Courbet

Vom Kostüm zum Anzug

Das 174 Seiten umfassende Werk führt über das "höfische Selbstportrait" in welchem die Vorlieben der französischen Kaiser in Punkto Mode, als auch das Selbstverständnis des "englischen Gentleman" anhand von Bildwerken thematisiert wird. Es setzt sich dann thematisch in die "Genese des bürgerlichen Herrenanzugs" im 18. Jahrhundert fort um dem geneigten Leser die Verwurzelung desselben in der französischen Revolution als Männerkostüm, in der Antike sowie seine Wandlung zum Alltagsoutfit des bürgerlichen Mannes näherzubringen und ebenso wieder anhand von Werken der bildenden Kunst zu belegen.

Anhand von mehreren Selbstbildnissen, Portraits und Lithografien werden dann einige Künslter, darunter Jacques-Louis David, der für die revolutionäre französische Gesinnung, und Caspar David Friedrich, der selbiges in der Deutschen Romantik beispielgebend ist.

Hervorragend werden von der Autorin die zahlreichen Selbstbildnisse der Künstler, vor allem der impressionistischen Avantgarde präsentiert. Edgar Degas, Edouard Manet, Henri Fantin-Latour und Jean-Frédéric Bazille zeigen ihre Vorliebe für individuellen Stil ihrer Kleidung als Teil ihres künstlerischen Selbstverständnisses. Als weitere Ausprägungen werden der "Anzug im Arbeitermilieu" und der Anzug, wie ihn der Dandy versteht beschrieben, doch sie zeigt auch Beispiele der alternativen Gewandung auf, wie etwa der orientalischen Formen der Kleidung.

 

 

Edouard Louis Dubufe

Anzüge und die Frauen?

Es sind auch ganz wenige Frauen darin zitiert oder bildlich dargestellt. Es ist einerseits der Damenanzug, der sich aufgrund des Wertewandels in Europa, bedingt durch den Ersten Weltkrieg vollzog, etabliert. Und diese neue gesellschaftliche Rolle, die sozialen Normen führten zur Produktionsarbeit und Dienstleistung der weiblichen Bevölkerung, die letztlich auch die Hosen anstelle des Rocks treten ließen. Natürlich war das von vielen Kreisen nicht gern gesehen, hielt man es doch als unschicklich. Die heimkehrenden Männer fanden sich nun in einer völlig neuen Realität: Aus der Frau wurde eine finanziell unabhängige und selbstbestimmte Frau. Es kollidierten Weltbilder miteinander.

 

"Ausschließlich Damen der Hautevolee und der Demi-monde wagten, sich in Hosen zu zeigen: Den Negligéanzug der Garçonne interpretierte die Mehrheit der Frauen als dekadente Bekleidungsform mit dem Reiz der Androgynität kokettierender Müßiggängerinnen.

Weniger die Verlockung der Dekadenz, als Frau einen Herrenanzug zu tragen, als dessen ihm seit einigen Jahrzehnten anhaftende Seriosität und Ernsthaftigkeit bringt Romaine Brooks 1923 zu Bilde.

Das Atelier des Bazille

Ausbruch, Kritik an der Gesellschaft, Abgrenzung

Doch nicht für jeden Künslter ist der Anzug ein gar krtitiklos hinzunehmender modischer Trend. Vincent van Gogh, Paul Cézanne nehmen ihn als Anlassfall für Kritik, andere gar als Anlass, aus der "grauen Eintönigkeit" ausbrechen zu wollen und schließlich zeigen die Künstler subversive Hemdenlosigkeit, unordentliche Anzüge und regionale Unterschiede in den Selbstbildnissen.

 

Von den rebellischen Künstlern des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, führt der Inhalt weiter über die Kriegs- und Zwischenkriegsjahre, bis sie langsam in die Gegenwart gelangt. Lesenwerte 174 Seiten, die einige Entwicklungen darlegen, die schon vor über 100 Jahren vollzogen wurden, und trotzdem immer wieder verwischen.

Autor seit 9 Monaten
58 Seiten
Laden ...
Fehler!