Golden Gerbil (Bild: Anna Becker)

Golden Gerbil, eine Berliner Liebesgeschichte

Gekonnt, stilsicher und mit einer gehörigen Portion erfrischenden Wortwitzes gewürzt legt Becker nun eine Berliner Liebesgeschichte namens "Golden Gerbil" vor, die sprüht vor aberwitzigen Wendungen, dem Aufeinandertreffen von beeindruckenden Figuren in malerisch ausgestalteten Schauplätzen, die in einem stabilen Spannungsbogen eingebunden sind, den die Autorin mit viel Liebe zum Detail in eine locker und leicht dahinfließende Sprache kleidet. Da ist nichts aufgesetzt, da werden keine künstlich aufgebauschten Szenen in den Text eingestellt, wie das in letzter Zeit leider in vielen Sparten der belletristischen Literatur Einzug gefunden hat.

Der Text hält, was er verspricht! Wer romantische Verwicklungen, Liebeswirren, Liebes-Mühen samt Happy End bevorzugt und erwartet, der kann getrost dieses faszinierende und zauberhaft geschriebene Büchlein aufschlagen und wird mit Sicherheit nicht enttäuscht werden.
Die große Stärke Anna Beckers entdeckt man in den fein skizzierten und meisterhaft ausformulierten Protagonisten der so angenehm leicht zu lesenden Kurzgeschichte "Golden Gerbil".

Die junge Florentine, Hauptfigur dieser romantischen Liebesgeschichte, wird gleichsam mit einem Schubs in eine ihr völlig neue, große Welt gestoßen, in welcher sie sich mühsam und mehr recht als schlecht zurechtzufinden sucht. Alles scheint neu, mysteriös, Gesetzmäßigkeiten unterworfen, die Florentine weder versteht, noch anfangs zu meistern vermag. Als wäre dieser Umstand nicht schon erschwerend genug beim Setzen erster Schritte in der neuen Umgebung, nisten sich nach und nach sonderbare, teils skurrile Personen und Ereignisse in ihrem neuen Leben ein, die sie allesamt vor enorme Herausforderungen stellen.

"In Berlin kannst du ein neues Leben beginnen, hatte ihre Großmutter gesagt und ihr etwas Startkapital in die Hand gedrückt. Schön. Aber Florentine wäre gerne unter anderen Voraussetzungen in die Hauptstadt gezogen. Wie sollte man als heulendes Elend ein neues Leben beginnen....?"

Der Leser lernt so von Tatkraft überschäumende, einnehmende Charaktere wie den Schotten Nick kennen, ein Raubein, wortkarg und immer just dort anzutreffen, wo Florentine ebenfalls zugegen ist.

Schließlich folgt der Auftritt Wolframs, den alle Püppi nennen. Ein Transvestit, der eine Zoohandlung betreibt und der Florentine unter die Arme greift, ihr Unterschlupf bietet und Trost.
Püppi, der im Lauf der Geschichte ein fester Halt und verlässlicher Fixpunkt im Leben der jungen Florentine wird, ist ein leicht durchgeknallter aber liebenswerter Zeitgenosse, den Anna Becker mit Raffinesse und augenzwinkernder Ironie hinreißend beschreibt, so dass man sich diesen skurrilen Vertreter abenteuerlicher Berliner Lebensart bildhaft vorstellen kann.

"Er war so groß wie sie, was recht klein bedeutet. Das Alter konnte sie beim besten Willen nicht einschätzen. Blonde Locken umschmeichelten das zugegebenermaßen gut geschminkte Gesicht und eine farbenprächtige Tunika umspielte seine zierliche Figur. Florentines Blick folgte den wohlgeformten Beinen, die in rosa Strumpfhosen steckten und in High Heels endeten. Der Name Püppi passte eindeutig besser zum Erscheinungsbild als Wolfram..."

Jedes Kapitel, jede Szene wird anschaulich bis ins kleinste Detail ausgeschmückt. Hier entsteht ein liebenswertes Portrait einer Hauptstadt, die bevölkert wird von Lebenskünstlern, Liebeskünstlern, Tagedieben und Romantikern, Geschäftemachern und Gescheiterten, Künstlern und Lebenskünstlern. Inmitten dieses Mikrokosmos sucht die junge Florentine ihren Weg, ihre Bestimmung und endlich ihr Glück.

Pointiert stellt Anna Becker ihre neue Kurzgeschichte mit folgenden Worten vor:"Liebeskummer und Oma Gertrude treiben die Hamburgerin Florentine nach Berlin. Die Hauptstadt empfängt die junge Frau allerdings nicht gerade mit offenen Armen. Und mit dem Schotten Nick kracht es gleich bei der ersten Begegnung im Bio-Supermarkt. Wäre nicht Püppi, Transvestit und Inhaber der Zoohandlung "Golden Gerbil", der Florentine Arbeit und ein Dach überm Kopf gibt, könnte sie einpacken. Doch bald erlebt Florentine, wie bunt, skurril und witzig ihr neues Leben ist – und eine Rennmaus-Dame hat natürlich auch ihre Pfoten im Spiel …"

Eine Erzählung, die sich in langsamen, melodischen Tönen und Sprachbildern zu einer Liebesgeschichte wandelt, welche eingebettet ist in die bunten, lauten, schrille und faszinierende, mit Verlockungen aller Arten vollgepfropften Hauptstadt Berlin. Eine Hauptstadt, die auf die junge, unerfahrene und etwas leichtgläubige Florentine eine ungeheure Anziehung ausübt, der sich die Protagonistin bald nicht mehr entziehen kann. Angereichert mit Beschreibungen herrlich komischer Situationen, die dazu angetan sind, der Leserin, dem Leser ein Lächeln zu entlocken: "Sie drehte eine Pirouette, gerade rechtzeitig, um zu erfassen, wie eine goldfarbene Vertreterin aus der Familie der Gerbillinae an die Käfigöffnung kletterte.Bevor Florentine reagieren konnte, sprang die Rennmaus in die Freiheit. Sie landete auf einem tieferliegenden Käfig, von dort aus machte sie ihrem Namen alle Ehre und schoss quer durch den Raum..."

Die Lektüre von "Golden Gerbil" öffnet den Blick auf eine kleine, heile Welt, die sich dennoch Tag für Tag beweisen muss. Liebenswerte Figuren bevölkern die Schauplätze der humorvollen Erzählung, die man nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Persönliches:

Anna Becker hat Werbekommunikation studiert und als Werbetexterin und Konzeptionerin in Agenturen in München, Stuttgart und Berlin gearbeitet. Seit 2009 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten im Mystery- wie auch Fantasy-Bereich, Vampirromane und romantische Liebesgeschichten.
Anna Becker lebt mit ihrem Mann und zwei Kaninchen in Berlin.

Die Homepage der Autorin: http://www.anna-becker-autorin.com/

njrottensteiner, am 01.03.2015
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Bildquelle:
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Autor seit 5 Jahren
25 Seiten
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