• Lange, befestigte Landebahnen sind unnötig.
  • Energiesparend, da nur geringer Aufwand nötig ist, um in der Luft zu bleiben.
  • Lasten sind über große Entfernungen schonend transportierbar.
  • Großes Platzangebot für Passagiere und/oder Fracht in einem Starrluftschiff möglich.
  • Leiser als Flugzeuge
  • Weitgehend Wetterunabhängig, von Stürmen mal abgesehen.

Mit diesen Eigenschaften ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten auch und gerade heutzutage. Auch wenn die Luftschiffe nie wirklich weg waren, wurde es ab den 1970er Jahren ruhig um diese Sparte der Luftfahrt. Lediglich die Werbebranche hat die Luftschifffahrt durchgehend unterstützt. Ihr ist es wohl auch letztlich zu verdanken, dass es eigenständige Luftschiffbauer überhaupt noch gibt. Moderne Technik und ein wachsendes Umweltbewusstsein lassen diese Leichter-als-Luft-Geräte wieder attraktiv werden. Wann es Kreuzfahrtluftschiffe oder gar private geben wird, kann keiner sagen, aber die ersten Frachtluftschiffe sind ja schon in der Erprobung. Diese werden wohl die ersten größeren Luftschiffe sein, die seit langer Zeit wieder in die Luft gehen. Ich kann es kaum erwarten.

Hier eine kleine Auflistung von Einsätzen die es schon gibt, in Kürze geben wird oder meiner Meinung nach geben könnte. Auf eine Liste militärisch relevanter Anwendungen verzichte ich an dieser Stelle.

1. Fliegendes Lazarett

Ähnlich wie die fliegenden Lazarette in Flugzeugen, aber mit enorm erweitertem Raumangebot, ermöglicht die Luftschifftechnik, neben einfachen Krankenzimmern, sogar OP- und IT-Plätze. Wie wichtig so ein mobiles Klinikum werden kann hat z.B. die Tsunamikatastrophe von 2004 gezeigt. Damals waren in den Küstengebieten vieler Länder am Indischen Ozean die medizinischen Infrastrukturen zerstört oder stark beschädigt. Medikamente und Materialien für die Erstversorgung von Verletzten fehlten ebenso, wie frisches Trinkwasser. Über schnell vor Ort installierte Luftschiffe könnten Versorgungsengpässe am Anfang abgeschwächt werden. Siehe auch New Orleans nach Hurrikan Katrina 2005, oder das Erdbeben in Haiti am 12.01.2010.

 

2. Gütertransport

Im Grunde sind mit einem Luftschiff Güter beinahe aller Art transportierbar. Schwerlasttransporte, wie z.B. ganze Bohrinseln werden sicherlich auch in absehbarer Zeit die Domäne von seegestützten Schiffen bleiben.

  • Versorgung von Inseln im Meer (Postschiffe), Bohrinseln, Siedlungen in Waldgebieten. Aber auch Schwertransporte in Städten sind denkbar (Boeing SkyHook).
  • Ideal wäre sicherlich hierfür auch eine Optimierung für den Transport von Standard-ISO-Containern.

Mit Skylifter will jetzt auch eine australische Firma ins Luftschiffgeschäft einsteigen. Es soll ca 150 Tonnen bis zu 1200Km tragen. Also ähnlich wie bei Cargolifter. Der Skylifter wird aber scheibenförmig sein.

Konzeptvideo Skylifter

3. Personentransport

Der klassische, reine Transport von Menschen ist in den Anfangstagen der Luftschifffahrt ja schon intensiv betrieben worden. Es gab sogar richtige Reisen in ferne Länder. So ist die Idee eines Kreuzfahrtluftschiffes zwar nicht neu, könnte aber eine neue Dimension in die heutige Reisebranche bringen. Ein schönes Beispiel wie so ein fliegendes Kreuzfahrtschiff aussehen kann zeigt der Loftycruiser.

Oder wie wäre es mit dem Stratocruiser von Tino Schaedler und Michael J Brown als Privatyacht? Dort soll es sogar mal einen Pool auf dem Oberdeck geben! Siehe auch Flying-Yachts Inc.

Gut, ein Pool mit viel Wasser drin bedeutet viel Gewicht und ist vielleicht keine gute Idee, aber allein die Vorstellung mit einem Luftschiff zum Beispiel Südseeinseln anzulaufen und direkt über ihnen schweben zu können, hat doch was. Kein riskantes Übersetzen in kleinen Booten wäre mehr nötig! Mit Manned Cloud (siehe Video unten) könnte auch ein schwebendes Hotel Wirklichkeit werden.

Ein weiteres Konzept für den Personentransport kommt von Aeros mit dem Model Aeroscraft ML866. Welches in der Grundkonstruktion sehr dem der klassischen Zeppeline der 1930er Jahre ähnelt. Drei Ausbauvarianten sind vorgesehen: Kommerzieller Personentransport, Büro im Himmel und Privatyacht. Ein Luftschiff als Privatyacht ist doch was ganz ausgefallenes, oder? ;-)

Egal in welcher Form die Luftschiffe dann genutzt werden, in der Folge wird es bestimmt auch Menschen geben, die sehr lange auf Luftschiffen leben und arbeiten werden. Genauso wie heute schon auf Fracht- und Kreuzfahrtschiffen (The World).

Menschen die dann sogar auf einem Luftschiff geboren werden, könnten eine neue Gesellschaftsform bilden: Vielleicht wie die Cloud Skippers von Clouds Architecture Office (exStudio Lindfors)?

Konzeptvideo Manned Cloud
Konzeptvideo Aeroscraft
Flug in einem Zeppelin NT

4. Kommunikationsplattform

Ballone/Luftschiffe bieten sich auch an, wenn z.B. feste Mobilfunknetze gestört, oder ganz ausgefallen sind. Also nach einer Naturkatastrophe oder gar lokal begrenzten, kriegerischen Auseinandersetzungen (z.B. Bürgerkrieg). Die dazu notwendigen Antennen und Gerätschaften können separat montiert werden, so dass das Luftschiff nach diesem Einsatz wieder anderen Zwecken dienen kann.

Dauerhaft in der Luft stationierte Sendeplattformen könnten aber durchaus auch feste Sendestationen auf der Erde ersetzen. In mittlerer und/oder großer Höhe schwebende Luftschiffe oder Ballons eignen sich als Relaisstationen, ähnlich wie Satelliten im Weltall. Vielleicht auch als mobile Web-Serverfarm?

Wie solch eine Höhenplattform (engl. High Altitude Platform Stations, HAPS) funktionieren kann, ist schön beschrieben auf der EMVU-Informationsseite von Dipl.-Ing. Ralf Dieter Wölfle.
Beispiele: Sanswire Stratellite (EN) http://www.sanswire.com / JP AerospaceDark Sky Station

 

5. Luftaufnahmen

Luftschiffe bieten von sich aus eine sehr ruhige Plattform für Luftaufnahmen. Gleichzeitig bieten sie auch den Vorteil wesentlich länger als Helikopter in der Luft über einen Ort "stehen" zu können. Diesen Vorteil nutzen immer mehr Kameraleute der Film- und Fernsehbranche. Werbefilme z.B. über Urlaubsgebiete, Hotels, usw. gewinnen durch Luftaufnahmen mehr Attraktivität.

Das Potenzial der Verbindung Luftschiff/Ballon und Luftaufnahmen zeigen gut Jürgen Hohmuth und Ralf Brauner in den Fernsehdokumentationen: "Berlin aus halber Höhe" und "Potsdam aus halber Höhe", welche auch als Video (DVD) erhältlich sind.

Live-Aufnahmen für öffentliche Veranstaltungen werden immer häufiger mit kleinen Luftschiffen/Ballons realisiert. Die Firma Photozeppelin aus Dortmund z.B. lässt Luftbildträume wahr werden. Ein Hersteller von ferngesteuerten Luftschiffen ist z.B. die Schweizer Firma minizepp.

Nachtaufnahmen eines Minizepp

6. Wissenschaft

Eine Forschungsstation nahe dem Südpol wäre direkt erreichbar für ein Versorgungsluftschiff. Also ohne das Anlanden am Schelfeis und anschließendem, zeitraubendem Transport mit kleinen, teuren Helis. Wobei letzteres auch mit einem Luftschiff möglich wäre, wenn ein Heli-Hangar an Bord ist!

Im Grunde genommen könnten bemannte Forschungstationen in der Antarktis ja sogar überflüssig werden, wenn man alle Sensoren entsprechend automatisiert. Für etwaige Wartungsarbeiten werden die Sensoren dann mit einem Luftschiff angefahren. Natürlich kann man das Luftschiff auch über eine längere Zeit verankern, als hochmobile Forschungsstation.

Die Meeresforschung kann auch von einem schwebenden Forschungsschiff profitieren. Selbst Tauchgänge, von mitgeführten Schlauchbooten aus, wären möglich. Natürlich kann dann auch ein U-Boot mitgeführt werden.

Vulkane kann man kostengünstig und sicher mit einem Luftschiff/Ballon beobachten. Ein unbemanntes Luftschiff, mit Sensoren an Bord, kann natürlich "ganz dicht ran" ohne Menschenleben zu gefährden.

Ich kann mir vorstellen, dass sogar ein VTOL wie die V-22 Osprey auf einem Luftschiff landen könnte. Nach dem Be- und Entladen und eventuellem Auftanken geht's dann wieder zurück. Sowas könnte dann, neben Personentransfer, auch zur Versorgung des Luftschiffes selbst dienen. Also Lebensmittel, Wasser usw.

Ein Höhenluftschiff, was in 10-20 Km Höhe agiert, eignet sich vielleicht auch gut als Träger für ein Teleskop. Die Idee ist nicht so abwegig, wie sie vielleicht scheint: Das DLR hat eine Boeing 747 SP entsprechend umgebaut. Das Projekt wurde SOFIA genannt.

Der Regenwald kann mit Hilfe eines Luftschiffes auch besser erforscht werden, als vom Boden aus. Das zeigt die Buchdokumentation einer Expedition: "Mit dem Luftschiff über den Wipfeln des Regenwaldes" von Francis Halle (Frederking&Thaler, 2001). Ein anderes Projekt mit gleichem Ziel, aber etwas anderem Ansatz ist Dendronauticus (EN)

7. Sicherheit

Der Bereich innere Sicherheit ist so mannigfaltig, dass ich hier nur ein paar Stichworte anführe.

  • Verkehrsüberwachung. Der Wasser-, Land- und auch der Luftverkehr könnten überwacht und gesteuert werden.

  • Eine fliegende Polizeiwache könnte z.B. Hubschrauber/Gyrocopter mitführen.

  • Auch die Küstenwache könnte mit einer fliegenden Operationszentrale ihre Reichweite und Flexibilität erheblich steigern.

  • Feuerbekämpfung mit großen Wasserbehältern an Bord.

  • Brandwache mittels Wärmebildkameras. So könnten große Waldgebiete überwacht werden. Ähnlich wie heute schon mit unbemannten Überwachungsflugzeugen.

  • Rettungsdienst, Evakuierung, Notarzt ->SAR

  • Kampfmittelräumung. Die Fern-Uni in Hagen erforscht den Einsatz von Luftschiffen u.a. als Träger für Sensoren zur Landminenerkennung und auch den Einsatz zu deren Beseitigung. ->Zum Artikel: Fern-Uni-Luftschiff in Friedensmission auf fernuni-hagen.de

  • Schiffslotsen versetzen.

  • Objektsicherung. Sensorische Überwachung von Industrieanlagen, Verkehrsknoten (Flughäfen, Bahnhöfe u. ä.), Sportereignissen, Konzerten, Unglücksorten

  • Schwebende Scheinwerfer können beispielsweise Unglücksorte zusätzlich von oben ausleuchten. Oder im Katastrophenfall wichtige Orte beleuchten.

8. Werbung

Dieses Einsatzgebiet erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In der Tat ist die Werbung das häufigste Einsatzgebiet von Luftschiffen in den letzten Jahrzehnten geworden. Über immer mehr Städten auf der Welt schweben diese fliegenden Werbeträger. Oft nicht alleine zu diesem Zweck, meist auch gekoppelt mit kostenpflichtigen Rundflügen. Die großen Außenflächen von Luftschiffen bieten sich ja geradezu für Werbung an. Die Firma 21st Century Airships(EN) z. B. bietet mit ihren kugelförmigen Luftschiffen eine ideale Basis für Werbung im Bereich Fußball. Sogar nachts kann man Luftschiffwerbung sehen, nämlich dann wenn eine Beleuchtung im Innern eingebaut ist. Wie beeindruckend das aussieht, kann man z. B. auf der Lightships-Seite (EN) der American Blimp Corporation (EN) sehen. Inzwischen gibt es dort mit dem A-170LS eines auch als Träger für riesige Bildschirme!

Es gibt natürlich auch Rahmenbedingungen, für die es keine großen, bemannten Luftschiffe braucht. Mit einem kleinen, ferngesteuerten Luftschiff kann man z. B. gut in einer Messehalle auf den eigenen Stand aufmerksam machen. Es können inzwischen zahlreiche Anbieter in nahezu jedem Land der Welt gefunden werden.

 

9. Mobiles Kraftwerk

Für den Einsatz als mobiles Kraftwerk braucht es sicherlich kein eigenes Fahrzeug. Vielmehr reicht bestimmt ein Frachtluftschiff, das mit mobilen Stromgeneratoren (Containerisiert) bestückt wird. Natürlich nur für den Fall, wenn keine Möglichkeit besteht Stromaggregate am Boden aufzustellen. Was z.B. nach einem Erdbeben der Fall sein kann.

Auch kann das Luftschiff selber mit eigenen Solarmodulen auf der Außenhaut und/oder mit eigenen Generatoren ausgestattet werden und so auch als Stromlieferant dienen.

 

Viele weitere Details und technische Erläuterungen finden Sie im Wikipedia-Artikel über Zeppeline.

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