Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Häufig kann man Sätze hören wie "Das habe ich doch gemeint", "Du hörst mir offensichtlich nicht zu", "Du verstehst nicht, was ich sage" usw.

Hinter solchen Sätzen steckt häufig die Überzeugung, dass es die Aufgabe des Empfängers einer Kommunikation ist, den vom Sender beabsichtigten Sinn zu entschlüsseln - und dass er daran gescheitert ist. Das Ganze wird dann häufig noch mit einer Kritik verbunden und fertig ist das Kommunikationsdesaster.

Ein wichtiger erster Schritt für erfolgreiche Kommunikation ist es, diesen Zusammenhang umzudrehen. Denn was ist schwieriger: den Anderen dazu zu erziehen, dass er zukünftig Ihre Gedanken lesen kann, oder so an sein Gegenüber zu kommunizieren, dass er den Sinn Ihrer Kommunikation versteht? Eben.

Anders gesagt: Das Ergebnis Ihrer Kommunikation ist die Reaktion, die Sie erhalten.

Oder etwas weniger geschraubt ausgedrückt: Es kommt darauf an, was ankommt.

Die gute Nachricht: Sie müssen kein Meister der Rhetorik werden, um Ihre Kommunikation zu verbessern. Schon kleine Verbesserungen können einen dramatischen Unterschied bedeuten.

Kommunikation - mehr als Worte

Machen Sie einmal ein kleines Experiment: schalten Sie den Fernseher ein und suchen Sie eine typische Seifenoper heraus. Dann schalten Sie den Ton ab. Jetzt achten Sie darauf, wie leicht es Ihnen fällt, große Teile der Kommunikation zu verstehen, obwohl sie nicht hören, was gesprochen wird.

Ein großer, vielleicht der größte Teil unserer Kommunikation ist wie es so schön heißt "nonverbal", also nicht gesprochen. Die Körpersprache eines Menschen verrät aber viel darüber, was er mit seiner Kommunikation ausdrücken möchte.

Experten beschreiben sogar noch eine dritte Schicht innerhalb der Kommunikation, die sogenannte paraverbale Ebene. Stellen Sie sich einfach einmal vor, dieser Absatz würde einmal von Clint Eastwood und einmal von Micky Maus vorgelesen werden. Auf dieser Ebene geht es also um Stimmlage, Lautstärke oder Sprechtempo.

Achten Sie zukünftig einfach einmal etwas mehr auf diese beiden Ebenen. Besonders bei Menschen, die sie gut kennen, werden Ihnen Veränderungen besonders leicht auffallen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um nachzufragen und Ihre Beobachtungsgabe Schritt für Schritt zu verbessern.

Wenn Sie also zum Beispiel bemerken, dass Ihr Gegenüber sehr schnell spricht, die Schultern noch oben gezogen hat und sie nur wenig Blickkontakt bekommen, fragen Sie: "Ich haben den Eindruck, Du bist gerade sehr angespannt. Ist das so?"

Fällt Ihnen auf, dass der Andere lächelnd auf einem Stuhl sitzt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt hat und vielleicht tief in den Bauch atmet, fragen Sie: "Du wirkst gerade sehr zufrieden. Woran denkst Du?"

 Mit der Zeit werden Ihnen immer früher auch schon kleine Veränderungen auffallen.

Eine Kommunikation - vier Seiten

"Schatz, die Ampel ist grün."

So haben schon viele Ehekrisen begonnen. Aber woran liegt das?

Der weltbekannte Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat in seinem Standardwerk "Miteinander reden" ein Kommunikationsmodell entwickelt, das heute als Klassiker neben Werken wie "Menschliche Kommunikation" von Paul Watzlawick oder Samy Molchos "Körpersprache" gelten kann. 

 

Dabei unterscheidet Schulz von Thun innerhalb jeder Kommunikation vier Ebenen:

  • Sache: Zahlen, Daten, Fakten
  • Beziehung: Wie stehen wir zueinander?
  • Appell: Was möchte ich von meinem Gegenüber?
  • Selbstoffenbarung: Wer bin ich?

Und hier liegt die Gefahr von Missverständnissen.

Missverständnisse

Um das obige Beispiel aufzugreifen: Der Satz "Schatz, die Ampel ist grün." kann vom Sender sehr unterschiedlich gemeint sein, je nachdem welche Absicht(en) hinter seiner Kommunikation steht.

  • Sachebene: Ich informiere Dich darüber, dass die Ampel gerade auf grün gesprungen ist.
  • Beziehungsebene: Ich möchte Dich beim Autofahren unterstützen.
  • Appelleben: Es wäre schön, wenn wir jetzt weiterfahren.
  • Selbstoffenbarungsebene: Ich bin ein unterstützender Partner. 

 

Möglicherweise kommt beim Fahrer aber eine völlig andere Botschaft an, beispielsweise hört er:

  • Sachebene: Die Ampel ist grün. (Das ist eine überflüssige Information, ich sehe das auch.)
  • Beziehungsebene: Ohne mich wärst Du beim Autofahren völlig hilflos.
  • Appelleben: Fahr endlich los, wir kommen zu spät zu meiner Mutter.
  • Selbstoffenbarungsebene: Ich bin der bessere Autofahrer.

Entsprechend unerwartet kann dann die Reaktion des Fahrers auf den Satz des Beifahrers ausfallen und von "Danke, Schatz", über "Ich bin nicht blind!!!!", "Wir haben noch mehr als genug Zeit, um zu meiner geliebten Schwiegermutter zu fahren", bis zu "Du fährst auch nicht besser als ich" reichen. 

Ein Hinweis auf die Schwiegermutter mag dann auch schon der Gong für die nächste Runde des sich anbahnenden Streits sein.

Missverständnisse ausräumen 1: Aktives Zuhören

Was also tun?

Zum einen kann man daran arbeiten, seine Fähigkeiten als Beobachter und Zuhörer zu schulen, um den Sinn hinter einer Kommunikation besser zu verstehen.

Eine gute Möglichkeit für den Anfang ist das sogenannte "Aktive Zuhören". (Diese Art der Kommunikation wird übrigens auch in der Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers erfolgreich eingesetzt.)

 

Wiederholen Sie das, was Sie glauben vom Anderen verstanden zu haben, bevor Sie antworten. Um im Beispiel zu bleiben:

"Wenn ich richtig verstehe, hast Du das Gefühl, dass wir schon zu spät dran sind, oder?"

"Du hast den Eindruck, dass ich zu wenig Fahrpraxis habe und Deine Unterstützung brauche, richtig?"

Wichtig dabei: Aktives Zuhören ist wertschätzend und ein Versuch, den Anderen besser zu verstehen. Es gibt Ihnen die Chance zu erfahren, welche Ebene(n) die Kommunikation berührt hat.

Missverständnisse ausräumen 2: Meta-Kommunikation

Damit ist gemeint, dass eine schwierige Kommunikation nicht zu einem erfolgreichen Ende kommen wird, wenn man die dahinter liegenden Gedanken, Motive, Emotionen, Wünsche etc. nicht kennt.

Solange unsere beiden Autofahrer nicht wissen, welche Seite der Nachricht dem jeweils anderen besonders wichtig ist, werden sie im Nebel herumfahren - und möglicherweise den einen oder anderen Baum ansteuern.

Meta-Kommunikation stellt die Frage: Worum geht es Dir gerade wirklich?

Auch hier ist es wichtig, eine wertschätzende Haltung einzunehmen. Es geht um den Wunsch, das Gegenüber besser zu verstehen.

Im Beispiel:

"Danke, ich habe gesehen, dass die Ampel grün ist. Aber ich habe den Eindruck, Dir geht es gerade um etwas Anderes, oder?"

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Hier noch einmal die drei Tipps zur erfolgreichen Kommunikation:

  1. Beobachten Sie die nonverbale und paraverbale Ebene von Kommunikation.
  2. Achten Sie auf die vier Seiten der Kommunikation
  3. Üben Sie sich in aktivem Zuhören und wenden Sie Meta-Kommunikation an.

Fällt Ihnen übrigens auf, dass diese Tipps Ihnen vor der Lektüre dieses Artikels wie völliges Fachchinesisch erschienen wären? Sie haben in kürzester Zeit eine Menge gelernt!

Wie in den meisten anderen Dingen des Lebens gilt aber auch hinsichtlich erfolgreicher Kommunikation: Übung macht den Meister. 

Die Tipps klingen einfach. Es ist aber gerade zu Beginn alles andere als trivial, eine wertschätzende Haltung einzunehmen, wenn man in seinen Gedanken schon den verbalen Gegenschlag auf eine als Kritik empfundene Kommunikation vorbereitet.

Und natürlich sind wir gelegentlich mit Kommunikation konfrontiert, die wirklich respektlos, aggressiv, abwertend usw. gemeint ist. In solchen Situationen müssen wir natürlich zu erst auf uns selbst achten, bevor wir uns mit dem Gegenüber beschäftigen. Dann kann ein wenig rhetorische Schlagfertigkeit nicht schaden.

Viel Spaß und Erfolg bei Ihrem "Abenteuer Kommunikation"!

Zum guten Schluss

Falls Sie sich noch drei Minuten nehmen können, empfehle ich Ihnen einen Blick in das folgende Video von Loriot. Achten Sie besonders auf Appellebene... 

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