Ein kurzer Rückblick

In den letzten Kriegsjahren suchte man bereits nach einer Energiequelle, die der Kohle trotzt. Doch noch war die Zeit der Atomkraft nicht gekommen. Diese scheint eigentlich erst so richtig in den USA losgebrochen zu sein. 1945 und 1946 wurde man in Los Alamos gleich zweimal mit der unfreundlichen Seite der Atomenergie konfrontiert: Zwischenfälle!!

 

Die Amerikaner waren also gewarnt und forschten weiter. Heute hat die USA mit Abstand die meisten Atomkraftwerke um das Staatsgebiet zu versorgen und produziert entsprechend auch genügend strahlenden Müll. Denn was damals noch keiner echten Lösung zugeführt wurde, ist auch heute noch ein Minenfeld. Mitte der sechziger Jahre wurde das Atommüll-Entsorgen dann zum Problem – die Atomenergie-Länder warfen ihren Müll einfach ins Meer und verstrahlten so fässerweise den Armelkanal und die irische See. Auch andere Regierungen schienen damals starkes Interesse zu entwickeln. Im Kalten Krieg sabotierte man sich gegenseitig und löste in den 50ern einen Störfall nach dem anderen aus – Hanford, Chalk River, Idaho Falls, Kyschtym, Windscale, Silicon Valley/Knoxville und wieder Los Alamos. Und als ob die austretenden Wolken noch nicht genug wären, so ließen die USA auch noch die südpazifische Inseln explodieren.

Atomkraftwerk Sellafield, UK

Atomkraftwerk Sellafield, UK (Bild: https://www.thetimes.co.uk/...)

Gleichzeitig begannen die Umwelt-Aktivisten mit ihrer Dokumentationsarbeit, denn sie wussten, es würde zur entsprechenden Gesetzgebung führen, würde man es schaffen, die Öffentlichkeit auf eigene Seite zu ziehen. Und so war es, die Verklappungen wurden verboten. Doch bei einem Lokal-Augenschein stellte man fest, dass die Entsorgung per Fass, durch die Entsorgung per Abwasser-Rohr ersetzt wurde. Man verdünnte die mehrere 100.000 Jahre lang strahlenden Abfälle einfach und hoffte, es würde niemand merken. Europas Atomkraftwerksbetreiber entsorgen bei "Deep Heard", Großbritannien entsorgt außerdem mit einem Rohr bei Sellafield. Praktisch, so gelangen die Abfälle gleich in hohen Mengen in bedeutende Meere. Nun liegen die früheren, inzwischen gerosteten Giftfässer und die Munitionsbehältnisse gleich nebeneinander im kontaminierten Wasser. Lange dachte man, es würde niemandem auffallen. Und die Behörden schwiegen beharrlich, arbeiteten zusammen, wenn es Häufungen bei Krankheitsfällen gab. Doch schließlich wurde es den Betreibern, Ärzten und Forschern unabhängig voneinander klar, dass die Fälle an Vergiftungen, die Kinderleukämie-Fälle in ihren Werken und in den Dörfern nahe der Entsorgungsgebieten ganz klar auf die Atomare Strahlung zurückzuführen ist. Den Peak dessen, was an Verstrahlung möglich ist, dürfte die UdSSR geschafft haben, in dem sie auf einer Insel gelegene Atomtestgelände atomar derart verseuchte, dass bereits der Aufenthalt von wenigen Minuten zu ernsthaften gesundheitlichen Schäden führt. Praktischerweise füllte man die umliegende Küste mit den atomaren Überbleiseln aus dem Test-Vorgängen, was das Gebiet um "Objekt 700", so der Tarnname des Geländes, praktisch über Jahrtausende hinweg unbewohnbar machte.

Nowaja Semlja, die "Atominsel"

Nowaja Semlja, die "Atominsel" (Bild: https://www.wikiwand.com/de...)

Immer wieder hört man heute die Experten sagen: "Naja, die wussten damals noch nicht so Bescheid." Man unterstellt den Verantwortlichen Hilflosigkeit. Blödsinn. So als würde sich Regierungen, die sich jahrzehntelang mit der Erforschung der Energiequelle einen Wettkampf liefern und die Störfälle und die Auswirkungen auf Mensch und Tier analysieren, nicht wissen, was in diesem Falle zu tun ist! Die wirklich Naiven sind die Personen der IAEA, die im fernen Fürstentum Monaco, im sonnendurchfluteten Büro und im sauberen Meeresforschungsgebiet sitzen, und dem Fernsehzuseher "die Angst vor dem Störfall" nehmen möchte. Diese Leute spielen seit Jahrzehnten die Gefahr herunter, ignorieren Zusammenhänge und Millionen von Fernsehzuseher sind gewillt, diese Lügen zu glauben, denn sie wissen: Wenn diese billige Energiequelle versiegt, wird es wieder teurer. So kommt es zu einem Schulterschluss, der mit einem veralteten Utilitarismus-Konzept legitimiert wird. Frei nach dem Motto: Der Nutzen der vielen legitimiert, den Einsatz, auch wenn der eine oder andere echten Schaden (bis zum Tode) in Kauf nehmen muss. Angesichts der Tatsache aber, dass die Auswirkungen der über jahrzehntelang betriebene "Kopf in den Sand"-Politik immer deutlicher wird. Da sich nun selbst im entlegensten Gebiet Russlands herumgesprochen hat, warum in manchen Gegenden die Bewohner nur etwa vierzig Jahre alt werden, wird klar, dass die Machthaber ein Spielzeug gefunden haben, mit dem sie die Bevölkerung unter Kontrolle halten können. Führung durch Angst in den meisten Gegenden der Welt.

Viele Staaten haben inzwischen aufgeschlossen und betreiben Atomkraftwerke. Darunter China, wo noch nie ein Störfall im Westen öffentlich geworden ist, Japan, wo erst 2011 das vorgelagerte Meer in einem nie dagewesenen Ausmaß Strahlung abbekommen hatte, Südkorea, das immerhin 24 Meiler betreibt sowie Indien, das mit seinen 22 Meilern ebenfalls zu den "Big Playern" in den Atomenergie-Ländern aufgestiegen ist. Dagegen nimmt sich das Vereinigte Königreich mit seinen 15 Anlagen geradezu bescheiden aus. Möglich, dass man gerade weil man seit den 70er Jahren mit den Umweltaktivisten konfrontiert ist und sich sehr wohl der Gefahr dessen bewusst ist. Auf beiden Seiten, denn nicht nur die Umweltaktivisten der 70er und 80er sind noch aktiv, auch die Politiker der London Dumping Convention erfreuen sich bester Gesundheit. Vielleicht aber auch nur deswegen, weil London so weit weg von Sellafield ist.

Links

Kurier - Weg Frei für mehr Atomkraft in der EU

https://kurier.at/wirtschaft/weg-frei-fuer-mehr-atomkraft-in-der-eu/401040500

 

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