Dumme Fragen. Gibt es die?

Oft hören wir andere sprechen und denken uns, was für eine dumme Frage! Kinder sind natürlich ganz groβ darin, sogenannte dumme Fragen zu stellen. Warum ist die Banane krumm? Warum ist der Himmel blau? Warum heißt Klinke Klinke? Warum muss Papa jeden Tag zur Arbeit gehen? Was macht er denn da? Warum, warum, warum... Dumme Fragen? Eigentlich zeugt die Fragerei doch eher von Neugier und Interesse. Und als Kind ist es einem auch verziehen, wenn man die Antwort (noch) nicht weiß. Das sieht schon anders aus bei Erwachsenen. Sag mal, was machst du eigentlich als Produktmanager, als Texter, als Projekt Koordinator? Und schon rollen die Augen zurück. Dabei ist es in unserem Zeitalter der Informationsüberflutung doch wirklich zuviel verlangt, dass wir eine Vorstellung von jeder existierenden Stellenbeschreibung haben sollen. Warum ist der Himmel denn nun eigentlich blau? Und die Banane krumm? Warum heißt die Türklinke Klinke? Die meisten Menschen haben nicht wirklich eine Antwort auf diese Fragen. Die meisten Menschen haben wohl auch kein wirkliches Interesse an einer Antwort. Wen schert's? Dumme Frage! Ich glaube, dass es 3 Arten von dummen Fragen gibt.

 

Drei Arten dumme Fragen

Zu faul oder zu dumm

Die eine Art dummer Fragen wird von Menschen gestellt, die einfach zu faul (oder zu dumm?) sind, selbst nachzudenken. Wie ist denn die Telefonnummer von So-und-so, fragt der Kollege. Mann, das steht doch im Adressbuch fürs Projekt, oder google es halt! Zu faul, selbst nachzusehen. Stattdessen, lässt er mich nachsehen und 3 Minuten meiner Arbeitszeit verschwenden.
Oder, wo finde ich noch gleich das Spülmittel für die Geschirrspülmaschine? Unter der Spüle! Zu faul, das Ding selbst anzustellen, will aber einen hilfreichen Eindruck machen. (Ich versuch ja zu helfen!)

Eine weitere Form dieser ersten Art der Fragen ist, das Offensichtliche als Frage zu formulieren.
Nach der Knieoperation verzieht Susi ihr Gesicht beim Auftreten. Tut's weh? Hmm, ist das nicht offensichtlich?
Paul kommt durchnässt im Verein an. Regnet's draußen?
Ach, warst du beim Friseur? Nee, ich hab die Schere selbst in die Hand genommen und mir einen knallroten Mecki verpasst!

 

«Dumme Frage» als Ausweg für Ahnungslose

Eine andere Art der sogenannten dummen Frage entsteht tatsächlich beim Empfänger der Frage. Wenn der nämlich die Antwort nicht weiss, schießt er einfach ein dumme Frage mit einem selbstgefälligen Grinsen oder indignierten Kopfschütteln hinterher. Der Fragende steht dann dumm da und oft bleibt ihm die Nachfrage im Halse stecken. Der Gefragte ist mal wieder davongekommen.

 

Arrogant oder die eigenen Anfänge vergessen

Dann gibt es noch Menschen, die bereits Lebens- und Berufserfahrung gesammelt haben, jedoch entweder vollkommen vergessen haben, dass sie selbst mal angefangen haben oder einfach nicht den Nerv haben, einem Neuling all das zu zeigen und zu erklären, was ihnen selbst mal geduldig gezeigt und erklärt wurde. Vielleicht macht es ihnen Spaß, die Jungen und Unerfahrenen zu quälen. Vielleicht wurde ihnen eine ebenso barsche Behandlung zuteil, wie sie den jüngeren Kollegen nun zumuten und wissen es einfach nicht besser.

Ein Plädoyer für Dumme Fragen

Häufig läuft die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger nicht ganz reibungslos ab. Der Sender hat sich nicht präzise ausgedrückt oder der Empfänger nicht so richtig zugehört. So ist der Ehemann vom Fernseher abgelenkt, wenn seine Frau fragt, ob sie den Meyers wegen des Theaters am Donnerstagabend zusagen kann. Oder der Chef bittet den Sachbearbeiter, einen Bericht zu erstellen, aber versäumt es, klare Anweisungen für den gewünschten Inhalt zu geben. Sender wie Empfänger sind sicher, dass sie verstanden wurden und verstanden haben. Ist doch die Anfrage einfach verständlich und scheinbar klar. Und doch, am Donnerstagabend hat der Ehemann eigentlich andere Pläne und die Luft ist dicke. Und der Sachbearbeiter kommt mit rotem Kopf aus dem Büro des Chefs, da der Bericht das Ziel völlig verfehlt hat.

Das hätte vermieden werden können. Klar, der Chef denkt sich vielleicht, was ist denn so schwer daran, einen Bericht zu schreiben, wenn der Sachbearbeiter nachfragt, was der denn beinhalten soll. Der Ehemann mag sich auf den Schlips getreten fühlen, wenn seine Frau ihn später fragt, ob er den Theaterabend in seinen Kalender eingetragen hat. Und doch, manchmal ist es das kleinere Übel, nochmal nachzufragen. Eine dumme Frage zu stellen. Anstatt später dumm dazustehen.

Fazit

Bevor wir das nächste Mal jemandem eine dumme Frage attestieren, sollten wir vielleicht erstmal darüber nachdenken, woher dieses Urteil eigentlich kommt. Kann er wirklich wissen, was von ihm erwartet wird? Hat er das schon mal gemacht? Ist die Anweisung wirklich so selbstverständlich? Wollen wir vielleicht verschleiern, dass wir keine Ahnung haben? Können wir uns grossmütig als ahnungslos zu erkennen geben oder des anderen Unwissenheit vergeben?

Bevor wir selbst eine Frage herunterschlucken, weil sie mit dem Etikett dumme Frage plakatiert werden könnte, sollten wir uns über die Konsequenzen im Klaren sein. Wieviel Zeit vergeuden wir mit Raten, was der andere wohl gemeint hat, was genau von uns erwartet wird. Oder damit, uns zu wundern, ob unsere Anweisungen wohl verstanden wurden.

Wieviel Zeit und Frustration könnten wir uns ersparen, wenn wir nur ein wenig mehr fragen und antworten würden. Mein Motto ist jedenfalls:

Lieber dumm fragen als später dumm dastehen.

Kanadier, am 08.06.2011
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Bildquelle:
Droemer-Verlag ("Wunder muss man selber machen" von Sina Trinkwalder - mehr als ein...)

Autor seit 5 Jahren
22 Seiten
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