Es war schon vor 17 Jahren so: Die Katze, die keiner wollte

Es begann mit Stellan in 2002. Ich fand den Zettel im Supermarkt: "Junge Kätzchen abzugeben". Ich riss mir eine der Telefonnummern ab und rief später an. Die Familie wohnte in der Nachbarschaft und ich konnte an jenem Samstag im August gleich vorbeikommen. Eine kleine schwarz-weiße Katze war noch übrig, alle anderen bereits vergeben - allerdings waren alle noch zu Hause, da sie gerade 9 Wochen alt geworden waren.

Nun war da dieses kleine Kätzchen, das niemand hatte haben wollen, und ich wollte doch einen Kater haben und keine Katze! Ich fragte, warum diese eine Katze noch nicht vermittelt war - es hieß, sie war den anderen Leuten zu eigensinnig und ließ sich wohl nicht gern anfassen.

Also stand ich da und wusste auch nicht weiter. Ich erfuhr, dass die Familie nicht nur mit der Mutter der Kitten lebte, sondern auch mit deren Mutter. Die Kätzchen waren also gut sozialisiert und bereits von ihrer Mama und ihrer Oma erzogen worden. Die Menschenfamilie war sehr nett, das Haus sauber und alles eigentlich perfekt. Nur ich wusste nicht, was ich tun sollte, denn die Kitten spielten mitten in der Küche miteinander und ließen sich nicht locken. Bis die Tochter mir die Katze einfach in den Arm gab. Ich war etwas verdattert, denn in diesem Moment veränderte sich mein ganzes Leben. Das kleine Kerlchen war so zutraulich, dass es sich an mich kuschelte, die Arme (Vorderbeine) reckte und sich total entspannte. Also entspannte ich mich auch - und die Mutter der Menschenfamilie meinte damit wäre es entschieden. Bei niemandem zuvor hat die Katze so reagiert. So wurde ich eine "Katzenmama" und nannte mein Katzenmädchen Stella.

Stellan (Bild: Foto: privat © E. Meier)

Katze im Schafspelz - oder wie jetzt?

Wir hatten viel Spaß miteinander, denn meine kleine Mitbewohnerin Stella war durch die tolle, große Familie völlig angstfrei aufgewachsen und stets sehr neugierig. Nach draußen wollte sie nicht, da blieb sie einfach innen vor der offenen Terrassentür sitzen und miaute. Die Familie hatte den Kitten vorsorglich verboten in den Garten zu gehen. Schließlich hätte es sein können, dass sie Wohnungskatzen werden. Meine Kleine saß also da und fragte mit lautem Miau, was sie jetzt tun solle. Man muss sich doch schließlich an Regeln halten. Gutes Mädchen!

Ich versuchte, sie zu locken - keine Chance. Ich versuchte sie einfach von hinten über die Schwelle zu setzen - NÖ! Also nahm ich sie auf den Arm und ging mit ihr auf die Terrasse, zeigte ihr alles und setzte sie dann ab. Na, das war ein Spaß, Lebensfreude pur. Ich topfte Pflanzen ein, sie sprang und wühlte sich durch den Haufen Blumenerde. Der weiße Bauch war dann so schwarz wie der Rest der Katze.

Einige Tage später saßen wir beide entspannt auf der Couch. Ich las ein Buch, sie saß andersrum und wusch sich. Ich sah zu ihr, lobte sie, weil sie so gründlich war und wollte weiter lesen - doch halt, was war das? Sie wusch da etwas, das nicht so aussah wie es aussehen sollte. Oh mein Gott: Sie war ein Kater! Nix mit Frauenhaushalt. Er sah mich völlig unverständig an als wolle er sagen: "Na, das war doch klar!". Aus meiner Stella wurde Stellan und bis zu diesem Januar 2019 blieben wir 17 Jahre allerbeste Freunde oder Mama und Katzensohn. Er ist das schönste, wertvollste und unglaublichste Geschenk meines Lebens und ich bin unendlich dankbar für ihn und dafür, dass ich ihn sein ganzes Leben lang begleiten durfte, den Katzenkönig.

Stellan (Bild: © E. Meier)

Abschied und Neubeginn

Nachdem mein Stellan ausgerechnet an den langen Weihnachtswochenenden 2018 plötzlich nicht mehr essen wollte, bekam er Nierenprobleme und starb dann leider vier Wochen später. Das ist die Kurzversion. Wir waren selbstverständlich beim Arzt und ich habe in 24 Stunden, rund um die Uhr, gepflegt, gefüttert, ihm Wasser gegeben usw. 

Das Ende war grauenvoll und es ging mir selbst anschließend wirklich überhaupt nicht gut. Ich hatte mit ihm 5 kg abgenommen und war nicht mehr ich selbst. Er wird mir auf ewig fehlen, aber sein Geist schwirrt stets um mich herum. Man sagt die Geister von Tieren gehen nicht auf die andere Seite. 

Nach Monaten hatte ich mir zum Trost online immer mal die Tiere im Tierheim angesehen. Zum einen, um meine Seele zu trösten. Und zum anderen, um die Dankbarkeit wieder zu spüren, dass ich meinen Kater sein ganzes Leben lang bei mir haben durfte. Ich hätte ihn nie weggeben können. Selbst bei unseren Umzügen habe ich so lange gesucht, bis es auch für ihn optimal schön war. Ganz große Liebe also, wie könnte ich da jemals wieder ein neues, ein anderes Kätzchen haben? Einen Hund vielleicht, eventuell, mal gucken. Aber ein Kätzchen... - nee, das wäre doch Hochverrat. Schließlich habe ich mit einem Katzenkönig gelebt!

Dazu gern später mehr.

Jedenfalls ging es mir wirklich elend und so kam ich dann eben jetzt, ein halbes Jahr nach seinem Übergang in die nächste Lebensstufe, zufällig auf jene Anzeige mit dem Angebot von Stina. Eine Katze. Ich wünschte, Stellan wäre noch hier. Sie hätte ihm bestimmt gefallen.

Stina - oder Stella?

Stella (Bild: Foto: privat © E. Meier)

Wehmut, Vorfreude, Panik... und die Suche nach dem richtigen Namen

Nun, vor etwas über einer Woche habe ich die kleine Stina gesehen und mich für sie entschieden. Auch sie saß auf meinem Bein, reckte und entspannte sich. Ihre drei Brüder waren schon vergeben.

Ist doch seltsam, dass auch sie als letztes Kätzchen übrig war, das keiner wollte. Sollte auch sie plötzlich ein Kater sein, wäre das wirklich merkwürdig. Aber so viele Zufälle gibt es nicht und die Merkmale schienen auch mir eindeutig weiblich. Noch seltsamer fand ich allerdings mein Gefühlschaos nachdem ich mich für sie entschieden hatte. Ich zweifelte, verzweifelte, entschuldigte mich bei meinem Stellan und wollte sie Stella nennen, weil er ja keine Stella war, fand das aber respektlos und "studierte" Namen. Ich freute mich darauf wieder eine Katze im Haus zu haben und hatte Panik. Was, wenn sie auch diese chronische Niereninsuffizienz bekommt? Was kann ich von Anfang an mit dem Wissen von heute besser machen? Eine Thematik, die sehr aktuell ist, denn das klassische Katzenfutter (egal ob aus der Dose oder Trockenfutter) ist nicht immer katzengerecht.

Nun habe ich zwar viel Erfahrung mit Katzen, weil Stellan viele Freunde mitbrachte oder aber echte Kriege führte - aber wie kann ich das Kitten heute optimal vorbereiten? Zum Thema Futter werde ich später noch mehr schreiben. Ich habe jedenfalls alle Fachhandlungen, Super- und Raiffeisenmärkte abgeklappert - und für die Kleinen, die Junioren, wirklich wenig Angebot gefunden. In vielen Fällen war das Juniorfutter gerade aus, die Lieferung sollte in einer Woche kommen und ich wurde dann um eine weitere Woche vertröstet. 

Futter online zu bestellen ist teilweise heikel. Also war ich gut beschäftigt und erst wieder entspannt nachdem ich alles zusammen hatte. Spezielles Katzenstreu (das die Kleine bereits benutzt) und eine Kitten-Toilette (sowas gab's vor 17 Jahren noch gar nicht) und dann eben die restliche Erstausstattung: 1 Mini-Kratz-Kletterbaum, 1 Geschirr (damit sie draußen noch nicht ungesichert im Garten herumläuft), neues Spielzeug (teilweise selbst gebastelt aus Papierrollen), eine neue Kuscheldecke (eine habe ich ihr schon dagelassen, damit sie sich an meinen Geruch gewöhnt und die Decke auch die gewohnten Gerüche aufnimmt, wie z. B. die Gerüche ihrer Brüder). Das Kittenstreu ist übrigens wichtig, da die Kleinen oft auch das Streu essen und noch nicht recht unterscheiden können. Kittenstreu klumpt NICHT (wäre beim Schlucken lebensgefährlich), enthält keine Duftstoffe und sollte möglichst fein sein. Holzstreu ist wegen des Eigengeruchs nicht zu empfehlen.

Außerdem wartet auf sie im Garten ein Katzenhaus mit eigenem "Balkon", wie es sich für eine Prinzessin gehört. Ein Häuschen aus Karton zum Toben und Spielen hat sie auch noch. Das Ding hab ich aus einem Umzugskarton gebastelt. Fotos folgen später, sofern sie den Karton nicht gleich zerlegt.

Vor allem aber habe ich wie eine werdende Mutter Webseiten mit Vornamen, deren Herkunft und deren Bedeutung studiert. Ein Schriftstellerkollege verriet mir vor einiger Zeit, dass er für die Namen seiner Protagonisten meistens auf dem Friedhof recherchierte. Da fiel mir nur ein Name ein.

Ich war zuerst in Gedanken bei Målin, Bille, Cara, Clara, Fiametta, Mette, Ella, Stina und dann war er plötzlich wieder da, der Name: Stella. Oder sollte sie doch lieber Stina heißen?

Ganz sicher bin ich mir noch nicht, nächste Woche werde ich mehr wissen und berichten. 

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