Seit 2004 heißt es » Ich bin ein Star, holt mich hier raus!«

Alternative: … Mich kennt kein Schwein, lasst mich rein!

Nach nunmehr 10 Jahren wäre es doch an der Zeit, auch dieser so beliebten »Kultsendung« mal eine Frischzellenkultur zu gönnen. Kultur? Äh, naja, so heißt es nun einmal in diesem Zusammenhang. Vielleicht könnte man es auch Verjüngungskur nennen. Das passt eher, denn zur Kur gehen ja in erster Linie diejenigen, die es nötig haben. Und die Kandidaten die ihr Köfferchen packen, um in die wilde grüne Hölle unter ständig lauernder Todesgefahr zu reisen haben es nötig – definitiv. Also, warum nicht einen neuen passenden Titel lancieren für dieses grandiose TV-Spektakel? »Mich kennt kein Schwein, lasst mich rein!« Das wäre doch wesentlich treffender, oder nicht?

Nachdem nun endlich die Liste der Australienurlauber auch offiziell bekannt gegeben wurde (ja, das ist stets ein sehr streng gehütetes Geheimnis und führt zu den wildesten Spekulationen der Kulturredaktionen großer, farbig bebilderter Zeitungen), wird eines wieder deutlich: Armseligkeit macht weder vor den Wäldern noch vor der Mattscheibe Halt. 11 »Prominente«, werden sich wieder für uns um die Wette blamieren, zu unserer Ergötzung philosophische Peinlichkeiten von sich geben, intellektuelle Streitgespräche führen und – so hoffen wir doch alle, oder etwa nicht? – genügend ekliges Fleisch essen, vor allem aber doch bitte auch zeigen …

Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt sich wieder einmal über das Wort »prominent« auszulassen aber ein Wort, das so inflationär gebraucht wird wie »bio«, »öko« oder »sozial« soll uns nicht weiter beschäftigen. Es genügt zu wissen, dass »prominent« soviel bedeutet wie: es gibt ein paar Menschen (müssen wir das jetzt auch noch definieren?) die da reinwollen. Also in den Dschungel. Und natürlich in den Fernseher. Vor allem!

Da drängt sich einem doch geradezu ein kindlicher Gedanke auf. Wie wäre es denn, einen alten Röhrenfernseher zu nehmen, zu warten bis am 17. Januar die erste Folge des Dschungelcamps 2014 läuft, den Fernseher einzuschalten und in dem Moment wo alle Kandidaten (das ist das Synonym für Prominente) gemeinsam erscheinen schnell das Gerät auszuschalten und zu entsorgen … Ach ja, Problemlösungen könnten so einfach sein.

Schlägerchen, Löckchen und wie immer Silikon

Im Dschungelcamp bleibt alle beim Alten

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der Fernsehzuschauer auch. Das dürfte auch für den Erfolg von »Ich bin ein Star, holt mich hier raus!« verantwortlich sein. Ging 2004 noch ein Aufschrei durch die Republik als der bayerische Vorzeigephilosoph Kübelböck (man erinnert sich) ein Kakerlakenbad nehmen durfte, so empört sich heute niemand mehr über die »Ekelprüfungen«. Im Gegenteil. Känguruhoden schlucken, Kakerlakeneintopf verköstigen und Irgendeintierpenis kauen sind Standard, das wird erwartet und von den Insassen brav, bisweilen auch wiederkäuend zelebriert. Lecker!

Da schmecken Bier und Chips auf dem Sofa doch gleich doppelt so gut. Und wenn dann auch noch das Silikon (wahlweise atemberaubend oder ekelerregend) durch den Dschungel hüpft, freut sich auch Vati. »Auskennen tut er sich schon, der Autor, aber immer von oben herab einen auf intellektuell oder gar moralisch machen, ja ja, typisch«. Genau! Manch einer wird das wohl denken. Recht hat er. Und irgendwie reiht sich dieser Schreiberling damit wohl in die Reihe all der anderen ein, von denen keiner das Dschungelcamp ansieht, aber alle Bescheid wissen. War das nicht schon seinerzeit bei Busenbalder, 'tschuldigung, Hugo Egon Balder und Tutti Frutti so? Keiner hat's gesehen, aber alle konnten Cin Cin mitsingen …

Ein Vorteil hat der Autor gegenüber jedem anderen Fremdschämer: Er kann es damit begründen, dass er ja nur dann über etwas schreiben kann, wenn er es kennt. Und daher verbringt er in grenzenlos aufopfernder Weise, zumeist unter Qualen und nur durch vermehrten Alkoholkonsum nicht zugrundegehend wieder manche Minuten vor der flimmerfreien und röhrenlosen, daher auch nicht zur Käfighaltung und Abtransport von Dschungelpromis geeigneter Flachbildkiste und gibt sich die geballte Ladung aktueller Dschungelberichte von Sielmanns Nachfolgern. Ätsch, ich darf! Ich muss!

Alle FAZ-Leser, ZEIT-Abonnenten und Arte-Gucker, die es bis zu diesen Zeilen geschafft haben und sich augenreibend fragen, »Dschungelcamp? Was soll das sein?« lesen bitte kurz hier den Absatz »Was ist das Dschungelcamp 2013?« weiter…

Die Kandidaten für das Dschungelcamp 2014

Kein Grund zur Sorge, es werden wieder alle Klischees erfüllt!

Michael Wendler …

… ist und bleibt wohl auch im Dschungelcamp »Der Wendler«

Aber Vorsicht, per Gerichtsbeschluss ist er gar nicht mehr »Der Wendler« sondern höchsten noch Michael Wendler. Gut, eines muss man beim ersten der erwähnten Kandidaten zugeben. Er ist in der Tat kein ganz Unbekannter. Zumindest in manchen Küchenradios und beim Hennenrennen am Samstagabend in der Dorfdisco läuft das eine oder andere Lied von ihm oder taucht er bisweilen auch selbst auf, um sein geballtes Selbstbewusstsein der Damenwelt zur Schau zu stellen.

Und was liest man über ihn? Er gehe davon aus, dass er keine Dschungelprüfung machen müsse, da er (do leg'st di nieder, wie der Bayer sagen würde) »viel zu beliebt in Deutschland« sei. Na dann ist doch alles gut. Wenn man andererseits Kommentare auf der Seite von RTL liest, dürfte ihm möglicherweise das eine oder andere Hodenragout noch bevorstehen. Allerdings hat er dies im Vorfeld bereits kategorisch abgelehnt, was einen Hungertag für die Eingelieferten bedeuten würde. Zoff vorprogrammiert, Freude beim Publikum und der Troubadour endlich wieder im Gespräch – Ziel erreicht.

Mola Adebisi …

… will sich nicht ausziehen

Na und? Will ja schließlich auch keiner sehen! Wer mit diesem Namen nichts anzufangen weiß war in den 90er Jahren entweder noch nicht oder schon nicht mehr Jugendlicher zwischen 14 und 16 Jahren. Damals durfte er im noch jungen Sender VIVA als Moderator arbeiten. 

Danach war er Musiker bei einer Jazz-Hip-Hop-Gruppe, Tänzer bei einer Dancefloor-Formation, Rapper, Sänger, Produzent, Darsteller, Synchronsprecher, Unterwäschedesigner, Programmdirektor, Insolvent, Executive Consultant und jetzt endlich Insasse im Dschungelcamp 2014. Steile Karriere. Seiner eigenen Aussage nach, hat er »wenig Toleranz für dumme Menschen«, was wohl auch die Hauptmotivation gewesen sein dürfte, bei » Ich bin ein Star, holt mich hier raus!« anzutreten. Aber er konnte zuvor neben all seinen Jobs auch schon in diesem Metier reichlich Erfahrungen sammeln, etwa beim »RTL Promi-Boxen«, bei der »TV total Stock Car Crash Challenge«, bei »Das perfekte Promi-Dinner«, »Yes We Can Dance« und bei »Das große Sat.1 Promi-Boxen«.

Corinna Drews …

… allein der Name macht Angst

Beim Name Drews wird wohl so mancher spontan zusammengezuckt sein. Hat es nicht gereicht, dass einst der Costa Party im Dschungel machte? Entwarnung! Nicht Onkel Jürgen zieht ein. Wäre ja nochmal schöner. Hier einen auf König von Mallorca machen und dort um die Krone des Dschungelkönigs zu kämpfen. Pah! Nein, das weibliche Element ist doch ein wichtiger Bestandteil des Dschungelcamps und daher darf Corinna mit, die aufgrund ihrer einstigen Ehe mit besagtem Kornfeldpoeten noch immer denselben Namen trägt.

Sie gehört zweifellos zu den größten Schauspielerinnen die Deutschland zu bieten hat. Wer (der Älteren …) erinnert sich nicht gerne zurück an die Kultserie Kir Royal und an Baby Schimmerlos der sich mit diesem knackige Mädel im Bett vergnügte? Genau. Das war Corinna Drews. Die großen Filme danach waren, äh… und dann kam, hm …, naja der große Blockbuster später war, phh …. Egal. Schauspielerin mit vorangegangener großer Modelkarriere, Unternehmerin in eigener Künstler-Agentur, Immobilien-Hai, Möbel-Designerin und Gründerin des Modelabels Gespür für Couture. Tja, Gespür braucht man halt – und Vielseitigkeit. Der Weg vom Laufsteg zum Trampelpfad im Dschungel ist eben nicht immer geradlinig.

Winfried Glatzeder …

… Belmondo des Ostens lockt das Honorar

Eigentlich konnte er etwas, möglicherweise kann er noch immer etwas. Vielleicht weiß das nur niemand. Die Welt ist grausam. Glatzeder ist tatsächlich gelernter Schauspieler und hatte in der Tat auch große Erfolge zunächst in der DDR, dann in Westdeutschland und das sowohl im Kino, im Fernsehen als auch am Theater.

Vielen bekannt ist er wohl noch als Hauptkommisar Roider im Tatort. Allem Anschein nach ist er sogar noch immer ganz gut im Geschäft allerdings nicht mehr im Fernsehen und das scheint heute alles zu sein, was zählt. Also, was tun? Klarer Fall, ab in den Dschungel! Schwuppdiwupp ist man wieder im Fernsehen und bekommt garantiert wieder zahlreiche Angebote. So wie früher. Ach ja, und Kohle gibt es auch. Es ist schließlich »ein gutes Gefühl, ein Polster zu haben«. Na dann Herr Glatzeder, runter von den Brettern die die Welt bedeuten und rein in die Schlangengrube die den Fernsehruhm garantiert.

Tanja Schumann …

… was haben wir gelacht – vor langer Zeit

Ja ja, ist schon ein bisschen her. Es waren die 90er Jahre und »RTL Samstag Nacht« entwickelte sich zu einer wahren Comedian-Geburten-Klinik. Einige der Comedians sind heute aus der Unterhaltungsbranche gar nicht mehr wegzudenken etwa Wigald Boning, Esther Schweins, Olli Dittrich, Stefan Jürgens, Mirco Nontschew.

Etwas anders lief es wohl bei Tanja Schumann. Mangelnde Angebote und am Ende auch noch verzockt (pardon, verspekuliert heißt das) und sie war 2009 insolvent. Vorbei mit witzig. Aber muss ja nicht immer Fernsehen sein. Also schnell den Fitnesstrainer gemacht, noch ein bisschen Touristen auf der Reeperbahn herumführen und noch ein paar Synchronrollen sprechen. Aber irgendwie kann das dann doch nicht alles gewesen sein. Stimmt, fehlt ja noch was in der Biografie fürs nächste Bewerbungsgespräch. Genau, das Dschungelcamp! Visitenkarte und Eintrittskarte für das große Comeback zugleich. Na denn, viel Spaß und guten Appetit! Fragwürdig nur, dass das wohl nur wenige interesssiert und die Keywordanalyse ausspuckt, dass bei ihr Hauptsächlich »Tanja Schuhmann oben ohne« gesucht wird – na prima!

Larissa Marolt …

… kein Dschungelcamp ohne Quotenzicke

Großmutters Sauerkraut war das Beste. Deshalb wurde das Rezept auch nie verändert. So ist es auch mit dem Dschungelcamp.

Eine der wichtigsten Zutaten für schmackhafte RTL-Fernsehunterhaltung ist – die Zicke. Nun braucht man dafür eigentlich nicht allzu lange zu suchen. Man schaut sich kurz die Karteikarten diverser Castingshows durch und wird am schnellsten bei den Gören der Modelshows fündig. Jung, unerfahren, stets angriffslustig und möglichst supranasal eher anspruchslos. Also, Griff in die Kiste, Karte gezogen Lasissa Marolt verpflichtet. Mit 21 das Nesthäkchen im Dschungel und prädestiniert dafür den Zickenpart zu übernehmen.

Marco Angelini …

… schickt Dr. Bob in die Wüste?

Sie haben noch nie den Namen Marco Angelini gehört. Kein Grund zur Sorge! Ich auch nicht! Aber ich habe mich schlau gemacht. Ja, ein echter Arzt ist er. Aber weil es im Showbusiness weniger blutig zugeht (zumindest vor den Kulissen) drängt es ihn heraus aus dem weißen Kittel der ihn zu einem halbgöttlichen Wesen machen würde hinein in den Dschungel. Dschungelkönig, das ist doch gleich etwas ganz anderes als so ein alberner Doktortitel, der einem ohnehin im Zweifelsfalle wieder aberkannt werden kann, wie (tatsächlich) prominente Beispiele zeigten. Ach ja, natürlich darf nicht jeder dahergelaufene Weißkittel so mir nichts, dir nichts ins Dschungelcamp einziehen. Man muss schon etwas geleistet haben, sonst »komsd du do net rein«. Und Angelini hat was geleistet. Vierter Platz bei DSDS 2011. Frei nach Asterix bei den Schweizern bedeutet das »Ab in den Dschungel!«

Jochen Bendel …

… der echte Insider

Nur wer wirklich hochwertige Fernsehunterhaltung regelmäßig genießt, wird wohl der Name Jochen Bendel etwas sagen. Als Co-Moderator ist er bei der Mutter aller Deppenshows (Verzeihung, ich wollte ganz ehrlich ein anderes Wort wählen, aber beim Kampf kluger Kopf gegen eigensinnige Finger zog bedauerlicherweise der Kopf den Kürzeren) Big Brother zugange. Jetzt darf er selbst sich beobachten lassen und wird garantiert dieses Erlebnis als ganz große Erfahrung, die er garantiert nicht missen möchte, garantiert mit in seine Moderation nehmen. Larissa muss übrigens keine allzu großen Bedenken vor Übergriffen von ihm haben. Rechtzeitig vor dem Dschungelcamp ließ er noch öffentlichkeitswirksam verlauten, dass er einen Mann liebt. Das ist schön, aber als Publicity-Trumpf zu durchschaubar und einfach peinlich.

Julian Stoeckel …

… das it-Girl unter den Männern

Archäologen sind bekannt dafür, dass sie auch noch so kleine Dinge in einem riesigen Erdhügel finden. Demnach würden die Macher von »Ich bin ein Star, holt mich hier raus!« es wohl auch in diesem Beruf zu etwas bringen. Wen die alles zu zutage fördern? Julian Stoeckel ist wohl am ehesten der einschlägigen Szene in Berlin bekannt und bezeichnet sich selbst als »Partygesamtkunstwerk«. Naja, ansonsten das Übliche: Ein bisschen hier Casting, ein bisschen dort ein Nebenröllchen, ein bisschen sich ins Szene setzen und ansonsten mal sehen was der Dschungel bringt …

Melanie Müller …

… Insasse mit dem grünen Punkt

So, die Zickenrolle ist besetzt, DSDS-Teilnehmer verpflichtet, was fehlt denn noch? Ach ja, natürlich, zwei schlagende Argumente für spätabendliches Fernsehglück von Vati unter dem Vorwand noch Nachrichten zu schauen.

Ordentlich Silikon muss her! Micaela Schäfer war gestern, heute schuppst Meloni, pardon, Melanie Müller ihre Qualitäten zwischen den Bäumen hindurch. Aber Achtung Männer des schlechten Geschmacks: Immer schön den Daumen auf der Fernbedienung lassen, die Gefahr dass sich die blonde Leipzigerin vom Textil löst ist beängstigend groß, schließlich hatte sie dies in einzelnen Etappen ihrer steilen Karriere bereits bewiesen, nämlich bei der ebenfalls eher intellektuellen Sendung »Der Bachelor« sowie bei »Prommi Shopping Queen«.

Gabby De Almeida Rinne …

… was für ein Name

So, noch ein bisschen mehr Weiblichkeit fürs Fernsehvolk. Sie fragen wer Gabby De Almeida Rinne ist? Die Antwort ist einfach. Sie heißt nämlich in Wirklichkeit Gabriella Christina De Almeida Rinne. Jetzt alles klar? Immer noch nicht? Ja muss man denn ganz bei Null beginnen!? Ab 2008 durfte sie bei der Retortenpopgruppe Qeensberry mitmachen. Schön. Und was kam dann? Raten sie mal. Genau. Hier das »perfekte Promi Dinner« dort » Reality Queens auf Safari«, auch » mieten, kaufen, wohnen«, und vor dem Dschungel noch kurz in den Playboy, das Übliche halt …

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