Edvard Munch - ein expressionistischer Maler der Moderne

Als Edvard Munch am 23. 01.1944 auf seinem norwegischen Landsitz in Ekely starb, vermachte er der Stadt Oslo seinen gesamten Nachlass, bestehend aus ungefähr 1.100 Gemälden, 18.000 Drucken, 3.000 Aquarellen, sechs Plastiken und zahlreichen Zeichnungen und Skizzenbüchern. Wenn man bedenkt, dass Munch von seiner Kunst gut leben konnte, also entsprechend viel verkauft hatte, so kann man nur auf eine ungeheure Schaffenskraft schließen. Sein Zitat "Malen ist für mich eine Krankheit, ein Rausch. Eine Krankheit, die ich nicht loswerden will, ein Rausch, den ich brauche" kann mithin getrost als sein Lebensmotto gelten. Selbst erlebte Krankheiten physischer und psychischer Art bestimmten oft Sujet und Charakter seiner Werke.

Das Leben malen

Im Alter von 18 Jahren beschloss Munch Maler zu werden und studierte an der Königlichen Zeichenschule von Kristiania (heute Oslo). Schon bald wurde ihm die akademische Ausbildung zur Last, und er suchte die Nähe anderer Maler, welche sein künstlerisches Potenzial erkannten und förderten. Durch den Maler Christian Krohg erhielt Munch Zugang zur Kristiania-Bohème, deren Mitglieder im Umfeld des berühmt-berüchtigten Skandalautors Hans Jæger politisches, soziales und moralisches Gedankengut des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Frage stellten. Inspiriert wurde Munch durch derartige Diskussionen, welche die Thematik seiner Bilder und Graphiken stark beeinflussten. Beim breiten Publikum stieß sein Werk indes auf Ablehnung.

Krankheit und Tod

Im Alter von fünf Jahren verlor Munch seine Mutter und nur neun Jahre später starb seine 15-jährige Schwester Sophie,  wie ihre Mutter an Tuberkulose. Diese mit langem Siechtum verbundene Krankheit und die Todesfälle in unmittelbarer familiärer Nähe hinterließen bei dem jungen Menschen Munch tiefe traumatische Erfahrungen, welche er immer wieder in seinem Werk zum Ausdruck brachte. Das Thema Tod beschäftigte Munch lebenslang. Durch häufiges, fast serienmäßiges Wiederholen eines Motivs mit nur minimaler Abweichung, aber in verschiedenen Techniken ausgeführt, wurden unterschiedlichste Stimmungen erzeugt.

Lebensfries

Krankheit und Tod, aber auch Sexualität, Liebe, Eifersucht, Begierde, Hingabe, unbewältigtes Triebleben, Ablehnung und immer wieder Angst sind die Motive, welche er zu seinem wichtigsten Projekt, dem Lebensfries, vereinte. Menschliche Erfahrungen werden in seinen düsteren Bildern manifestiert.

Ablehnung und allmählicher Ruhm

Edvard Munchs Bilderwelt kennt keine Tabus, was bei der bürgerlichen Gesellschaft zu Hause und im wilhelminischen Berlin, wo er häufig sein Domizil errichtete, auf heftige Ablehnung stieß. Aber es gab auch Gleichgesinnte Sein Umgang mit großen Literaten wie Strindberg und Ibsen und Querdenkern seiner Zeit haben sein Denken und somit auch seine Kunst geprägt. Am 5. November 1892 stellte Munch zusammen mit Berliner Künstlern etliche Gemälde erstmals in Berlin aus. Diese Ausstellung und ganz besonders Munchs Werk stieß auf starke Abneigung und löste einen Skandal aus, woraufhin die Bilderschau vorzeitig beendet wurde. Die öffentliche Kontroverse geriet allerdings Munch zum Vorteil: er wurde bekannt. Ausstellungen in Galerien Düsseldorfs, Kölns, Dresdens und Breslaus folgten. Im Juni 1892 erschien die erste Monographie über ihn in Berlin. Die Bremer Kunsthalle präsentierte als erstes Museum sein Werk. Weitere Ausstellungen mit Ölgemälden und Graphiken folgten in kurzen Abständen. Kritiker lobten ihn als "Pfadfinder einer neuen Stilkunst". Emil Waldmann, der damalige Direktor der Bremer Kunsthalle, erwies sich als Pionier deutscher Museen. Er erwarb am 2. Mai 1918 als Erster für 20.000 Mark das Ölgemälde "Das Kind und der Tod" für sein Museum.

Edvard Munch der Weltbürger

1885 reiste Munch mit einem kleinen Stipendium nach Paris, wo er drei Wochen blieb. 1889 brach er zum zweiten Mal dorthin auf. Zwanzig lange Jahre verbrachte Munch, zwar immer wieder unterbrochen durch Aufenthalte in seiner Heimat, im Ausland, in Paris, im Süden Frankreichs, in Italien und häufig in Berlin. Sein erster Lebensabschnitt ist geprägt durch eine rastlose Wanderschaft auf der Suche nach künstlerischer Anerkennung. Nach einem Zusammenbruch 1909 und einer Lebenskrise zog sich Munch trotz einsetzenden Erfolges endgültig in seine Heimat zurück. In selbst gewählter Einsamkeit widmete er sich dreißig Jahre lang seinem Werk, welches nun auch in Norwegen auf Anerkennung stieß. Auftragsarbeiten für Privatpersonen, die künstlerische Ausgestaltung der Universitätsaula im damaligen Kristiania sowie ein Fries für die Arbeiterkantine der ebenfalls dort ansässigen Schokoladenfabrik Freia sicherten seine finanzielle Situation. Bis zu seinem Tod im Jahr 1944 konzentrierte er sich völlig auf seine Kunst und arbeitete wie besessen an einer Neufassung seiner Leitthemen.

Bildnachweis: Herbert König 

Autor seit 5 Jahren
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