Amazon zum Beispiel verkauft nur Reader und Ebooks, die das Kindle-Format (mobi-Dateien) verarbeiten. Mein Tolino, ein Ebook-Reader, den viele Buchportale vertreiben, kann nur das epub-Format lesen. Es gibt zwar die kostenlose Software Calibre, die ein Dateiformat ins andere umwandeln kann; doch wer will sich schon die Mühe machen?

Ein Ausweg aus diesem Schlamassel ist das bewährte pdf-Dateiformat. Es ist ein unkompliziertes Universalformat, mit dem z. B. Firmen gerne Ihre Korrenspondenz archivieren. Doch leider haben Reader mit pdf-Ebooks Darstellungsprobleme. Nur wenn ich pdf-Ebooks mit meinem Tablet lese, geht das problemlos. Ein Tablet ist einfach der bessere Ebookreader: Er bringt Farbe ins Buch, die Schrift lässt sich wie gewohnt skalieren, das Display ist in der Regel größer.

Um Ihnen einen Eindruck zu geben, wie gut ein Tablet als Reader ist, gibt es eine kostenlose Auswahl von verschiedenartigen Ebooks im pdf-Format. So können Sie die brillante Farbwiedergabe des "Tabletreaders" testen, z. B. bei "VoodooMania – ein Bilderbuch für Erwachsene". Dagegen sieht ein Tolino oder Kindle blass aus! Der Erfolgstrainer "Feel Great - Think Big" wäre mit Schwarzweiß-Illustrationen echt fad.

Wenn es Amazon und Tolino-Anbieter gut mit uns meinen würden, dann könnte ich ein Ebook in zwei Dateiformaten herunterladen, die ich sowohl mit einem Ebookreader als auch mit einem Tablet lesen kann. Aber den Gefallen tut mir der Monopolist Amazon schon gar nicht …

 

Kinderbücher als Ebooks?

Stirbt das gewohnte Kinderbuch aus, großformatig gedruckt mit wunderschönen, ganzseitigen Illustrationen? Auf Amazon.com werden Kinderbücher angeboten, die Kinder nur noch mit Smartphone, Kindle-Tablet, Kindle Ebook-Reader oder PC lesen können. Und dass sie solche "Bücher" lieben, beweisen die zweistellig wachsenden Verkaufszahlen der elektronischen Kinderliteratur.

Wer sind diese Kinderbuchautoren, die es übers Herz bringen, auf Papier gedruckte Bücher aussterben zu lassen? Amazon stellt alles zur Verfügung, um mit Kindle-Büchern, also Ebooks Kasse zu machen. Da kann man kostenlos einen "Kindle Kids Book Creator" herunterladen. Diese Amazon eigene Software wandelt automatisch den Inhalt des Manuskrips in ein Dateiformat um, das für alle Kindle-Lesegeräte optimiert ist. Besonders beliebt bei den Kids sind Storys in Form von Comic Strips, also mit vielen Sprechblasen, deren klein gedruckte Texte auf Knopfdruck von einer Art Leselupe vergrößert werden.

Weiterhin lockt Amazon mit hauseigener Analyse-Software, die für auflagengeile Kinderbuch-Autoren Marktnischen sucht, die zu erwartende Auflage prognostiziert, den Verkaufspreis empfiehlt und die "günstigste" Seitenzahl berechnet. Erfolgreiche Konkurrenten, welche die ausgespähte Marktnische bereits besetzt haben, werden ausspioniert: Welche Wörter in den Buchtiteln kommen am häufigsten vor? Welche ihrer Keywords bringen den meisten Umsatz?

In Harry Potter steckt Herzblut

Als Joanne K. Rowling mit einem Buch Geld verdienen wollte, schrieb sie nicht aus purer Berechnung, sondern sie begann ihren "Harry Potter" mit viel Herzblut zu schreiben. Ihr Manuskript wurde mehrfach abgelehnt, was vielen, auch berühmt gewordenen Autoren ebenfalls passierte. Heutige Autoren lassen sich von Amazons Algorithmen vorrechnen, was sie wie zu schreiben haben. Sie besuchen teure Seminare, die sie auf Erfolgskurs bringen. Diese Art Autoren werden nie in die Situation kommen, dass ein Verlag ihr Kinderbuch ablehnt. Amazon druckt alles, egal wie gut oder wie schlecht. Kaum ist das auf Erfolg getrimmte Kinderbuch im Angebot, schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe – weil es ja so vorausberechnet wurde.

Das nächste Kinderbuch für meinen Enkel kaufe ich in einem Buchladen, wo es nach druckfrischem Papier riecht, wo ich liebevoll gestaltete Papierseiten umblättern kann, um mich für ein Buch zu entscheiden. Und ich lasse es als Geschenk einpacken.

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