Die Tollkirsche

Die Tollkirsche ist eine Gattung aus der Familie der Nachtschattengewächse und ist vor allem in Mittel- und Südeuropa verbreitet. Man findet sich aber auch in Nordengland und in der Ukraine.

Die Tollkirsche gedeiht an warmen Waldrändern, an Kahlschlägen und auf Lichtungen in Laub- und Laubmischwäldern. Ein humusreicher und etwas kalkhaltiger Boden ist optimal für ihren Wuchs.

Der Name der Tollkirsche kommt von ihrer Ähnlichkeit zu normalen Kirschen und von ihrer Giftwirkung auf den Menschen, die zur Tobsucht führt. Zum Verzehr sind also auf keinen Fall geeignet und stellen speziell für Kinder eine große Gefahr dar, da sie ebenso so einladend wie Kirschen aussehen und obendrein auch noch süß schmecken. Weitere Namen wie Teufelskirsche, Wolfsbeere, Schwindelkirsche, Dollwurz, Schlafkirsche, Irrbeere, Wutbeere oder Tollkraut sind ebenfalls gebräuchlich. Der botanische Gattungsname Atropa (oder auch Atropa Belladonna) ist vom griechischen Wort atropos abgeleitet. Atropos war in der griechischen Mythologie einer der 3 Parzen, die den Lebensfaden durchschneidet, so wie es auch die Tollkirsche zu tun vermag.

Der oft verwendete zusatz Belladonna heißt übersetzt schöne Frau und weist daraufhin, dass der Saft der Beere in der Renaissance als Kosmetikum verwendet wurde: In die Augen geträufelt erzeugt der Saft große Pupillen und verleiht den Augen ein dunkles, glänzendes Aussehen (Glanzaugen).

Auch im Aberglauben und Hexenkult des Mittelalters spielte die Tollkirsche eine große Rolle: So wurde der Saft häufig Liebestränken und Hexensalben beigemischt und führte dann zu real erlebten Wahnvorstellungen. Dies kam den damaligen Henkern gerade recht: In Hexenprozessen wurden die Angeklagten gezwungen, Tollkirschen zu essen. Oft beschuldigten sich die dadurch vergifteten Angeklagten selbst, da sie in ihren Wahnvorstellungen den Bezug zur Realität verloren.

In einigen Alpenländern wurde der Tollkirschensaft alkoholischen Getränken wie Bier und Wein beigemischt, um deren berauschende Wirkung noch weiter zu steigern. Von Selbstversuchen wird dringend abgeraten!

Die Tollkirsche als Heilmittel

In der Pflanzenheilkunde kommt die Tollkirsche bei Krampfzuständen, Epilepsie, Bronchitis, Reizhusten, Asthma oder Parkinson zum Einsatz, da sie krampflösend wirkt und die Schleimhäute beruhigt. Der krampflösende Wirkstoff  Hyoscyamin (Atropin) - ein Alkaloid der Tollkirsche und anderer Nachtschattengewächse - wird dabei aus den Blättern der Tollkirsche extrahiert. In der Augenheilkunde benützt man diesen Wirkstoff, um bei Augenuntersuchungen die Pupillen der Patienten zu vergrössern.

Giftstoffe, Wirkung und Symptome

Achtung: Bereits 3 bis 5 Tollkirsche können bei Kindern zum Tod führen, bei einem Erwachsenen liegt die tödliche Dosis zwischen 10 und 20 Beeren.

In der Pflanzenfrucht sind die Alkaloide Hyoscyamin (Atropin), Scopolamin, Apoatropin, Belladonnin und Scopoletin enthalten. Dabei schwankt der Giftgehalt je nach Standort stark.

Bei einer Vergiftung mit Tollkirschen sind die Folgen Pupillenerweiterung, fehlendes Erbrechen sowie trockene, gerötete und heiße Haut. Das Gefühl der Austrocknung breitet sich auch auf die Schleimhäute im Mund- und im Rachenbereich aus, was wiederum Sprach- und Schluckstörungen zur Folge hat. 

Bei starker Vergiftung erhöht sich der Puls und den Patienten befällt Unruhe. Weiterhin leidet er unter Weinkrämpfen, Rededrang und Tobsuchtsanfällen, was schließlich zu Atemlähmung, Bewußtlosigkeit und letztendlich zum Tod führen kann.

Bei einer Vergiftung sollte schnell ein Arzt aufgesucht werden. Dabei besteht die Therapie vor allem aus der Einnahme von Kohletabletten und einer starken Flüssigkeitszufuhr. Bei der etwa einen Tag lang dauernden Entgiftung sollten die Patienten unter Beobachtung bleiben, da sie aus
scheinbarer Ruhe heraus die tollsten Sachen machen können.

Die Tollkirsche bevorzugt humusreiche und etwas kalkhaltige Böden

Hans, am 09.01.2010
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