Holodomor, die Hungersnot

In den frühen 1930ern kam es zu einer verheerenden Hungersnot, schlimmer als die erste, die bereits fünf Millionen Personen das Leben kostete. Diese, zweite Hungersnot bekam die Bezeichnung "Holodomor". Zwar wurden ausländische Hilfslieferungen ins Land gelassen, was das Sterben abmilderte, doch es grub sich tief in das Gedächtnis der Bevölkerung. In diesen Jahren wurde die Politik der "Einwurzelung" betrieben. Tatsächlich gab es in der Ideologie der Marxisten eigentlich keine Antworten auf Nationalitäten-Fragen, da man von der Auflösung der Nationalitäten ausging. Zwar wurde während der Revolution von 1917 vermittelt, dass jedes Volk das Recht auf Eigenständigkeit besitze, aber möglicherweise waren taktische Gründe vorrangig. Die "Einwurzelung" umfasste Alphabetisierungskampagnen und Schrift-Projekte, die auch die Abfassung der Grammatik des Ukrainischen waren die Folge. Aber auch wurde den Einheimischen der Vorrang bei der Vergabe von Posten eingeräumt. Diese Maßnahmen zeigten Wirkung – 80 Prozent der verlegten Zeitungen waren in ukrainischer geschrieben, die Schulen unterrichteten im hohen Maß in ukrainischer Sprache. Für die Universitäten mussten allerdings Sprachkenntisse des Russischen auf Muttersprach-Niveau nachgewiesen werden.

 

Anders in Rumänien, wo die ukrainische Bevölkerung praktisch einer "Erziehungspolitik" unterworfen wurden. Davon waren rund 800.000 rumänische Staatsbürger ukrainischer Nationalität betroffen. Im Zuge dieser Politik verzichtete man auf Habsburgische Errungenschaften wie ukrainischsprachige Presse oder Schulen.

 

Stalin, der zuvor schon mit Aufgaben in Nationalitätenfragen betraut war, erlebte 1928 die Einführung des ersten Fünf-Jahresplan und damit endete einerseits die "Neue Ökonomische Politik" andererseits veränderte sich die Ukrainische Wirtschaft. Die Schwerindustrie stieg überdurchschnittlich an, die Urbanisierung stieg, der private Konsum ließ nach und die Landwirtschaft wurde ersten Versuchen der Kollektivierung unterworfen, was mitunter die Hungersnöte begünstigte. Es folgten Repressionen und die Durchführung sogenannter Säuberungen in den 1930er Jahren. Die "Großen Säuberungen" begannen 1934 mit dem Mord am Leningrader Parteichef Kirov.

 

Der "Holodomo" - 1932/33

Millionen Ukrainer (die Zahl schwankt nach Quelle) wurden während der Hungersnot, die aus Sicht der Betroffenen vom Kommunistischen Regime in der Sowjetunion absichtlich ausgelöst wurde, getötet. Historiker bestätigen diese These: Die Führer der Kommunistischen Partei wollten den Widerstand der Ukraine brechen, beschlagnahmten alle Tiere und die Bauernhöfe gleich mit. Wer nur ein eiziges Korn für sich selbst verwendete, wurde abtransportiert. Die Nahrung gelangte mit den "Roten Zügen" in die Zentralen. "Holodomor" bedeutet "Tötung durch Hunger". Es will sagen: "Es ist moralisch falsch, die eigenen Kinder zu essen."

 

Links

Was war der Holodomor in der Ukraine? | Hungersnot 1932/1933 - SWR Wissen

Holodomor denial - Wikipedia

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