Denken tut doch Jeder! Oder nicht?

Zunächst sollten wir klarstellen, dass Denken nicht gleich Denken ist. Gedanken, die uns einfach so in den Kopf kommen und um die wir nicht gebeten haben, sind hier nicht gemeint. Zwar werden auch diese "gedacht", aber eben nicht aktiv in einem von uns gewollten Denkprozess verarbeitet.

Wenn wir vom Denken sprechen, dann ist in aller Regel das absichtsvolle Denken gemeint. Wir lassen einen Gedanken nicht einfach vorüberziehen, sondern greifen ihn uns, betrachten ihn von allen Seiten und versuchen, ihn zu entwickeln. Kurz: Wir beschäftigen uns damit.

Aber auch das ist noch lange kein absichtsvolles Denken. Häufig wälzen wir einen Gedanken im Geiste hin und her, machen uns deswegen Sorgen, ängstigen uns oder erfreuen uns einfach an ihm. Nur wissen wir noch lange nichts damit anzufangen.

Aktives und zielgerichtetes Denken beginnt, sobald wir unsere Gedanken auf ein Ziel oder ein Problem abwenden wollen. Durch bloße Grübelei ist noch niemand der Lösung eines Problems näher gekommen, aber durch gezielten Nach-Denken, Über-Denken und vor allem Vor-Denken gelingt uns das. Je besser unsere Strategien beim Denken sind, desto besser sind unsere Ergebnisse.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass wir einerseits AN etwas denken können, ohne dass wir dabei ein Ziel verfolgen oder andererseits ÜBER etwas nachdenken, was einer aktiven Zielverfolgung entspricht.

Denke ich also falsch?

Falsches Denken gibt es natürlich trotzdem nicht. Auch der Tagtraum hat seien Berechtigung und niemand kann ernsthaft von uns verlangen, den ganzen Tag lang nur Ziele zu verfolgen und Probleme zu lösen. Gerade für kreative Prozesse ist es oft sehr hilfreich, Gedanken einfach nur absichtslos aus dem Unterbewusstsein aufsteigen zu lassen, einfach um mal zu sehen, was wir da so alles in unseren geistigen Tiefen mit uns herumtragen.

Problematisch wird es erst, wenn wir nur diese Art des Denkens praktizieren und wir über keine geeigneten Techniken verfügen, wertvolle Gedanken, die dabei möglicherweise auftauchen, als solche zu erkennen und sie dann festzuhalten und weiterzuentwickeln.

Andersherum ist ein zu logischer und zielgerichteter Fokus ebenfalls wenig hilfreich. Menschen, die roboterhaft ständig alles nur nach ihrem Nutzen für die eigenen Ziele beurteilen, werden vermutlich kein besonders erfülltes Sozialleben haben, weil sie anderen Menschen schnell als kalt und sonderbar erscheinen werden.

Wie so oft im Leben ist weder der eine noch der andere Weg absolut richtig oder absolut falsch. Wir benötigen eine Synthese beider Denkarten. Vermutlich ist es zwar so, dass die meisten Menschen ihr Übergewicht momentan eher auf der Seite des planlosen und passiven Denkens haben und dem zielgerichteten Denken mehr Platz einräumen sollten, doch das gilt längst nicht für Jeden.

Was ist mit Denktechniken? Taugen die was?

Mit dem Konzept der Lerntechniken sind wir heute längst vertraut. Es gibt Kurse und Bücher über Lerntechnik, Institute haben sich auf die eine oder andere Lerntechnik spezialisiert und bieten Kurse darin an.

Der weniger bekannte Bereich der Denktechniken wird daher oft den Lerntechniken zugeschlagen, obwohl es zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Vielen von uns erscheint der Gedanke, dass man das Denken auch lernen könnte, daher absurd.  Tatsächlich ist es bei näherer Betrachtung aber doch ganz logisch, dass es möglich ist. Unser Gehirn wird ohne Gebrauchsanleitung geliefert und höheres Denken entwickelt sich eben nicht vollkommen von selbst, sondern es wird erlernt. Wir sehen das bei jedem Kind: Im Laufe der Entwicklung von Kindern nimmt deren Denken immer raffiniertere Züge an. Ihre Problemlösungskompetenz steigt steil an.

Warum also sollte man diese Fähigkeit nicht ebenso gezielt weiterentwickeln können, wie die Sprachkompetenz, die soziale Kompetenz oder andere Fertigkeiten, die jeder bis zu einem gewissen Grad im Laufe seiner Kindheit entwickelt?

Viele Denktechniken kennen Sie bestimmt schon längst: Mindmapping, Brainstorming, Gruppendiskussionen, etc. sind tatsächlich ihrem Wesen nach echte Denktechniken.

Natürlich gibt es noch zahllose andere, aber das ist nicht der wichtigste Punkt. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass es Methoden gibt, die unser Denken effektiver und hilfreicher für uns machen können. Dabei muss zwar jeder die für ihn richtige Methode finden, doch am wichtigsten ist der Wille, überhaupt erst anzufangen, darüber nachzudenken.

Noch eine Warnung zum Schluss: Nehmen Sie sich vor jeder Art esoterischen Schindluders in Acht, der im Gewande der Denktechniken daherkommt! Denktechniken machen Sie nicht zum Übermenschen und verleihen Ihnen keine übernatürlichen Fähigkeiten. Sie helfen Ihnen einfach nur, Ihre Gedanken besser zu organisieren und schneller zu besseren Lösungen zu kommen.

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Rene_Junge, am 20.09.2012
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Autor seit 4 Jahren
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