Die meisten Reaktoren

Geringer ist die Bedeutung der Atomkraft schon für die Ukraine, Schweden mit Werten über 40 % sowie die Schweiz, Tschechien und Slowenien mit Werten über 30 %. In Deutschland besaß die Energiegewinnung mittels Atomkraft nur noch eine Bedeutung von etwa 15 %. Österreich wurde nicht gelistet, jedoch besitzt Österreich keine Atomkraftwerke, die zur Energiegewinnung dienen.

Es wird nach wie vor an Reaktoren gebaut, neuerdings auch rückgebaut. Doch zu den in Betrieb und in Bau befindlichen Anlagen kommen auch noch jene, die derzeit in Planung sind. Eine Studie aus dem Jahr 2014 rankt die Top 10 der Atom-Länder und trifft eine klare Aussage: Die meisten betriebsfähigen, im Bau und in Planung befindlichen Anlagen hat die USA, doch China ist drauf und dran, in den nächsten Jahren der Nummer 1 sehr nahe zu kommen. Denn derzeit sind ehrgeizige 106 Anlagen bereits in Betrieb, in Planung oder in Bau. Gefolgt vom atomkraftgewöhnten Russland, das mit seinen 74 Anlagenprojekten den dritten Rang belegt. Und das ist ein bedeutender Fakt, denn dies verweist das derzeit führende europäische Atom-Land Frankreich auf den vierten Platz. 2014 war Frankreich das Land mit den meisten betriebsfähigen, in Bau oder in Planung befindlichen Atomkraftwerken Europas (60 Reaktoren).

Während also die erkenntnisreichen Europäer aussteigen und in die Erneuerbaren Energien ein, setzen einige Länder Asiens immer stärker auf Atomkraft. Und da denkt man als durchschnittlicher europäischer Medienkonsument, dass der Stern der Atomkraft weltweit sinkt. Eigentlich hatte man bereits aufgeatmet, da entdeckt man, dass auch Armenien, der Iran, Südafrika, Brasilien und Rumänien Atomkraftwerke besitzen. Ein Indiz für den ungebrochenen Glauben an die Atomkraft und ihre Betreiberfirmen, die weitgehend keine nachhaltigen Entsorgungskonzepte vorweisen können, sondern ihr Uran an den Mann bringen wollen. Nicht, dass man es diesen Ländern nicht zutraut, verantwortungsvoll mit den Strahlen umzugehen, aber diese Länder haben dieselben Probleme, wie die andern auch. Wohin mit dem strahlenden Müll? Ins Meer? Wo er dann langsam abklingt und bei am Strand spielenden Kleinkindern Leukämie verursacht. Die verzweifelten Eltern werden dann die Ärzte um Hilfe anflehen, die werden machtlos sein. Man wird den Zusammenhang erkennen und sagen: Die Bevölkerung wurde nicht von den Gefahren informiert. Vermutlich stimmt das sogar. Und wenn, was könnte sie ausrichten gegen die weltweite Atomkraftlobby?

Diagramm: Betriebsfähige Atomreaktor ...

Diagramm: Betriebsfähige Atomreaktoren weltweit 2020

Atom-Müll in Europa

Erwartungsgemäß ist Frankreich nicht nur das Land mit den meisten Atomkraftwerken, sondern auch jenes mit dem meisten Atommüll . Dies besagt eine Studie der Heinrich Böll Stiftung. Die Franzosen sind für etwa 1.989 Mio. Kubikmeter Atommüll aus den derzeit in betrieb-befindlichen Reaktoren, an abgebrannten Brennelementen und auch als Abfall aus dem Rückbau.

Demgegenüber stehen die geographisch noch in Europa befindlichen Briten, die mit einem Müllaufkommen von 1.3 Mio. Kubikmeter den zweiten Platz in dieser dunkel-strahlenden Bilanz belegen. Dicht gefolgt von der Ukraine, die mit 1.175 Mio. Kubikmetern Atommüll, die sie mit ihren AKWs – gemessen an der gesamten Lebensdauer – verursachen.

 

2020 hatten die Ukraine als auch Großbritannien je 15 Reaktoren in Betrieb. Verglichen mit den 56 Anlagen, die Frankreich 2020 in Betrieb hatte, eine hohe Zahl.

Weit erfreulicher die Atom-Nutzer-Länder Deutschland (545 Mio. m³ bei 6 Atomkraftwerken). Nahezu die Hälfte davon sind Abfälle aus Rückbau. Deutschland hat sich ja dem Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft verpflichtet. Der Rest, also rund 890 Mio. m² entfielen auf die anderen atomkraft-nutzenden Länder Europas. Nicht berücksichtigt wurden die Mengen an bei medizinischen Maßnahmen anfallendem Müll. Die deutsche Bundeskanzlerin verwies vor kurzem auf die erheblichen Mengen an medizinischen Müll, der durch alle atom-medizinische Indikationen anwendende Staaten verursacht wird und der auch noch über kein Entsorgungskonzept verfügt.

Welche Endprodukte entstehen bei der Atomkraftgewinnung?

Bei der Kernspaltung werden einerseits sehr kurzlebige Abfälle frei – etwa Iod 131, Strontium-90, aber auch langlebige, wie etwa Caesium 137 oder auch Iod 129. Zu einem gewissen Prozentsatz fallen auch Aktivierungsprodukte an, dh ursprünglich nicht-radioaktive Materialien wie etwa Kobalt. Daneben wird auch der Kernbrennstoff Plutonium 239 "erbrütet". Ein Folgeprodukt ist Uran 238. Neben anderen, die durch Neutroneneinfang entstehende Elemente, wie Plutonium 241, und erbrütete Transurane, wie Neptunium 237, entstehen zum Teil auch abenteuerliche Elemente wie Americanum 214. Teilweise bleibt auch einfach Uran 238 in seiner ursprünglichen Form erhalten. Uran 246 ist ein menschengemachtes Isotop und kommt in der Natur überhaupt nicht vor.

 

Es ist auch in letzter Zeit Kritik laut geworden, einige Länder würden nicht entsorgen, sondern ihren Müll in "bewaffneten Konflikten" verschossen. So gibt es etwa Meldungen der Italiener, Spanier und Portugiesen, nach welchen besonders bei am Balkan stationierten Soldaten eine Häufung an Leukämie-Fällen zu verzeichnen war. Plutonium ist an die tausendmal giftiger als abgereichertes Uran, auch als depleted uranium (DU) bekannt. Untersuchungen in Deutschland führten zu einer hitzigen Debatte im Bundestag und einiger Verstimmung. Und dabei kennt man dieses Problem schon seit den neunziger Jahren. Denn damals wurde der Arzt Sigwart-Horst Günther auf die Gefahr von Depleted Uranium-Geschosse aufmerksam. Man diskreditierte ihn kurzer Hand, erstellte Gegengutachtungen, die in der Fachwelt höchst umstritten waren bzw. sind, weil sie nicht die biologischen Zugänge von Uran sondern anderen Elementen untersuchten. Jedoch wurde die Gefährlichkeit des Uranstaubs stets heruntergespielt. Ihr Argument: Uranwaffen sind effektiv, daher will man daran festhalten. Und dabei äußerte bereits Siegwart-Horst Günther vor rund zwanzig Jahren die Frage, ob denn der Einsatz von uranbasierten Massenvernichtungwaffen gerechtfertigt ist, wenn man ein Land bezichtigt, atomare Massenvernichtungswaffen zu besitzen?

 

 

Terror und Sabotage - häufiger als vermutet?

Ganz zu schweigen von den Terrorakten, von denen man auch kaum jemals was mitbekommt. Da nimmt es sich schon eigenartig aus, wenn man vom Kraftwerk Doel, in der Nähe von Antwerpen, hört. 2001 wurden Drohnen über dem Atomkraftwerk gesichtet. Nach Auffälligkeiten wurde die Anlage kurzfristig abgeschaltet. Dies war jedoch nicht der einzige Vorfall – es ereignete sich eine ganze Reihe davon. 2014 gelangte Doel ein weiteres Mal in den Fokus der Aufmerksamkeit als ein Ölventil einer Turbine geöffnet wurde, was wieder zu einer Abschaltung des Reaktors führte. Der Täter bleib unbekannt. Oder doch nicht? Im Oktober 2014 wurde bekannt, dass in diesem Kraftwerk ein Techniker dem IS angehörte. Eine direkte Anklage gab es nicht, es gab jedoch Hinweise auf einen Innentäter. Damit ist klar: Atomkraftwerke können nicht nur in Kriegszeiten zu einem Ziel für Sabotage- und Terrorakte werden. Im Kriegsfall jedoch sind sie primäre Angriffsziele.

Atomkraftwerk Doel. 1969 wurde mit der Konstruktion begonnen. (FOTO: ARD, Picture-alliance)Es gibt einen Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft und zwar bis 2025. Der Betreiber wollte zwei der Reaktoren bereits 2015 vom Netz nehmen, da ein Weiterbetrieb eine Investition erfordern würde und das Ende der Kernenergie wäre absehbar. Es folgte ein Gezerre um die Abschaltung, die Ihresgleichen sucht. Heuer im März erklärte der belgische Verfassungsgerichtshof wurde das Gesetz zur Laufzeitverlängerung als widrig, denn eine Umweltfolgenabschätzung wäre erforderlich gewesen.

 

Auch das zweite belgische Kraftwerk Tihange ist von Pannen geplagt. Es heißt, es wurden über Hundert Kritikalitätsstörungen nicht gemeldet worden. Alarme gibt es – etwa in Deutschland – auch, wenn man fürchtet, dass Flugzeuge dazu benutzt werden, um Atomkraftwerke zu attackieren. Dies geschah allein seit 2010 sechs Mal. Und auch im ukrainischen Saporoschje kam es zu Sabotagefällen am Rande der herrschenden Konflikte. 

Sapporoschje, das von Störfällen geplagte Werk in der Ukraine. (ntv)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 1, oben: Doel, das Kraftkwerk in Belgien. (Q: ARD)

Bild 2, unten: Das 1969 konstruierte ukrainisch Saporoschje. (Q: n-tv.de)

Abgereichertes Uran als Waffenmaterial

 

Im Bild: Uranmunition (https://kritisches-netzwerk.de)

Uran sammelt sich in Knochen. Besonders Kinder und Schwangere sind gefährdet, denn das Uran kann nicht so schnell ausgeschieden werden und so ist es zumindest mitverantwortlich für gesundheitlich beeinträchtigte Veteranen und ihren Familien.

Unklarheiten, ob die Arsenale zu oder abnehmen

2019 hielten die Atomwaffen-Staaten etwa 13.400 Atomwaffen, um im Kriegsfall gewappnet zu sein – darunter allen voran die USA und Russland, die 93 % besitzen, aber auch Pakistan, Nordkorea und Israel, aber auch Indien, UK und Frankreich. Ein kleines Kontingent besitzt sogar China. Einige davon sind sofort einsatzbereit – fast 4000, davon sind 1800 in höchster Alarmbereitschaft.

 

Die Atomwaffenbesitzerstaaten teilen sich in solche, die diese Waffen "offiziell" besitzen, und solche, die offenbar "de facto"-Atomwaffenstaaten sind. Letztere haben den Atomwaffensperrvertrag (noch) nicht unterzeichnet, dazu gehören Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea. Zu den Ländern mit Zustimmung zum Atomwaffensperrvertrag zählen Russland, die USA, Frankreich, China und UK. Dazu kommen die NATO-Stützpunkte mit den US-Atomwaffen in Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Italien und der Türkei.

 

2016 wurden von der Internationalen Atombehörden mit Sitz in Wien Aktivitäten am nordkoreanischen Atomreaktor Yongbyon wahrgenommen. Nachdem das nordkoreanische Atomwaffenprogramm für besorgte Gesichter sorgte, wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Sanktionen gegen den Machthaber Kim Jong Un verhängt. Der Reaktor war vor neun Jahren vom Netz gegangen. Im Gegenzug erhielt der weitgehend isolierte Staat humanitäre Hilfe. 2013 war mit Renovierungsarbeiten beim 5 Megawatt-Reaktor Yongbyon begonnen worden, der auch zur Anreicherung für waffenfähigem Plutonium ausgelegt ist. Diese Aktivität war dem amerikanischen Secret Service aufgefallen. Laut der Analyse der Satellitenbilder wurde die Anlage erweitert. Sanktionen wurden verhängt.

Russische Interkontinentalrakete 2015, https://deutsch.rt.com/32634/international/kalter-krieg-2-0-russland-kuendigt-reaktionen-auf-neue-us-atombomben-in-buechel-an/

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