Becomin' an adult

Der Kriegs/Spionage-Film "Der Adler ist gelandet" 1976 war abgedreht und der junge Canadier ist zum ernsthaften Darsteller, ja zum Hauptdarsteller gereift. Er begann die 80er Jahre mit dem Film "Eine ganz normale Familie" (Ordinary People) und dem Kriegs/Spionage-Drama "Die Nadel" (Eye of the Needle), in der er einen deutschen Überläufer mimt, der auf der Flucht gewissermaßen in einen Haushalt auf den britischen Inseln gespült und von einem Ehepaar gerettet wird. Das emotional hochaufregende Drama entsteht im selben Jahr wie das um den Herzchirurgen "Dr. Vrain" (Threshold), 1981.

 

In den 80er Jahren entstanden eine Reihe von interessanten Werken, darunter eine Agatha Christie-Verfilmung (Tödlicher Irrtum), Revolution, Die Himmelsstürmer und die Künstlerbiografie um Gaugin "Die Augen des Wolfes", das auch unter dem Namen "Oviri" bekannt ist. Ende der 80er Jahre entsteht das Actionmovies "Lock up – Überleben ist alles", in dem Sly Stallone den Delinquenten spielt, den der sadistische Grumgoole, verkörpert durch Donald Sutherland, das Leben zur Hölle macht.

... and a grandfather surprisingly fast

Im selben Jahr entsteht auch das Drama "Weiße Zeit der Dürre" (A Dry White Season - siehe Trailer), in dem ein junger Farbiger in Afrika von weißen Polizeikräften attackiert wird. Der damals 54-jährige, versehen mit einem kleinen Wohlstandsbäucherl, spielt den frischgebackenen Großvater Mr. Ben. Während sich die farbigen Einwohner zu einer Protestbewegung formieren, die aus Weißen bestehenden Militär- und Polizei-Kräften gegenübersteht, welche mit Härte und Waffengewalt sämtliche Forderungen der Protestierenden erstickt.

Die 80er Jahre waren produktiv. Es entstanden rund zwölf Filme mit Tiefgang und Ernsthaftigkeit. Doch als Sutherland in den 90ern weißhaarig wurde, schien das seiner Karriere, entgegen des üblichen Diven-Klischees, keinen Abbruch zu tun. Der Terminkalender dürfte übervoll gewesen zu sein: Zunächst entstand der Film "Total Control" (Eminent Domain), danach der Feuerwehr-Triller "Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen", im selben Jahr, 1991 gelangte "Cerro Torre Schrei aus Stein" auf die Bildschirme". Doch damit nicht genug, zunächst verirrte er sich zunächst als Arzt in "Buster's Bedroom", dann spürte er den Mördern des amerikanischen Präsidenten, John F. Kennedy, in JFK (1991) nach und gab einen sehr gesprächigen Detective ab.

Genießt seine Macht sichtlich: Stabschef in "Die Verschwörung im Schatten" ( Shadow Consperacy, 1997) (Bild: https://www.youtube.com/wat...)

Aus den über 20 Filmen, die in den Neunziger Jahren entstanden, wird hier nur der im Jahr 1995 entstandene Psychothriller "Citizen X" genannt, in der der großgewachsene Schauspieler die Atmosphäre der sowjetischen Behörden und ihren Umgang mit Verbrechen auf den Bildschirm bringt. Es scheint sich keiner, außer dem Polizeibediensteten, der unmittelbar mit den Leichenfunden konfrontiert ist, zu bewegen. Es befinden sich offenbar auch zu viele erstarrte Kräfte in diesem Ensemble, um die Morde tatsächlich rasch aufzuklären und als man den Mörder schnappte – als klar wird, dass der Täter ein hochrangiger KpdSU-Mann war, also Parteimitglied - wird er wieder laufen gelassen. Was zunächst wie eine Ermittlungpsanne aussieht, wird bei Betrachtung der tatsächlichen Verhältnisse, etwa der der Straßenkinder in Russland, als strategisches Mittel ruchbar.

Der gleichermaßen grausame, wie traurig-machende Film überstrahlt das Werk Sutherlands die nächsten Jahre. Es entstehen eine ganze Reihe an Fernsehfilmen, darunter auch Shadow Conspiracy, ein Streifen, in dem ein Mitarbeiter des Weißen Hauses (Charly Sheen) von den dem Stabschef (Donald Sutherland) unterstellten Geheimdiensten, strategisch und kommunikationstechnisch ausgebremst wird. Kein aus der Luft gegriffenes und unmögliches Szenario, wie man auch aus den Abhöraffären und den jüngsten Berichten um Cybercrime erfährt. Zunehmend verschwinden die Grenzen zwischen legal und illegalen Vorgängen in Filmen und klären den Täter oft nicht eindeutig. Nicht so in Shadow Conspiracy, wo sich der State Official mit den multiplen Interessenssträngen letzenendes erschießt und die Gewissensfrage klärt.

Es ist nicht nur die Frisur, die ihn in jedem Film anders aussehen und wirken lässt. Es ist vielmehr eine Komposition. Während die meisten Filmschauspieler sich nicht so stark verändern lassen, ist Donald Sutherland sowohl in Haar als auch im Bart-Mode und im Styling individuel. Man müsste sich die Figuren noch genauer ansehen, um Masken zu identifizieren. Aber klar ist, dass bei Fellinis Casanova ordentlich nachgeholfen wurde, was die Ähnlichkeit zum italienischen und Adeligen betrifft.

Die ersten Darbietungen Sutherlands, dessen Name an "Wahrheit" erinnert, sah das Publikum zweifelsfrei in Kino oder auch im Theater. Die neueren Werke sind eindeutig für das Medium Fernstehen erstellt worden und obwohl sie bestürzende Thematiken präsentieren, werden die Inhalte aufgrund ihrer Einbettung in Programme und eine nahezu uferlose Channel-Welt nicht mehr als so dramatische Wahrheiten erkannt. Es mag dem Medium TV geschuldet sein, dass der Zuseher, die Zuseherin heute stärkere Reize benötigt, Korruption, Erpressung, Systemfehler und Doppelspiel wahrzunehmen, zu gern lasst sich das Publikum vom sogenannten "Eye Candy" verzücken.

deepsee, vor 13 Tagen
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Bildquelle:
Candy: Ein Mounty als finstrer Rächer. (Donald Sutherland)
Nicht leaken, series. (Der Adler ist gelandet)
Die Ausbilder. Dirty Dozen. 1967. (Das Dreckige Dutzend)

Autor seit 5 Monaten
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