Karikatur Dudelsackspieler

Karikatur Dudelsackspieler (Bild: OpenClipart-Vectors / Pixabay)

Eine Bezeichnung - 100 Instrumente

Der Name "Dudelsack" hat sich bei der Bevölkerung derart allgemeinverbindlich durchgesetzt, dass niemand mehr weiter nachfragt, was sich eigentlich hinter dem Begriff verbirgt.

Der Dudelsack ist ein Blasinstrument aus der Unterkategorie der Holzblasinstrumente und kann noch weiter auf den Bereich der Sackpfeifen eingegrenzt werden. Somit ist jede Sackpfeife ein Holzblasinstrument, aber nicht jedes Holzblasinstrument eine Sackpfeife. Diese Zuordnung zu kennen hilft dabei, Sackpfeifen von anderen Blasinstrumenten zu isolieren, da ihre Spieltechnik sehr speziell ist und nur wenig mit der bei anderen Blasinstrumenten verwendeten Atemtechniken zu tun hat.

Erschwert wird die Unterscheidung der Sackpfeifen untereinander dadurch, dass sich in verschiedenen Teilen der Erde und in verschiedenen Epochen diverse Varianten entwickelt haben, welche sich oftmals nicht nur äußerlich gleichen.

Das Grundsystem allerdings ist überall identisch. In einen Luftspeicher (meist ein Sack aus Leder oder einem Kunststoff) wird die Luft eingeblasen und mit dem Arm gleichmäßig herausgedrückt. Auf einer Spielpfeife wird die Melodie gespielt, während Bordunpfeifen einen gleichmäßigen Unterton erzeugen. Die Akkorde, welche beim Zusammenspiel von Bordunen und Spielpfeife entstehen, machen den Klang der Sackpfeifen so außergewöhnlich.

Auch heute noch werden neue Instrumente entwickelt. Der deutsche Dudelsackbauer Christian Dreier beispielsweise erfand in Zusammenarbeit mit Dudelsacklehrer Herbert Bartmann einen "kleinen Schottensack", welcher den Sound einer GHB bei deutlich geringerer Lautstärke erzeugt.

Die Great Highland Bagpipe - das Original aus Schottland

Stellvertretend für alle Arten von Sackpfeifen haben die meisten von euch das Bild des Schotten mit der Great Highland Bagpipe im Kopf.

Die GHB gilt in Verbindung der "Pipes & Drums" bis heute als wichtiger Teil der schottischen Kultur und die besten Hersteller der Welt sitzen in dessen Heimatland. Gekennzeichnet wird das Instrument in der Regel mit diversen Verzierungen, welche Rückschlüsse auf den Preis und den Hersteller zulassen. Besonders "Solopiper" legen hierauf großen Wert.

Die Besonderheit an der GHB ist, dass sie in den letzten zweihundert Jahren nicht verändert wurde und eindeutige Standards existieren. Das ist nur bei sehr wenigen Instrumenten der Fall.

Die GHB besteht aus einem Bag (Luftsack), einem Pipe Chanter (Spielpfeife), einer Blowpipe (Einblasrohr), einer Bass Drone (tiefe Bordunpfeife) und zwei Tenor Drones (hohe Bordunpfeifen). Auf diverse nicht sichtbare Kleinteile will ich hier nicht weiter eingehen, da das zu unverständlich wäre und für die Unterscheidung nicht essentiell wichtig ist.

Ihre Tonart ist immer D-Dur und ihr Tonumfang umfasst 9 Töne vom tiefen G bis zum hohen A'. Die Griffweise ist eine spezielle Schottische, welche besondere Verzierungen beim Spiel erlaubt.

Der Kammerton A der GHB liegt nicht wie im Orchester üblich bei 440 Hz sondern bei etwa 478 Hz, also knapp einen Ganzton höher. Es gibt allerdings spezielle Pipe Chanter mit A=440 Hz, welche für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten genutzt werden.

Die GHB ist, als lauteste Sackpfeife überhaupt, extrem laut, weshalb das Spielen in Räumen schädlich für die Ohren ist. Für das Spiel in Wohnungen gibt es die Smallpipe, den kleinen Bruder der GHB.

Mittelalterliche Marktsackpfeifen - Teil europäischer Geschichte

Wenn ihr übergroße Schalltrichter seht, habt ihr es vermutlich mit einem "A-Schwein" zu tun, wie die Marktsackpfeife auch genannt wird. Dieser Name kommt daher, dass alle Bordune dieser Sackpfeifen auf A gestimmt werden. Der Bordunsound ist, besonders, wenn nur der Bassbordun vorhanden ist, sehr tief und wird von EinigeMarktsackpfeife mit 2 Bordunenn als unangenehm empfunden.

Es gibt sie allerdings auch mit mehreren Bordunen (siehe Bild), wobei die Anderen dann auf das nächsthöhere A gestimmt werden. Diese Marktsackpfeifen sind heller im Klang.

Äußerlich sehen die Instrumente unspektakulär aus, da man zu Zeiten ihrer Erfindung noch wenig Wert auf solche Äußerlichkeiten legte.

Ihr Tonumfang beträgt 9 Töne vom tiefen G bis zum hohen A' und sie wird mit der offenen Griffweise gespielt, wie eine Blockflöte. Der Klang ist fast so laut wie der der schottischen Great Highland Bagpipes.

Ihr kleiner Verwandter für den Innenbereichen ist das Hümmelchen, welches ebenfalls mit einem oder mehreren Bordunen erhältlich ist und in Zimmerlautstärke spielt.

Bekannt durch Film und Bühne - die irischen Uilleann Pipes

Während einer Besatzung verboten die Engländer die irischen War Pipes, welche den schottischen Highland Bagpipes zum Verwechseln ähnlich sahen und ähnlich laut waren. Als Antwort darauf entwickelten irische Pipemaker das auch als "Irish Pipes" bekannte Instrument. Der Name Uilleann bedeutet übersetzt "Ellenbogen" und kommt daher, dass der Bag nicht per Atemluft, sondern über einen Blasebalg mit Luft versorgt wird.

Ihr Klang ist sehr einzigartig und weich und ihre Lautstärke ähnelt der von Smallpipes oder Hümmelchen, lediglich ein bisschen lauter. Das Ziel der Iren damals, ein Instrument zu besitzen, welches nicht aus hundert Metern Entfernung zu hören war, haben sie erreicht.

Die Uilleann Pipes existieren in verschiedenen abgespeckten Formen (Practice Set, Half Set, 3/4 Set), weil nur wenige Profis sie komplett spielen können. Ein Full Set (Bild) besteht aus einem Bag, den Bellows (Blasebalg), dem Pipe Chanter (Spielpfeife), 3 Drones (Bordunpfeifen) und 4 Regulators (Akkordpfeifen, welche nur bei Betätigung Töne erzeugen).

Gespielt werden Uillean Pipes im Sitzen, wobei der Pipe Chanter bei allen Noten, außer der Tiefsten, auf dem Knie ruht. Das macht es dem Piper möglich, durch Zuhalten aller Grifflöcher und Aufsetzen des Chanters, den Ton punktgenau zu unterbrechen. 

Ihr Tonumfang ist mit 15 Tönen (für gewöhnlich D bis D'') außergewöhnlich hoch, wobei die obere Oktave durch Erhöhung des Drucks, sogenanntes "Überblasen", erreicht wird.

Die größte Besonderheit der Uilleann Pipes ist ihre Einzigartigkeit. Nur wenige Pipemaker weltweit bauen dieses komplexe Instrument (in Deutschland zum Beispiel Andreas Rogge). Es gibt auch keine günstige Alternative, da die billigen pakistanischen Instrumente nicht zum Spielen geeignet sind, sondern bestenfalls als Wandschmuck dienen.

Die Gaita Gallega oder Galicische Gaita - der spanische Verwandte

Dieses spanische Instrument ähnelt vom Aufbau her sehr der schottischen GHB, hat allerdings nur einen oder zwei Bordune. Der offensichtlichste äußerliche Unterschied ist, dass das Band zur Verzierung nur am großen Bordun festgebunden wird, wogegen es bei der GHB alle 3 Drones festbindet.

Spanische GaitaDie Lautstärke ist, dank der konisch gebohrten Spielpfeife, sehr hoch und kann knapp unterhalb einer Highland Bagpipe eingeordnet werden.

Die Bordune werden in der Regel auf D gestimmt. Es sind allerdings auch andere Stimmungen erhältlich.

Der Tonumfang entspricht standardmäßig dem der Marktsackpfeife mit 9 Tönen, kann aber, je nach Instrument, durch Überblasen erhöht werden.

Typisch deutsch - die Schäferpfeife

Die deutsche Ausführung der Sackpfeife wird meist mit zwei Bordunen im gemeinsamen Stock (Stutzen), der vor dem Körper liegt, gebaut. Es existieren jedoch auch andere Bauformen, wo der gemeinsame Stock oder zwei getrennte Stocks über der Schulter liegen.

Die Schäferpfeife ist überblasbar und erreicht damit einen Tonumfang von bis zu 12 Tönen, wobei die Bordune meist auf den Grundton D oder A gestimmt werden.

Ihre Lautstärke ist moderat und etwa auf Mitte zwischen einem Hümmelchen und einer Marktsackpfeife anzusiedeln. Dem Zusammenspiel mit etwa einer Drehleier beispielsweise steht nichts im Weg.

Außergewöhnliches Temperament aus Italien - Die Zampogna

Die Zampogna aus Italien ist eine wirklich außergewöhnliche Sackpfeife.

Im Bild ist deutlich zu sehen, dass sie über zwei Spielpfeifen verfügt, was ihr einen unverwechselbaren Klang gibt. Außerdem kann sie über einen bis vier Bordune verfügen. Meistens enden Bordune und Spielpfeifen im gleichen Stock.

Ihre Lautstärke ist nicht sehr hoch und der Sound überrascht, trotz ihrer gewaltigen Größe, durch einen warmen Klang.

Traditionell wird sie Solo oder in Kombination mit Akkordeon, Schalmei oder Trommeln gespielt.

Weitere Sackpfeifen

Es existieren diverse weitere Sackpfeifenarten, welche sich mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden. Es gibt Hunderte, daher ist das hier ist nur eine kleine Auswahl:

  • Säckpipa (Schweden)
  • Cornemuse (Frankreich)
  • Praetorius Bock oder großer Bock (Deutschland)
  • Sackpfiff (Schweiz)
  • Xeremia (Mallorca)
  • Askomantoura (Griechenland)

 

Dr. Fritz Schneider veröffentlichte zu diesem Thema ein Buch mit über 180 Seiten, welches die verschiedenen, länderspezifischen Bauformen noch weit näher beleuchtet.

Fazit

Die Vielfalt an Sackpfeifen ist ebenso groß wie die derer Menschen, welche diese spielen. Daher ist es selbst für einen Kenner nicht immer einfach, aus der Entfernung zu sagen, um welches Instrument es sich genau handelt. Die Einzigartigkeit der Hersteller, welche ihre eigenen Erkennungsmerkmale besitzen, erschwert das zusätzlich.

Im Zweifel hilft eine Nachfrage beim Musiker. Die sind nämlich in der Regel sehr kontaktfreudig.

Bildquellen

Great Highland Bagpipe: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Great_Highland_Bagpipe?uselang=de#/media/File:Great_Highlands_Bagpipe_001.jpg

Marktsackpfeife: https://de.wikipedia.org/wiki/Marktsackpfeife#/media/File:Bagpipe1.jpg

Uilleann Pipes: https://de.wikipedia.org/wiki/Uilleann_Pipes#/media/File:UilleannPipes.jpg

Gaita Gallega: https://de.wikipedia.org/wiki/Galicische_Gaita#/media/File:Gaita_galega.jpg

Schäferpfeife: https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4ferpfeife#/media/File:Sch%C3%A4ferpfeife_in_G-G.jpg

Zampogna: https://de.wikipedia.org/wiki/Zampogna#/media/File:Sommer,_Giorgio_%281834-1914%29_-_n._2796_-_Zampognari.jpg

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