Der 10. August 2000

Oder war es schon der 11. August 2000: In der Barentsee wird ein Manöver gestartet, das mehrere Uboote und Kriegsschiffe der stolzen russischen Marine umfasst. Die Kursk startet in die Barentsee, anscheinend mit Besuchern an Bord. In der letzten Zeit kam es häufiger zu Unfällen während solcher Gefechte, weshalb man sich offenbar um neue Torpedoausrüster umsah.

 

11. oder 12. August 2000. Angeblich startet die Kursk, die durch zwei Atomreaktoren betrieben wird, mit 24 nuklearbetriebenen Marschflugkörpern in den Silos und ebensovielen nuklearbetriebenen Torpedos in dieses Gefecht. Ob sie nun am Unfalltag mit ebendieser Ausrüstung am Gefecht teilnahm ist fraglich, denn immer wieder betonen die Medienberichte, es wäre keine atomare Strahlung gemessen worden. Das darf aber angesichts des verbreiteten Unfallberichts, sehr angezweifelt werden:

Es wird ernst – die Kursk sinkt

Es wird ein Übungstorpedo gezündet, die Kursk taucht und wenig später kam es zu Explosionen an Bord, die sich innerhalb von 20 Sekunden ereigneten. Ein Magnetmine? Nebeneffekte eines Geothermieprojekt? Oder nur ganz normale Vorgänge während der stattfindenden "War Games"? Große Teile der Besatzung sind noch am Leben, die Leute an der Kommandobrücke allerdings sind durch die Druckwelle bereits tot oder tun gerade die letzten Atemzüge. Irritierend ist, dass die Berichte in den Nachrichtenstationen verbreiten, der Kommandant hätte Befehl gegeben, aber es hätte ihn keiner gehört. Das bedeutet, dass offenbar entweder das Bordkommunikationssystem durch die Druckwelle ebenfalls beschädigt wurde, oder er es nicht mehr bedienen konnte. Aber die Aufzeichnungen schienen dies dem späteren Untersuchungsteam zu verraten. Nun sinkt die zuvor schon auf sechs Knoten verlangsamte Kursk auf den Meeresboden, auf etwa 100 Meter Tiefe. Der im Reaktor-Raum diensthabende Mitarbeiter versucht mit dem Kommandoraum Verbindung aufzunehmen, aber diese schweigt, so stellt er seine Reaktoren ab. Nun ist die Kursk manövrierunfähig. Die Explosionen haben den Bug massivst zerstört – es heißt, es wären fünf bis sieben Torpedos explodiert. Dennoch sind noch 23 Mann im Heck eingeschlossen, die nicht an die Rettungskapsel oberhalb der Brücke gelangen können. Sie warten auf Hilfe nahe der hinteren Ausstiegsluke. Doch die Retter suchen zunächst fünf Stunden nach der Kursk, ehe man Alarm gibt

Suche, russische Rettungsboote und wertvolle Zeit verstreicht

Die Rettungsboote der Pris-Klasse. Quelle: thebarentsobserver.com

Angeblich sind an diesem Manöver noch mindestens zwei NATO-Uboote beteiligt, die das Geschehen beobachten. Dieses "Katz und Maus" hat sich bei Unterwasser-Manövern eingebürgert. Die militärische Führung ermittelt bereits geheim. Es wird nun unglaubliche sieben Stunden gewartet, bis die in einem Manöver im Kreise anderer U-Boote und Kampfschiffe gesunkene Kursk mit einem Rettungsteam bedacht wird!? Selbst wenn die Besatzung aussteigt, liegt doch der Verdacht nahe, dass in einem Manöver ein Unfall bemerkt wird und die daraufhin im Meer treibende Mannschaft von den anderen Booten aufgenommen wird. Aber nicht bei dieser Übung. Die beiden russischen Rettungs-UBoote gelangen zum Einsatz, sind aber offenbar nicht in der Lage, ans U-Boot anzudocken. Andere, neuere Rettungsuboote sind gerade nicht verfügbar, heißt es: Ein privates Unterfangen bindet die Kräfte – am Wrack der Titanic! Die Ermittlungen betreffen inzwischen mehr als nur einen Staat, denn die Medien spekulierten über Unfallursachen und ließen ganz selbstverständlich Experten und Militärs aus verschiedenen Gegenden zu Wort kommen. Die in solchen Fällen übliche Strategie der russischen Führung, den Medien den Mund zu verbieten, funktioniert nicht mehr. Präsident Putin, der erst bzw. bereits einen Tag nach dem Unfall informiert wurde, gelangt unter Druck.

Die schicksalshafte Pressekonferenz

Das Kursk-Desaster - Noch nie im TV: Der Live-Knock OutAm 18. August 2000 gibt der Premierminister Russlands eine Pressekonferenz, bei der eine anwesende Dame aus dem Publikum aufspringt und die Ausführungen des Premiers unterbricht. Sie erhält vom Premiere keine Antwort auf ihre Rufe. Es heißt, sie hätte mit ihren gerufenen verzweifelten Fragen schockiert. Doch viel erschüttender ist die Tatsache, dass sofort eine Ärztin bei der aufgebrachten Angehörigen eines Seemannes war, die ihr durch den Stoff ihres Mantels ein Serativum verabreicht, die sie aus dem Wort-Gefecht setzte. Ein zweites Symptom für ein System, das seine Schwächen offenbart.

 

Viele Staaten sind von den Fernsehbildern schockiert, die ihnen die Russen – möglicherweise nicht ganz freiwillig - bieten und offerieren ihre Hilfe. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Zumindest für die Seeleute und die Retter. Sie warten an Bord der Normand Pioneer auf ihren Einsatz. Nur: Es gibt kein OK von Präsident Putin. 

Eine diplomatische Intervention

Bill Clinton telefoniert mit Wladimir Putin. Schließlich akzeptiert der russische Präsident westliche Hilfe. Sie rufen als erstes die Taucher der Royal Navy. Für den Einsatz würden sie aber Informationen brauchen. Und zwar von den russischen Behörden, die aber sind noch nicht überzeugt. Sie reagieren betont langsam und wollen es noch immer ohne ausländische Helfer schaffen. Man lässt das Hilfsteam nicht an die Kursk heran. Das Vertrauen der Russen gegenüber dem Westen fehlt. Zuerst hatte man angenommen, das US Uboot Memphis wäre an diesem Vorfall beteiligt, lag es doch wenige Tage später auf einem norwegischen Stützpunkt. Doch die USA stritt eine Beteiligung ab.

 

Fast hat man den Eindruck, es handle sich um die "Genesis", wenn man die Berichte ließt, denn erst am 9. Tag wird Taucher Tony Scott mit einer Diving Belt in die Tiefe gelassen, der eine Botschaft an die Kursk hämmert, um der Mannschaft darin noch Hoffnung geben soll, so es noch Lebende darin gibt. Doch es kommt keine Antwort.

K 141 - was für ein Boot ist das denn?

Das atombetriebene Unterseeboot, das da am Meeresboden liegt, wurde in der Werft 402 in Sewerodwinsk gebaut und 1994 in den Dienst gestellt. Das Boot ist also zum Unfallzeitpunkt noch keine sechs Jahre alt. Es verfügt über zwei Reaktoren als Antrieb und ist bis dato Kreuzer der Oskar II Klasse, das meist unter der weißen Flagge mit blauem Kreuz fährt, der Seekriegsbeflaggung. Die Daten, die zu diesem Schiff im Netz existieren, sind – wohl absichtlich - uneinheitlich. So wird in den Medien berichtet, es hätte 18.000 Tonnen Verdrängung und 118 Mann Besatzung. In anderen Quellen hingegen wird von 14.200 Tonnen im aufgetauchten und 24.000 Tonnen im getauchten Zustand berichtet. Hier wird auch von 112 Mann Besatzung gesprochen, das wären sechs weniger, als angeblich zum Unfallzeitpunkt an Bord waren: 118. Noch ein interessanter Fakt offenbart sich: Die Verpflegung an Bord war Mitte der Neunziger Jahre unregelmäßig und reichte wohl nicht für alle Mann. Man bat den Bürgermeister der namensgebenden Stadt, um Unterstützung für die damals chronisch unterfinanzierte Einheit. Es fuhren alle drei Monate Lastwagen mit Lebensmitteln zum Stützpunkt. Doch 1997 bekam die Kursk einen neuen Kommandanten, wurde erneuert und ging auf Mittelmeerfahrt. Unbemerkt gelangte es durch die Straße von Gibraltar und sollte dort Präsenz zeigen. Am Rande des Jugoslawienkrieges. Doch die Kursk wurde von einer Sonarboje lokalisiert und verfolgt. Sie wird wieder ins Nordmeer verlegt.

Monate vergehen bis zur Bergung

Putin stellt 130 Mio. Euro auf und beauftragt die Firma Mammoeth, die das Mega-Wrack am Bug mit Verbindungen versah und am 8. Oktober 2001 barg. So konnte keiner der Teile verschwinden, wie es etwa bei der Bergung der K 129 geschah. Die Kursk wurde, so zumindest der Bericht, in eine geheime Werft gebracht. Nahe dem Reaktor fand man Leichen mit Knochenverletzungen. Waren Sie bei den Explosionen verletzt worden? Hier wird wieder eher eine antriebsnukleare Unfallursache vermutet, denn die Torpedos hätten die Wucht der Explosion nach außen abgeleitet. Die Spur der Kursk verliert sich erneut.Und wer weiß schon, ob es wirklich die Kursk ist. Erst später findet sich wieder ein Teil der Kursk in einem militärischen Sperrgebiet bei Severomorsk, Murmansk. Dort werden die U-Boote abgewrackt und in wertvolle Einzelteile und strahlende Sektionen geteilt. Hier wurde auch ein zwölf Hektar großes Gelände geschaffen, auf welchem die noch stark strahlenden 3-er Sektionen von etwa 14 U-Booten lagern. Etwa 136 Wracks und Boote liegen noch im Wasser, wo sie radioaktive Strahlung ins Wasser abgeben. Auch die Sektionen der Kursk sind hier angeblich noch im Wasser, denn für eine weitere Abwrackung müssen sie – noch abklingen.

Ausstieg besser als Einstieg?

Angeblich sanken ja nur fünf oder sechs U-Boote der russischen Marine, die insgesamt über 200 Atom-Uboote besitzt. K-8, K-219, K-278 (Komsomoletz) und K-159 wurden bislang nicht geborgen. K 129 wurde von den Amerikanern geborgen. Aber die russische Marine besitzt ja nicht nur Atom-Uboote, sondern auch andere Schiffe, die mit Atomreaktoren ausgestattet sind. Und Russland hat ja auch Einfluss auf andere Staaten, so ist Indien gerade dabei, endlich eine eigene Atom-Uboot-Flotte zu bauen und in den Dienst zu stellen. Gemessen an den Störfällen, die in den Atomkraftwerken in Ost und West stattfanden, von denen sicher nur ein Bruchteil bekannt ist, an den vom ehemaligen Personal auf Novaja Semlija gezählten 180 Explosionen von Atombomben, von denen einige nicht vom russischen Militär zugegeben werden, was sich vermutlich auf das Volumen verbliebenen Mülls auswirkt, an den US-Atomtests im Pazifik, bei dem 85.000 m³ nuklearer Abfall oberirdisch gelagert wird, und vielen anderen Momenten, ist es vielleicht gestattet zu fragen, ob man nicht vielerorts zu sorglos mit dem Thema umgeht?

Kursk - Submarine Desaster

https://youtu.be/ZTgbfRQAWrY

 

Kursk-Bergung beginnt: Spezialtaucher untersuchen Wrack

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/u-boot-katastrophe-kursk-bergung-beginnt-spezialtaucher-untersuchen-wrack-120237.html

 

Alle Bilder des Artikels stammen aus Veröffentlichungen (Atrikel bzw. Nachrichtensendungen oder Dokumentationen).

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