights erfolgt am 26. August 1789 die Erklärung der Menschenrechte. Das Feudalsystem war damit endgültig Geschichte. Stattdessen galten ab sofort Gewerbe- und Ämterfreiheit. Jeder Mensch sollte frei und vor dem Gesetz gleich sein. Durch den Verkauf von eingezogenen Besitztümern und Landgütern kam nicht nur Geld in die Staatskasse, es entstand auch das Besitzbürgertum. Die neue Verfassung wurde schließlich am 3. September 1791 verkündet. Frankreich war nun eine konstitutionelle Monarchie inklusive Exekutive und einer gewählten Legislative.

Die Königsfamilie war in der Zwischenzeit inhaftiert worden. Der Adel im Ausland dachte gar nicht daran, die neu entstandene Staatsform zu akzeptieren – bedrohten die neuen Ideen doch direkt die eigene Herrschaft. Die Könige und Fürsten befürchteten vollkommen zurecht, dass sich die Ideen der französischen Revolution wie ein Lauffeuer ausbreiten konnten. Oberstes Ziel war es also, die Revolutionäre zu besiegen und den König wieder einzusetzen. Dies führte zu den Koalitionskriegen, die im Jahr 1792 ihren Anfang nahmen. Doch trotz eines vereinten Vorgehens ausländischer Truppen konnte die Revolutionsarmee nicht besiegt werden. Im Gegenteil: Nun erwachte das französische Nationalgefühl endgültig. Nicht zuletzt sollte der Krieg den Ausgangspunkt für die Karriere eines ebenso kleinen wie strategisch brillanten Mannes von der Insel Korsika bilden.

Der Sturm auf die Bastille am 14 ...

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 (Bild: Jean-Pierre Houël)

Terror statt Frieden

Im Inland zeigte sich inzwischen, dass die neue Verfassung mitnichten zu einem demokratischen Paradies geführt hatte. Robespierre errichtete eine Gewaltherrschaft, der alleine in Paris 1.251 Menschen zum Opfer fallen sollten. Dazu kommen noch unzählige Opfer in den Departements. Diese Herrschaft, auch als Zeit des "Grande Terreur" bekannt, sollte erst im Sommer 1794 ihr Ende finden. Bis 1799 übernahm nun das Direktorium die Kontrolle, bis es vom Konsulat abgelöst wurde. Nachdem die Franzosen einen König abgesetzt und getötet hatten, sollten sie schließlich einen Kaiser bekommen, der die Landkarte Europas grundlegend verändern sollte.

Preis und Erbe der Revolution

Die französische Revolution zeigt sehr eindrücklich, dass grundlegende gesellschaftliche Veränderungen nicht von heute auf morgen zu erreichen sind. Die gewaltsame Veränderung der bestehenden Verhältnisse war letzten Endes eine Konsequenz eines langen Leidensweges, der sich schließlich trotz allen aufklärerischen Denkens in veränderter Form viele Jahre fortsetzen sollte. Das Aufbrechen alter Muster führte zur Entstehung neuer Formen der Herrschaft in denen sich zeigen sollte, dass nicht nur Könige nach Macht streben. Die neuen Machthaber sollten sich als brutaler und rücksichtsloser zeigen als der absolutistisch herrschende Ludwig XVI. Die Menschen kannten bis zu diesem Zeitpunkt keine Demokratie. Ein Vorbild gab es höchstens in Form der gerade erst in der Entstehung begriffenen USA. Kein Wunder also, dass sie sich der Idee eines Alleinherrschers oder auch einer alleine herrschenden Gruppe von Individuen nicht konsequent verweigerten. Bedacht werden sollte auch, dass es in der Tat eine ganze Reihe von Verbesserungen gab, die sich auch in der Lebenswirklichkeit der einfachen Menschen wiederspiegelten. Der verhasste Adel wurde weitgehend entmachtet und enteignet, ebenso der Klerus. Es entstand ein neues Besitzbürgertum. In der Armee wurde das Leistungsprinzip eingeführt – nicht die Abstammung allein entschied nun über die Besetzung von Offiziersposten. Viel wichtiger aber war, dass das alte Lehnssystem weitgehend sein Ende fand. Bis es aber zu einer grundlegend anderen und zudem funktionierenden Gesellschaftsordnung kam, sollte es noch einige Zeit dauern.

Letztlich sollte sich vor allem die Ideen von Gleichheit und Freiheit immer weiter durchsetzen. Dies galt nicht nur für Frankreich, sondern auch für die anderen Staaten Europas. Die französische Revolution war der Anfang vom Ende der adligen Alleinherrscher, die ihre Herrschaft einzig und allein von Gott ableiteten.

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