Verführerisch: Kleider aus Spitze

Verführerisch: Kleider aus Spitze (Bild: Adina Voicu - Pixabay)

Edel, luftig, verführerisch

Spitze in der Mode

Kleider brauchen Stoffe und Modemacher spielen damit. Die Bandbreite an unterschiedlichen Stoffen ist dabei sehr groß, doch keinem Material dürfte es gelungen sein, auch in der Modebranche einen ganz besonderen Platz unter allen einzunehmen außer der Spitze.

Doch was macht Spitze aus und warum gilt sie als edel und ist Inbegriff, ja für viele sogar Voraussetzung für verführerische Kleidung. Hersteller von Dessous und Lingerie setzen sogar zu einem großen Teil auf Spitze als einem Hauch von Nichts. Aber natürlich findet sich Spitze nicht nur »drunter« sondern auch drüber. Fest verankert in Brauchtum und Tracht findet sich Spitze beispielsweise seit Jahrzehnten in unterschiedlichem Anteil in Brautkleidern aber natürlich vor allem als Brautschleier, ebenso wie im schwarzen Witwenschleier. In der aktuellen Mode ist Spitze stets präsent, wenngleich in den Jahren unterschiedlich stark. Der Modetrend 2013 setzt jedenfalls wieder verstärkt auf diesen luftigen Stoff, angefangen beim dezenten Spitzeneinsatz bis hin zum gefährlich verführerischen Kleide einer Femme Fatale.

Spitze kommt aus St. Gallen …

… zwar nicht immer aber dafür in die besten Häuser

Wer hat's erfunden? Nein, ausnahmsweise nicht die Schweizer. Die erste Nadelspitze wurde in Norditalien bereits im 15. Jahrhundert hergestellt und eroberte erst allmählich die Modewelt bis ins 17. Jahrhundert hinein vor allem in Italien. Als Kragen für Männer oder Ansätze an den Ärmeln wurde Spitze zunächst sparsam eingesetzt, da die Herstellung sehr aufwändig und damit ausgesprochen teuer war. Somit konnten sich auch nur die wirklich Reichen diesen Luxus leisten.

Frankreich und dort insbesondere der französische Adel fand bald Gefallen an der italienischen Spitze und sorgten mit dafür, dass die Spitzenherstellung eine Blütezeit erlebte. Um die großen Gelder möglichst im Land zu halten, förderte Ludwig XIV die Produktion von Spitze in Frankreich. Anfang des 18. Jahrhunderts gab es eine entscheidende Neuerung bei der Spitzenproduktion. Die aufwändige und teure Nadeltechnik wurde von der Klöppeltechnik, die zudem schneller war, abgelöst. Auch die Art der Spitze sollte sich bald ändern. Immer häufiger wurde Tüllgrund verwendet, auf denen Applikationen angebracht wurden anstelle des anfänglich dicht gemusterten Stoffes. Dies bedeutete zugleich, dass Spitze mehr und mehr auch für weniger »Betuchte« erschwinglich war, zumindest für das Festtagsgewand.

Eine weitere Neuerung gab es ein nochmals ein Jahrhundert später. Insbesondere in Irland wurde die Häkeltechnik enorm vorangetrieben und weiterentwickelt. Allerdings sind sämtliche dieser Techniken heute weitestgehend verschwunden und werden höchstens noch im Kunsthandwerk oder als Hobby betrieben. Die Nadeltechnik dürfte gar als komplett ausgestorben betrachtet werden. Was man heute als Spitze kauft, ist maschinell gefertigte Bohr- oder Lochspitze, Tüllspitze oder Ätzspitze. Daneben gibt es noch die etwas grobmaschigere Macramé-Spitze.

 

 

Doch wo taucht nun St. Gallen in der Geschichte der Spitze auf? St. Gallen und seine Spitzenproduktion erlangte ab Ende des 19. Jahrhunderts Weltruhm und galt zeitweise sogar als Vorort von New York. Zahlreiche Bauern wurden in dieser Zeit zu Kleinfabrikanten indem sie sich eine Handstickmaschine kauften und Spitze herstellten. Bis zum Beginnenden 20. Jahrhundert gab es über 20000 Stickmaschinen in der Schweiz, mit dem Nebeneffekt, dass harte Kinderarbeit an der Tagesordnung war.

Noch heute setzt das englische Königshaus auf Spitze aus St. Gallen und so konnte, wer die Olympischen Spiele 2012 in London verfolgte, konnte die Queen in »Schweizer Stoff« gehüllt bewundern. Dabei spielt heute ein Name eine große Rolle Jakob Schlaepfer. Zu den Abnehmer der Schlepfer-Stoffe gehören Designer wie etwa Vivien Westwood, Christian Lacroix, Albert Kriemler oder auch Karl Lagerfeld.

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