Die Kosaken?

Die Kosaken galten als unumstrittene ethnische Gruppe und sind auch von nationalen ukrainischen Historikern unangetastet. Sie spielten gerade ob ihrer Geschichte eine bedeutende Rolle im postkommunistischen Ukrainischen Staat. Doch zunächst zu ihrer Geschichte: Sie veränderten im 16. Jh. ihren Charakter – immer mehr Kosaken entgingen dem Zugriff des Adels durch Flucht bzw. Migration durch die offenen Grenzen, wie in verschiedenen Gegenden am Don, Terek, Volga oder Kuban beobachtet werden konnte. Sie wurden zur Grenzsicherung eingesetzt und waren vorwiegend orthodox. Es gab Kosaken-Verbände die sich auf die Sicherung der von Krimtataren und osmanischen Truppen bedrohten Gebiete südlich verstanden. Sie sahen in der Verteidigung des Grenzlandes oberste Priorität, was zu einer gewissen inneren Einheit führte, abseits von den Stände-Geplänkel unter den Führungsoffizieren in den Metropolen. Die Kosakenverbände lebten von Ackerbau, der Jagd, den Früchten des Waldes und der Gewässer sowie ua. von der Bienenzucht. Kosakenverbände bildeten auch Wirtschaftseinheiten, in denen Frauen unterrepräsentiert waren. Ehelos und frauenlos waren die Kosaken allerdings nicht – zumindest nicht die über 25-jährigen Krieger. Frauen galten als "Bewahrerinnen" der Nation, als Mitglieder in den Wirtschaftseinheiten oder dienten der Reproduktion, waren aber nicht vorrangig von Bedeutung in verfasster Literatur. Möglicherweise wurde die "maskuline Lebensform" der Kosaken später in der russischen Romantik auch verklärt und zu einer egalitären Gemeinschaft stilisiert, wie sie so gar nicht gewesen ist.

 

Ab 1590 führte man "Registerkosaken", die dem polnischen König unterstellt waren. Später wurde ein Dienstkataster geführt, der bis zu 6000 Männer umfasste und praktisch drei Arten von Kosaken auswies: Registerkosaken, eingesessene Freie oder Söldnerkosaken, wobei letztere kaum von ihrem Sold leben (konnten), sondern Beutezüge durchführte und sich so finanzierten. Nahe des Dnepr hatten sich die Kosaken angesiedelt und im 17. Jahrhundert nun war so viel gesellschaftlicher Sprengstoff in den Siedlungen, dass es zu Zusammenstößen kam, nicht zuletzt, als man die Privilegieneinschränkung der Registerkosaken nicht dulden wollte.

Aufstand und Vertag im 17. Jh.

Da es mitunter jüdische Mitarbeiter des adeligen Besitzers von diversen Ländereien waren, die das Vermögen und Güter verwalteten, waren zunächst diese Ziel des Konfliktes. Bauern und Kosaken attackierten jene, die sie für soziale Ungerechtigkeiten verantwortlich sahen und so kam es zum Chmel'nyc'kyj-Aufstand, der den Höhepunkt dieser Ausschreitungen markierte. Dieser Aufstand ist nach Bohdan Chmel'nyc'kyj benannt, einem der als Gründer des ukrainischen Kosakenstaates gilt. Der ukrainische Anführer der Nationalbewegung wurde nahe Lemberg geboren und sowohl orthodox als auch lateinisch erzogen, ehe er in den Dienst des polnischen Königs eintrat und an Feldzügen teilnahm. Dann aber wandte er sich vom System ab, weil man ihn um seinen Land- und Familiensitz brachte und es keine Möglichkeit gab, Gerechtigkeit zu erwirken. Er wich in die Steppe aus und – ähnlich wie Robin Hood – sammelte er Gefolgsleute, schloss Bündnisse – wie zB mit den Krimtataren – und ging gegen adelige Willkür vor, so kam es zu mehreren Schlachten gegen polnische Truppen. Bemerkenswerte militärische Erfolge führten zu einem Erstarken seiner Anhängerschaft und zu einem Vertrag (Vertrag von Zboriv, 1648). Allerdings ging es den Bauern durch den Vertrag nicht wesentlich besser – sie wurden nicht erwähnt. Immerhin wurde den Kosaken darin ein Gebiet zugesprochen, das sie als Autonomiegebiet in religiöser und kultureller Form bewohnen sollten. Nur mangelte es an der praktischen Umsetzung, die zwar wiederholt eingefordert wurde, aber dennoch in jahrelanger Streitigkeit endete, ehe sich die Kosaken an den Zaren wandte, um ihr Recht durchzusetzen. Aber es gelang nicht. Zwar ließ sie der Zar "Treue" schwören, ehe er in Verhandlungen um die Vertragseinhaltung eintrat, doch letztlich interpretierte er den Vertrag auf eigene Weise und schien die Autonomie ebensowenig zu respektieren. Es folgten wechselseitige Vertragsbrüche und politische Manöver, die in der Teilung des Kosakengebiets und der Einsetzung von Het'mane für die linke und die rechte Uferseite. Letztlich wurde der Friede zerstört und das Gebiet zum Kriegsschauplatz. Doch der endgültige Niedergang der Kosaken, die auch ihre Funktion als Grenzsicherer verloren hatten, zog sich noch bis ins 18. Jh.

 

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Autor seit 2 Jahren
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