Alpha Centauri -ein Sternensystem, das Leben beherbergen könnte

Anders als unser Sonnensystem, in dem alle Planeten um ein Zentralgestirn kreisen, besteht Alpha Centauri gleich aus drei Sternen. Zwei davon sind sehr helle Sterne, die unserer Sonne ähneln und sich gegenseitig umkreisen. Der dritte Stern liegt etwas abseits  und ist relativ lichtschwach.

Über die Existent von Planeten in diesem Sternensystem wurde schon seit langer Zeit spekuliert. Durch die Ähnlichkeit der beiden Hauptsterne zu unserer Sonne, schien Alpha Centauri immer ein guter Kandidat für ein bewohnbares System zu sein. Das Problem bestand über Jahre hinweg lediglich darin, dass in Alpha Centauri nie Planeten nachgewiesen werden konnten.

Die Suche nach Planeten wurde dort dennoch immer weiter betrieben, denn durch die Ähnlichkeit von Alpha Centauri A und B mit unserer Sonne konnte man davon ausgehen, dass dort potenzielle Umlaufbahnen möglich sind, die in der sogenannten "habitablen Zone" liegen. Als habitable Zone bezeichnet man Umlaufbahnen um einen Stern, in denen aufgrund des genau richtigen Abstandes zum Stern flüssiges Wasser auf einem Planeten vorkommen kann. Planeten, die in dieser Zone liegen, können also Leben hervorbringen, wie wir es auf Erde kennen.

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Die Entdeckung, die Astronomen elektrisiert - Erster Planet in Alpha Centauri zweifelsfrei nachgewiesen

Die ESO (Europäische Südsternwarte) ist eine Organisation, die rund um den Globus Teleskope betreibt und von ihren Mitgliedsstaaten finanziert wird. Zu den von der ESO betriebenen Teleskopen gehört auch das La Silla-Observatorium in der chilenischen Atacama-Wüste. Dort entdeckten Wissenschaftler aus Europa mit Hilfe eines sogenannten HARPS Spektrografen nun erstmals einen Exoplaneten im Sternensystem Alpha Centauri.

Ein HARPS-Spektrofraf weist Exoplaneten indirekt nach, indem er ständig den Abstand des Zentralgestirn zur Erde misst. Genau genommen wird die sogenannte Radialgeschwindigkeit des Sterns gemessen. Diese definiert sich als der Anteil an der Gesamtgeschwindigkeit des Sterns, mit dem er sich auf die Erde zu oder von ihr weg bewegt. Bewegt sich der Stern auf die Erde zu, lässt sich die Änderung der Radialgeschwindigkeit als sogenannte Blauverschiebung im Strahlungsspektrum des Sterns messen. Blauverschiebung deshalb, weil sich bei einer Bewegung auf die Erde zu die Wellenlänge der Strahlung verkürzt und sich somit ins blaue Spektrum verschiebt. Analog davon messen wir eine Rotverschiebung, wenn sich der Stern von uns entfernt.

Wenn ein Planet um den beobachteten Stern kreist und er sich dabei zwischen den HARPS-Spektrografen und den Stern schiebt, erscheint uns das als eine Veränderung der Radialgeschwindigkeit und wir messen eine Blauverschiebung. Es entsteht der Eindruck, der Stern würde sich auf uns zu bewegen. Ist der Planet vorbeigezogen, verschiebt sich das Lichtspektrum wieder in den roten Bereich, weil sich der Stern jetzt wieder von uns zu entfernen scheint.

Auf diese Weise wurde nun der besagte erste Exoplanet, der um Alpha Centauri B kreist, nachgewiesen. Weitere Analysen ergaben, dass dieser Planet in etwa die Größe der Erde hat. Er ist damit der erste jemals nachgewiesene erdähnliche Planet, der um einen Stern kreist, der unserer Sonne ähnelt.

Beherbergt der neue Planet Leben?

Die schlechte Nachricht zuerst: Der jetzt entdeckte Planet befindet sich in einer Umlaufbahn, die zu dicht an Alpha Centauri liegt, um dort Leben zu ermöglichen, wie wir es kennen. Es ist dort schlicht zu heiß. Er liegt außerhalb der oben bereits erwähnten habitablen Zone von Alpha Centauri B. Doch es gibt auch eine gute Nachricht:

Die Astronomen vermuten, dass der neue Planet lediglich der erste entdeckte von vielen weiteren in dem System sein könnte. Ihre Zuversicht gründen sie auf frühere Messungen mit HARPS, sowie auf ihre Erfahrungen aus der Kepler-Mission

Alle bisher gesammelten und hochgerechneten Daten weisen darauf hin, dass erdähnliche Planeten tatsächlich schwerpunktmäßig in solchen Systemen wie Alpha Centauri vorkommen. Demnach ist es sehr gut vorstellbar, dass Alpha Centauri noch zahlreiche weitere, erdähnliche Planeten beherbergt, von denen einer auch in der habitablen Zone liegen könnte.

Die Suche nach bewohnten Welten außerhalb unseres Sonnensystems geht also weiter und wir leben in genau der Zeit, in der erstmals ein Planet gefunden werden kann, der nach unseren Maßstäben lebensfreundlich ist.

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Rene_Junge, am 17.10.2012
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Bildquelle:
johannes flörsch (Wie finde ich die Sternschnuppen der Perseiden 2016?)
Karin Scherbart (Wie macht man einen Regenbogen selbst?)

Autor seit 4 Jahren
31 Seiten
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