Australien wurde wesentlich früher besiedelt als Neuseeland

Das etwa 1.000 Kilometer entfernte Australien wurde bereits vor ungefähr 50.000 Jahren, über damals bestehende Landverbindungen aus Asien, von den Vorfahren der "Aboriginals" besiedelt. Nach Neuseeland dagegen gelangten Menschen erst sehr viel später. Die frühesten (derzeit bekannten) Spuren stammen aus dem 13. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die ersten Siedler gelangten vermutlich mit großen Holzbooten auf die Nordinsel. Sie sammelten Beeren und Wurzeln und lebten außerdem von Jagd und Fischfang. Damals gab es noch riesige Vögel in Neuseeland. Die Bewohner der Nordinsel lernten auch, die aus Südamerika stammende Süßkartoffel zu kultivieren. Sie waren wohl die ersten, die ein Säugetier mit ins Land brachten: die Pazifische Ratte (Rattus exulans). Als "Maori" wurden die Ureinwohner von den weißen Siedlern (von den Maori "Pakeha" genannt) bezeichnet. Erst später übernahmen sie den Namen für sich selbst. Ursprünglich kannten sie nur Bezeichnungen für ihren eigenen Stamm, den sie "Iwi" nannten.

Holzgeschnitzte Skulptur

Holzgeschnitzte Skulptur (Bild: Grafik von Liane Hinkenrode-Künl)

Unter den Stämmen der Ureinwohner gab es oft kriegerische Auseinandersetzungen. Erst nach Ankunft der Weißen entstand allmählich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den polynesischen Bewohnern Neuseelands. Gemeinsam war den Maori ihre Sprache, ihre Schnitzkunst und Religion.

Der britische Entdecker und Kapitän James Cook hatte 1769 zum ersten Mal Kontakt mit Neuseelands Ureinwohnern. Er beschrieb sie als "intelligent und verwegen".

Die kräftig gebauten Krieger mit ihren eigentümlichen Tätowierungen beeindruckten die Europäer sehr. Kriegerische Auseinandersetzungen mit Weißen konnten die Maori oftmals für sich entscheiden.

Mit dem Vertrag von Waitangi vom 6.Februar 1840 entstand die älteste Verfassungsurkunde Neuseelands. Hier wurden die Rechte der Maori schriftlich festgelegt. Sie wurden durch den Vertrag zu britischen Untertanen.

Aber da der Vertrag meist von Weißen bzw. der britischen Regierung selbst verletzt wurde, kam es zu den Neuseelandkriegen. Bei diesen langjährigen Kriegshandlungen unterlagen die Maori schließlich und die britische Regierung konfiszierte ungefähr 16.000 km² Land.

Sozial und wirtschaftlich waren diese Land­ent­eignungen eine Katastrophe für viele Stämme.

Spät, aber immerhin: Die britische Krone hat sich für die Vertragsverletzungen entschuldigt und große Landesteile wieder an die Maori-Stämme zurückgegeben.

1906 schloß Sir Apirana Turupa Ngata als erster Maori ein Universitätsstudium ab. Er machte sein Examen in Jura und wurde Generalsekretär der Young Maori Party. Als Abgeordneter des neuseeländischen Parlaments erreichte er durch seinen Einfluss auf vielen Gebieten Verbesserungen (Landnutzung, Landbesitz, Ausbildung) für die Maori, die bereits zu Fremden im eigenen Land geworden waren. 1927 wurde er zum Ritter geschlagen. Im darauffolgenden Jahr wurde Sir Ngata zum "Minister für Maori-Angelegenheiten" ernannt. Durch ihn wurden die Kunst und Kultur der Maori entscheidend wiederbelebt.

Ungefähr eine halbe Million der Einwohner Neuseelands bezeichnen sich heute als Maori. Ihre Sprache ist, neben Englisch und der neuseeländischen Gehörlosensprache, eine der Amtssprachen Neuseelands. Und ihre Kunst und Kultur erfährt in der Maoritanga-Bewegung eine Erneuerung.

Typisch für die Kultur der Maori ist, dass ihr Wissen nicht schriftlich, sondern durch Musik und Kunst weitergegeben wurde (und auch heute noch wird). Berühmt ist ihr Kriegstanz "Haka".

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