Impressionen aus der Ukraine (Bild: Roman_Polyanyk / Pixabay)

Nation Building im 19.Jh.

Die Frage nach Besserstellung von sozial Benachteiligten stellte sich in der Ukraine weder unter russischer noch unter habsburgischer Herrschaft. Im Gegenteil. Die Adeligen, die sich der russischen Kooperation unterstellten, erhöhten meist die Steuern, die ihre Pächter abzuliefern hatten, wie diese unter den Bedingungen vorgesehen war. Die Soziale Frage war eigentlich eine Frage der Bauern und damit eine Standesangelegenheit für fast 90 % der Bevölkerung der damaligen Ukraine. Es gab zwar eine "Große Reform", dennoch kam es nicht zu einem entsprechenden Effekt, viel mehr wurde die Lage in manchen Bereichen noch schlechter. Das Volk schlitterte in ein kollektiv traumatisches Erlebnis, das mit dem verlorenen Krimkrieg einherging.1881 trat Alexander III. Die Regierung an und damit verstärkte sich der Russifizierungsdruck noch.

Phase A. Wissenschaftliches Interesse – die kleineren, versprengten Zirkel der Intellektuellen sammeln Mythen, Legenden und Märchen einer Volksgruppe und widmen sich der Folklore und der Volkssprache. Man identifiziert sich, distanziert sich von anderen Funden und tritt in die

Phase B ein, in der es zu patriotischen Wertungen kommt, die die Funde klassifizieren und Kontexten zuweist. Nationale Organisationen bilden daraufhin Lesevereine oder Kulturclubs, in denen die Funde vorgetragen und diskutiert werden. Gegen der Tätigkeit in Phase A ist die Tätigkeit in Phase B von der nationalen Ideologie geprägt. Man ist sich der nationalpolititschen Absicht bewusst. 

Phase C umfasst eine nationale Massenbewegung die sich anhand der ausgewählten Funde stärker identifiziert, sich als Volk oder Nation versteht, Gruppenbewusstsein entwickelt und etwas anstrebt: Autonomie, Unabhängigkeit etc. Zwar sind diese Phasen nicht unumstritten, werden aber immer wieder bemerkt, auch bei nicht-staatlichen Nationalitäten. Gerade in der Ukraine wurde man sich der Differenzen zu Russland bewusst.

Die Kyrill und Method-Bruderschaft (1846 – 47)

Eine der politischen Gruppen, die sich nach den Slaven-Aposteln aus dem 9. Jh benannt hatten, sind die Kyrill- und Method-Gemeinschaft, die sich als panslavisch verstand und damit gegen den offiziellen autokratisch-hegemonialen Nationalismus stand.

1867 kam es in Moskau zum Zweiten Slavenkongress, der eine Oppositionsbewegung fundierte. Der erste Slavenkongress 1848 wurde in Prag abgehalten und dort war der Tscheche Frantisek Palacký, ein erklärter Gegner der russischen Monarchen, federführend. Die Bruderschaft teilte seine Haltung und sahen in der Kooperation von Ukrainern, Polen, Serben und Bulgaren eine Zukunft, weniger in der Integration der Russen. Die Bruderschaft und ihre Schriften waren für die Ukraine ein wesentlicher Baustein in ihrem Werden.

 Zwar wurden die Bruderschaftler zum Teil verbannt und bestraft, es gelang einigen von ihnen aber die Wiederintegration in die Gesellschaft und damit verbundenen sozialen Aufstieg. Es bedeutete auch, dass es keine dauerhafte Ächtung der Staatsmacht gab, die zumindest die ersten liberalen Regierungsjahre Alexanders II. umfasst.

 

Die Phase B kennzeichnete auch die Herausgabe von Zeitschriften des Bildungsbürgertums, allen voran den Kreisen der Universität St. Petersburg, die sich der Volksbildung verschrieben hatten. Die Hromada, wie sie sich nannten (Gemeinde), war der Volksbildung zugetan und schufen (noch nicht massentaugliche) Erziehungsaufträge.

 

Auf die Ukrainer wirkte damals Druck aus verschiedenen Seiten ein, polnischer, russischer, rus'-magyarischer und ruthenischer selbst, der die Überlegungen des ukrainischen "Projekte" in die habsburgischen Länder verlagerte, konkret nach Galizien, wo sich auch ein schon relativ differenziertes ukrainisches Parteienwesen entwickelte. Die Notwendigkeit der Diskussion sozialer und nationaler Fragen war von den Patrioten erkannt worden. Auch wurde in Zirkeln die am Beginn stehende Idee des Sozialismus und Marxismus überlegt. Es kam schon damals zu Amtsenthebungen von Professoren an der Universität, wie es dem Historiker Michajlo Drahomanov geschah, der die Ukraine als Föderation gleichberechtigter Völker unter Einschluss Russlands sah. Er flog über Genf nach Sofia, unterhielt aber weiterhin seine politischen Kontakte. Von Vordenkern des Sozialismus wurde der große Wirtschaftsraum als Notwendigkeit erachtet.

 

1900 wurde die Revolutionäre Ukrainische Partei (RUP) gegründet und legte die Keimzelle für das ukrainische Parteienwesen im zaristischen Russland. Später gründete der nationale Flügel die "USDRP", eine sozialdemokratische Arbeiterpartei, die an der SPD Erfurts orientiert war. Aber immer noch war es keine nationalistische Massenbewegung.

 

Ukraine Sightseeing

Museen in Kiev

  • Volksmuseum der Korruption – Meschyhirja

  • Buchdruck Museum

  • Miniaturen Museum

  • Museum für dekorkative Volkskunst

  • Museum für Theater Musik und Filmkunst

Autor seit 2 Jahren
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