Kulturhistorische Geschichte in moderner Architektur

Hoch oben auf dem Berg der Hafenstadt steht das kleine, sehr feine, archäologische Museum, das zahlreiche Schätze der großen Kultur des Landes aus Jahrtausenden beherbergt. Die gläserne Halle schafft einen Raum, der sich perfekt in die Insellandschaft einfügt. Zu ebener Erde zeigt das Haus in fünf Sektionen goldene Diademe, Ohr- oder Fingerringe von großem archäologischen Wert.

Antike Statuen zeugen vom Reichtum dieser Epoche und verweisen damit auf Funde aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus. Werkzeuge aus Melos Obsidian (Lava), dem so genanntem schwarzen Gold, entstammen der Höhle im Fjord von Vathy und erinnern an die vulkanischen Ursprünge der griechischen Inseln.

Die hellenistische Statue einer weiblichen Figur aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus konnte im Jahr 1994 aus dem Meer zwischen den benachbarten Inseln geborgen werden. Die überlebensgroße Statue der "Frau von Kaylmnos" war Bootsfigur eines gesunkenen Schiffes und ist jetzt im archäologischen Museum in Pothia ausgestellt.

 

 

Griechische Insel Kalymnos

Meraki – Mit Herz

Die Flugbegleiterinnen verteilen Malstifte und Vorlagen für die Kinder. So schön bunt verstreicht die Zeit von zweieinhalb Stunden wie im Flug. Von München in Richtung Kos steigt der Airbus auf 8200 Meter Höhe zu einer Entfernung von knapp 1788 Kilometern auf.

"Ich liebe Griechenland, die stete Gastfreundschaft - und das gilt auch für das Jahr 2016, den Wein, die griechischen Köstlichkeiten. Ich wünsche Ihnen eine wundervolle Zeit auf der Insel."

Die Flugbegleiterin kennt die sagenumwobene, karge Insel, die man von Kos aus in kurzer Zeit über das Meer erreicht.

Am Hafen von Mastichari/Kos warten "Zeus", "Apollon" oder "Kalymnos-Star".

 

Gleitet die Fähre dahin, verlangsamt sich die Zeit - nimmt das Meer den Reisenden auf – steigen herb-bitterer Duft von griechischem Thymian und Glück auf - bringt das Schiff den Reisenden auf die "Unbekannte", zu der alle immer wieder zurückkehren.

 

 

Kalymnos - die griechische Perle der Ägäis

Die Insel Kalymnos gehört zu den südlichen Sporaden. Hier begann Dimitrios Hatzilaou hinter den Hügeln am Strand von Massouri im Jahr 1978 mit seinem Motorrad- und Moped-Vermietungs-Business. Mit dem Motorrad durch die heiße Landschaft zu streichen – was die Autorin vor 34 Jahren genoss - davon können Besucher der Insel jenseits des Massentourismus noch heute schöpfen: die allseits bekannte griechische Gastfreundschaft – reiche Landschaft, Wein und Köstlichkeiten.

Die Bucht bei Kantouni zeichnet sich seit Jahrtausenden durch seine Riesenfelsen aus vulkanischer Zeit aus. Hier betreibt Georgos Mamoyzelas seit 34 Jahren seine Ouzerie - reicht Kolokyzakia (gebackene Zuccinistreifen mit einer hauchdünnen Teigschicht), Skordalia (Kartoffelmus mit reichlich Knoblauch), Loukoumades (frittierte Hefebällchen mit kalymnischem Honig beträufelt) und andere Köstlichkeiten.

Einen Steinwurf davon entfernt liegt die Cantina Rock&Blues von Costas und Gwenn Gavalas. Zu diesem legendären Ort pilgern Besucher bereits seit 40 Jahren - um dem Rock- und Bluessound am Meer zu lauschen, die Zeit verstreichen zu lassen und aus der Geruhsamkeit der griechischen Insel zu schöpfen.

 

 

Seit im Jahr 2009 die neue Strasse nach Palionisos fertiggestellt wurde, können Gäste die Taverne "Ilias", einen der idyllischsten Orte der Insel, besuchen. "I started this place full of energy, gave the taverna the name of my son, who studies in Athens ", unter dem Namen meines Sohnes habe ich voller Tatkraft die Taverne eröffnet, er studiert zur Zeit in Athen", sagt Norma und schiebt einen, der vier blauen Stühlen auf dem Felsvorsatz zum Tisch.

In diesem Bilderbuch ähnlichen Setting reicht sie hausgemachte Speisen und zum Dessert die alles übertreffende Grießleckerei mit Nüssen (Halva).

Erst durch die neue Straße wurde die Erschließung der Region möglich und brachte den dort lebenden Menschen ein Stück Anbindung an die Zukunft. Der Tauchlehrer Nikolas Makarounas erinnert sich: "Als ich geboren wurde, hatten meine Eltern keinen Storm und kein Wasser - Dank der guten Anbindung ist das jetzt anders." Nach dem Startschuss der Regierungen der Dodekanes und der Insel Kalymnos zur Erbauung der Route konnte er ein größeres Gästehaus errichten und ein Restaurant eröffnen.

 

Kalymnos - Griechenland

Plati Gialos Kalymnos (Bild: Katti Mieth (member of DFJ))

Insel zwischen Historie und Fortschritt

Jeden Morgen fährt er auf seiner BMW ins Geschäft nach Massouri um seine Miet-Mopeds auf "Vordermann" zu bringen. Dieses Mal hat er es eilig, denn am Tag zuvor kam ein Gast auf der Fahrt durch die kalymnische Berglandschaft ins Straucheln. Dimitrios Hatzilaou muss den kleinen Kratzer am Bike ausbessern und einen Spiegel ersetzten. Kein Problem, denn mit Motorrädern kennt er sich aus, schaute bereits als Kind seinem Vater beim Schrauben über die Schulter, erlernte dann den Beruf des Ingenieurs und Elektronikers.

Sein zweites Standbein, der Piaggio-Handel, läuft nicht mehr gut, seit die Wirtschaftskrise Einzug hält.

"It is impossible, to get a credit from the bank, die Menschen bekommen heutzutage keinen Kredit mehr von den Banken", erklärt der Geschäftsmann nachdenklich.

Die Gehälter steigen seit mehr als zehn Jahren zu schwach, es findet eine Entwertung des Geldes statt und mehr als 30 Prozent der Bevölkerung ist ohne Arbeit.

Über 50 Prozent davon sind junge Menschen und so sind viele gezwungen, das Land zu verlassen.

 

Hatzilaous' Tochter hat die Ausbildung zur Zahntechnikerin abgeschlossen, bildet sich jetzt in Sprachen weiter.

"Mit mehreren Sprachen haben junge Menschen bessere Chancen, auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden.

Sie wird ein Jahr nach USA gehen, um sich auch dort weiterzubilden", verweist der Vater auf die Zukunft seiner Tochter. Der 30-jährige Sohn hat sich als Arzt auf Augenheilkunde spezialisiert, geht seinen Weg die Jahre als Stationsarzt eines Krankenhauses, bis er sich selbstständig machen kann.

"He is out of the house and on his way. Some more years as a doctor in the hospital, he is ready to start his own place."

 

 

Grande Grotta Massouri - Kalymnos - Dodekanes

Grande Grotta Massourin - Kalymnos - Greece (Bild: Katti Mieth (member of DFJ))

Die Insel Kalymnos ist vulkanischen Ursprungs

Die Gesteinsschichten im ägäischen Meer sind in Bewegung. Ein noch aktiver Vulkan auf der nahegelegenen Insel Nisyros legt von den vulkanischen Ursprüngen der Inselwelt Zeugnis ab. Er brodelt, qualmt und zischt und um seine Öffnung haben sich schwefelhaltige Ablagerungen gebildet.

Das Feuer des kalymnischen Unterwasser-Vulkans bei Therma sei erloschen, sagen die Leute. Aber wer weiss schon, wie lange noch. Denn bis heute schießen die unterirdischen Quellen radiumhaltige Fontainen an die Oberfläche.

 

Ein letztes großes Erdbeben fand im Jahr 1936 auf der nahen Insel Kos statt, bei dem die Insel-Hauptstadt zerstört wurde.

Dimitrios Hatzilaou berichtet vom quadratischen Wiederaufbau der Stadt, bei dem die geraden Linien der neuen Stadtarchitektur gut erkennbar sind. Spricht er über Kalymnos, zeichnen seine Hände Linien durch die Luft.

"Die Straßen der Hauptstadt sind ursprünglich entstanden, wirken wie wild durcheinander gewirbelt."

 

Wird der Geschäftsmann auf sein Wissen über die Kulturen angesprochen, erzählt er gern von der Geschichte, die sich 600 Jahre nach Christus hier in der Region zwischen den Inseln zutrug: "Vor 1500 Jahren bildeten Kalymnos und Teledos eine Einheit, im Zentrum lag die alte Hauptstadt "Kelaris" (offizielle Bezeichnung - Pothea). Only 40 meters in the sea lies the ancient city, if achäologists will discover it one day, Kalymnos will fly."

Durch eine riesige Flutwelle sei die Stadt weggerissen und auf den nur 40 Meter tief liegenden Meeresboden hinab gezogen worden. Würde jdie antike Stadt jemals gehoben werden – dann würden der Insel Kalymnos Flügel wachsen.

 

Bis heute konnte die Regierung ihr Versprechen, die gesunkenen Stadt zu bergen, nicht in die Tat umsetzen.

Jetzt in der ökonomischen Krise wird es keine archäologischen Arbeiten geben.

 

"People lived by the the sea for ages", seit Anbeginn waren die Bewohner der Insel Seeleute", erklärt der Hatzilaou weiter. Als im 19. Jahrhundert die Schwammtaucherei immer mehr an Bedeutung gewann und unzählige Menschen im Jahr 1947 vom griechischen Festland nach Kalymnos kamen, stieg die Einwohnerzahl auf eine Höhe von 35.000.

Im Zuge des großen Schwammsterbens dann im Jahr 1986 brach der einst so florierende Wirtschaftszweig zusammen, der Tourismus trat an seine Stelle.

Mit dem aufstrebenden Klettertourismus auf der bergigen "Unbekannten" vor der Haustür Deutschlands erlangte die Tourismusbranche einen selbsterhaltenden Aufschwung.

 

Kalymnos - Griechenland

Grande Grotta Massouri - Kalymnos (Bild: Katti Mieth)

Kalymnos – Europa-Hotspot der Kletterszene

"Zu diesen Felsen muß ich hin", entschied Sportkletterer Jerry aus Belgien in weniger als einer Sekunde, als er im Internet ein Foto der "Grande Grotta" sah.

Auf der Website der Insel Kalmynos und "Climber's nest" bekam er alle Informationen um sich vorzubereiten.

Seit dem Start des Klettertourismus war der Shop von Birgit Möller Anlaufpunkt für tausende von Kletterbegeisterten weltweit und erste Adresse für Kontakte rund um den Fels.

"Es kamen Menschen aus aller Herren Länder – aus Japan, Australien oder Bayern", erklärt die ehemalige Unternehmerin Birgit Möller, die das Herz der Kletterszene seit dem Jahr 2002 auf der Insel leitete. "Und es wurden immer mehr Frauen, die zu Seilen, Super Chalk und Haken griffen."

Zielstrebig hatte sich die Geschäftsfrau in die Welt des Klettersports eingearbeitet. "Den Sport gibt es bereits seit einer Ewigkeit. "Hoch" kam er hier auf Kalymnos ab dem Jahr 2002", erinnert sie sich und verweist auf die Kletterfibel des berühmten kalymniotischen Climbers und Buchautors Aris Theodoropolos, auf die sich Sportler aus aller Welt beziehen.

 

Neben Literaturtipps bekamen Sportbegeisterte von Mai bis in den November hinein Unterstützung in jeglicher Form. "Manche kamen sogar um die Weihnachtszeit und so hat der Klettertourismus die gesamte Reisesaison nachhaltig verlängert", so Birgit Möller. Den Laden gibt es mittlerweile nicht mehr, der Klettersport hat sich verselbstständigt und Wurzeln auf "der Kargen" geschlagen. Die immer wiederkehrenden Sportler halten den Tourismus am Laufen.

Airlines aus der ganzen Welt bringen Gäste auf die nahe gelegene Insel Kos oder nach Athen. Von dort aus gibt es Flüge direkt nach Kalymnos oder Sie fahren mit der Fähre übers Meer.

 

Griechisches Licht auf Telendos

Die vorgelagerte Insel Pserimos mit ihrem langen Sandstrand und die im Westen liegenden Insel Telendos rahmen die große Schwester Kalymnos ein.

Von Telendos erzählt man sich die Sage, dass ein Prinz, der in einer Burg auf einem Felsvorsprung von Kalymnos lebte, nicht zu seiner Prinzessin nach Telendos gelangen konnte. Als er zu ihr hinüber schwimmen wollte, ertrank er in den Fluten.

Daraufhin soll sie sich am Felsen zum Sterben nieder gelegt haben und in einen Jahrtausende langen Schlaf verfallen sein. Das Gesicht der "schlafenden Prinzessin" am Bergkamm der Insel bildet eine grandiose Silhouette.

 

"Purple rain" erklingt, die "Telendos-Star" steuert auf den Felsen zu, dreht bei. Kurz vor Mitternacht legt das Boot an der kleinen Mole an, zwei Gäste steigen aus dem Bauch, Captain Janis Galouzis löscht die Lichter, kehrt in Rita's Taverne zum Nachtessen ein.

"Das neue Boot macht die Strecke Mythies – Telendos in nur fünf Minuten. Mit der alten "Regina" war es fast eine kleine Schiffsreise", erinnert er sich an vergangene Zeiten.

Doch auch heute noch scheinen die Uhren auf Teledons langsamer zu laufen. Auf dem vor Urzeiten abgespaltenen Felsen gesellen sich jugendliche Einheimische zu Gästen, schnurrende Katzen bekommen Futtergaben, Sportkletterer relaxen von ihren Streifzügen durch die Bergwelt.

Auf der Insel gibt es weder Autos noch Mopeds. In Rita' s Taverne rollen sich die beiden Hunde "Lila" und "Lulu" in der Sonne zusammen - die freundlichen Wirtsleute haben den Strassenhunden ein neues Heim gegeben. Rita serviert ihren Gästen gern die nach uraltem Rezept hergestellte Käsepastete.

"Die Kletterer haben eine gute Haltung zur Natur und den Lebewesen darin, fragen immer wieder nach vegetarischen Gerichten, die zudem auch sehr gesund sind", sagt die Gastwirtin und stellt ein fleischloses Moussaka neben die Tiropites.

Rita's Restaurant ist seit 150 Jahren in Familienbesitz. Die ursprüngliche Taverne betrieb bereits der Vater ihrer Großmutter an diesem Strand.

Das traditionsreiche Restaurant ist von Mai bis in den November hinein geöffnet. Gäste können hier die Zeit verstreichen lassen, Ruhe zum Besinnen finden und abhanden gekommene Werte von Gastlichkeit und Liebe zur Natur mit seinen Lebewesen wiederfinden.

 

Von diesem Ort der Ruhe schweift der Blick über die Meerenge mit der versunkenen Stadt nach Massouri auf der anderen Seite. Nach der Ruhephase, den die Familie im Winter auf Kalymnos einlegt, beginnt jede neue Saison mit donnerdem Dynamit.

"To watch the dynamites, is for every kalymnian special", schwärmt Ritas Tochter Sebasti und deutet auf die Berge "in Flammen", die die Homepage der Insel zieren.

Während des Donners zieht die kirchliche Prozession über den Hang zum Kloster von Allerheiligen hinauf und huldigt alle Jahre aufs Neue dem Schutzpatron der Insel "Saint Savvas".

 

Wichtige Informationen

Kalymnos: Die griechische Insel gehört zur Inselgruppe der Dodekanes und liegt im Ägäischen Meer zwischen den Inseln Leros und Kos nahe der türkischen Küste. Hauptort ist das Städtchen Pothia.

 

Anreise: Per Flugzeug auf die Insel Kos, zum Beispiel mit airberlin. Vom Hafen Mastichari auf Kos täglich mehrere Schiffe nach Pothia. Fahrzeit 20 bis 60 Minuten. www.gtp.gr

 

Per Flugzeug bis Athen, ganzjährig zum Beispiel mit airberlin.

 

Weiterflug mit Olympic Air bis Kalymnos.

 

Mit der Fähre ab Athen-Piräus nach Kos und Kalymnos: www.gtp.gr

 

Beste Reisezeit: April bis Juni und September bis November. Die Monate Juli, August sind sehr heiß.

 

 

 

Unterkunft in Massouri: Hotels/Studios, privat buchbar.

 

Dimitrios Hatzilaou: www.kalymnosrent.com

Hotel Continental: +30 22430 478 36, www.continental-hotel.gr

 

Unterkunft in Myties: Hotel Atlantis: Telefon + Fax: - +30 22430 47497 www.atlantis-kalymnos.gr

 

Unterkunft in Kanouni: Skopelos Apartements, (Einfache Ausstattung), Telefon: +30 22430-47155

Kantouni-Beach-Hotel, (Hotel mit Pool), www.kantounibeachhotel.com.

 

 

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