Wie hast du das Hochwasser erlebt?

Wir hatten ja mehrere Tage nur Regen. Schon am Samstag kamen Meldungen aus der Region, dass Straßen überflutet waren. Am Sonntagvormittag (02. Juni) sind meine Eltern mit uns Kindern an die Talsperre Pirk gefahren. Meine Mutti wollte sich anschauen, welchen Schaden Wasser anrichten kann.

Waren da schon Schäden zu erkennen?

Ja, wir haben gesehen, dass es Brücken weggerissen hatte. Auch Häuser waren schon mit Wasser vollgelaufen und auch Bahndämme waren an manchen Stellen einfach weggespült worden. In Weischlitz war es da schon besonders schlimm.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dass du auch als Kind helfen kannst?

Ich bin selbst bei der Jugendfeuerwehr. Aber Kinder werden eigentlich nicht angefordert, wenn etwas passiert. Mutti hat dann zu Hause im Internet geschaut, wo die normalen Leute helfen können. Wir sind losgefahren und wurden dann zum Bauhof in Plauen geschickt. Dort haben wir dann Sandsäcke gefüllt, die in der Stadt verteilt worden. Ich war an dem Tag richtig lange auf den Beinen. Spät am Abend hat uns dann die Bundeswehr abgelöst und wir sind nach Hause gefahren.

Ist in Plauen viel Schaden entstanden?

Nein, wir haben hier Glück gehabt. Nur im Stadtbad stand Wasser im Keller und auch ein paar Wohnhäuser an der Elster hatten das Problem. Aber insgesamt sind wir an der großen Katastrophe vorbei geschrammt. Nur, wenn nicht so viele Leute geholfen hätten, wäre sicher mehr bei uns passiert.

Stadtstrand Plauen kurz vor der Überflutung

Fühlst du dich als Held?

Nein, obwohl ich Stolz darauf bin, dass ich meine Heimatstadt vor großem Schaden mit schützen konnte. Aber ich habe nichts Besonderes gemacht. Wenn, dann sind wir doch alle Helden, die einfach zum Helfen gekommen sind, oder? Ich weiß aber, dass wir nicht nur Plauen mit unseren vielen Sandsäcken helfen konnten. Nachdem das Wasser weniger wurde, sind die vollen Säcke in andere Orte gekommen, wo noch dringend Dämme gesichert werden mussten.

Unvergessene Helfer

Doch nicht nur die Kinder sind Helfer gewesen, die man in den Medien weniger gesehen hat. Im kleinen Straßberg, direkt vor den Toren von Plauen, war an diesem ersten Wochenende im Juni auch Land unter. Neben mehreren Feuerwehren, die die dortige Mühle versuchten zu retten, gab es auch Unterstützung in Form von trockenen Plätzchen zum ausruhen und selbstgebackenen Kuchen durch die älteren Leute im Dorf, die nicht vom Hochwasser betroffen waren.

Dass nicht alle Helfer in den Medien gezeigt werden konnten, soll hier auch nicht kritisiert werden. Aber auch die teilweise unsichtbaren Helfer sollte man noch solchen großen Naturkatastrophen auch nicht vergessen. Denn selbst die kleinste Spielzeugschaufel hat am Ende einen großen Effekt gebracht, wenn damit Sandsäcke gefüllt werden konnten.

Geräumtes Autohaus an der Elster in Plauen

Autor seit 5 Jahren
50 Seiten
Laden ...
Fehler!