Was ist Lichtverschmutzung?

Unter Lichtverschmutzung versteht man eine besondere Form der Umweltverschmutzung. Es handelt sich um die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen. In der Folge wird es nicht mehr richtig dunkel. Verursacht wird dies vor allem durch unsere Großstädte und Industrien. Straßenlaternen, beleuchtete Gebäude, Flutlichter, Leuchtreklamen und auch Skybeamer bilden über dicht besiedelten Gegenden sog. Lichtglocken, die nicht nur die Astronomen bei der Sternbeobachtung stören, sondern auch gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier bergen.

Lichtglocke über Jena

Forschung gerade erst am Anfang:

Da die Lichtverschmutzung immer mehr im Vormarsch ist, man geht von einem Zuwachs von ca. 6% jährlich aus, wird es dringend notwendig, die Auswirkungen und auch Problemlösungen zu erforschen. Dazu haben sich Wissenschaftler aus 7 verschiedenen Instituten in Deutschland zu dem Projekt "Verlust der Nacht" zusammengeschlossen, um die Auswirkungen in den verschiedensten Bereichen zusammenzutragen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit ca. drei Millionen Euro gefördert und bringt erschreckende Erkenntnisse ans Licht.

Die Folgen der Lichtverschmutzung:

1. Störung des chronobiologischen Rhythmus bei Mensch und Tier:

  • Sowohl Mensch als auch Tier werden von der inneren Uhr gesteuert. Jedes Organ, der gesamte Stoffwechsel und jede Zelle ist darauf  programmiert. Unser Taktgeber dabei ist die Sonne. Wissenschaftler konnten feststellen, dass sich die innere Uhr bei Menschen in Deutschland von der Ostgrenze zur Westgrenze um 36 Minuten verschiebt. Das entspricht 4 Minuten pro Längengrad und ist genau die Zeit, die die Sonne braucht, um aufzugehen. In unserem modernen Leben mit diversen künstlichen Lichtquellen, verschwimmen die Grenzen von Tag und Nacht immer mehr. Zudem halten wir uns tagsüber viel in Räumen auf, die meist dunkler sind, als sogar ein bewölkter Himmel draußen. Nachts sind unsere Räume dafür hell erleuchtet, Computer und Fernseher verschärfen die Situation noch mehr. Anstatt taghell und nachtdunkel, leben wir fast ständig in einem Zwischending, einem dämmerlichtähnlichen Zustand. Unser Zeitgeber wird immer schwächer, was zu Einschlafproblemen und Schlafstörungen führen kann. Unser Rhythmus kommt aus dem Takt. Ein gesunder Schlaf ist jedoch wiederum wichtig für die ganzen Reparaturprozesse im Körper. Über längere Zeit können sich so ernsthafte Krankheiten einstellen. Beim Menschen wird vermutet, dass die Lichtverschmutzung den kompletten Hormonhaushalt durcheinanderbringt und die Gefahr von Brustkrebs erhöhen kann. Auch ein verfrühtes Einsetzen der Pubertät könnte durch den Mangel an Dunkelheit erklärt werden.
  • Die Folgen der Lichtverschmutzung auf unsere Vögel wurden mit Hilfe von Amseln erforscht. Es wurden Amseln aus der Stadt und vom Land gefangen und mit Lichtsensoren und Peilsendern bestückt. Nach einigen Wochen wurden die Geräte wieder entfernt und ausgewertet. Das Ergebnis: Sowohl der Tag/Nacht Rhythmus als auch der Jahresrhythmus ändert sich bei den Tieren und bringt diese aus dem biologischen Gleichgewicht. In der Stadt singen die Vögel eine Stunde früher, werden einen Monat früher geschlechtsreif und schütten früher Testosteron aus.
  • Am Beispiel der Flussbarsche wurde bei einer Versuchsanordnung im Labor beobachtet, dass sich unterschiedliches Licht auf die Melatoninausschüttung auswirkt. Es gab drei unterschiedliche Gruppen von Fischen: Die erste Gruppe hatte es nachts immer dunkel, die zweite wurde mit rotem Licht bestrahlt, wie es morgens und abends draußen vorherrscht und die dritte Gruppe wurde mit blauem Licht bestrahlt, welches dem der Mittagszeit entspricht. Durch Wasseranalysen konnte festgestellt werden, dass die Melatoninausschüttung durch das blaue Licht gehemmt wurde. Melatonin ist auch für uns besonders wichtig für einen erholsamen Schlaf und wirkt zudem als Taktgeber des circadianen Rhythmus: Bei Tag wird die Ausschüttung gehemmt, man ist fit, bei Nacht steigt die Produktion von Melatonin an, man wird müde und schläft. Zu beachten ist, dass der Blauanteil in der Umgebung immer größer wird!

2. Gefahr für Pflanzen und Tiere

  • Zur Gefahr wird die Lichtverschmutzung vor allem für einige Tiere. Zugvögel z. B. benutzen zur Navigation die Sterne. Durch beleuchtete Wolkenkratzer werden diese irritiert. Sie verlieren die Orientierung. Pro Jahr sollen so in den USA bis zu 1 Million Zugvögel ihr Leben lassen.
  • Leuchtende Straßenlaternen locken vor allem Nachtfalter und andere nachtaktive Insekten an. Warum das so ist, weiß man noch nicht so genau. Scheinbar verwechseln sie die Lichtquelle mit dem Mond. Fakt ist jedoch, dass die Insekten bis zur Erschöpfung um die Laternen kreisen, von Fledermäusen verspeist oder von der Lampe gebraten werden. Pro Straßenlaterne und Nacht lassen ca. 150 Insekten ihr Leben. Das sind in Deutschland ca. 1 Milliarde Insekten pro Nacht. Da hauptsächlich Nachtschwärmer betroffen sind, wird das ökologische System auf Dauer aus dem Gleichgewicht gebracht.
  • Bei Pflanzen und Bäumen kann Lichtverschmutzung zu einem verschobenen Wachstumszyklus und Wachstumsstörungen führen. In der Nähe von Straßenlaternen verlieren Bäume z. B. oft verspätet ihre Blätter, was zu Frostschäden führen kann.

3. Astronomen werden stark eingeschränkt

Die zunehmende Lichtverschmutzung hat zur Folge, dass viele Sternwarte, die sich in größeren Städten befinden, auswandern müssen. Während früher noch rund 2500 Sterne zu sehen waren, sinkt die Zahl der Sterne heute auf 200 - 500 Stück. Vielerorts weiß man gar nicht mehr, wie die Milchstraße eigentlich aussieht, da sie schlichtweg am Himmel nicht mehr erkennbar ist. Ganze Sternenbilder sind nicht mehr auffindbar.

Die Milchstraße

Die Bortle Skala:

Um den Grad der Lichtverschmutzung bestimmen zu können, wurde 2001 die Bortle Skala, benannt nach John E. Bortle, eingeführt. Die Einteilung erfolgt in 9 Klassen:

Bortle 1: Ort mit außergewöhnlich dunklem Himmel

Bortle 2: Ort mit wirklich dunklem Himmel

Bortle 3: Landhimmel

Bortle 4: Übergang von ländlichen zu vorstädtischen Regionen

Bortle 5: Vorstadthimmel

Bortle 6: heller Vorstadthimmel

Bortle 7: Übergang vom Vorstadthimmel zum Stadthimmel

Bortle 8: Stadthimmel

Bortle 9: Innerstädtischer Himmel

Wie kann man die Lichtverschmutzung reduzieren?

Das Gute an der Sache ist, dass es gut möglich ist, die Lichtverschmutzung einzudämmen. Das Problem ist wohl eher, dass es noch nicht in das Bewusstsein der Bevölkerung, Städte und Gemeinden gedrungen ist. Dabei läßt sich durch gezielte Maßnahmen auch viel Energie sparen. Die wichtigsten Grundsätze in diesem Zusammenhang wären:

Licht sollte nicht über die Horizontale hinaus strahlen und Licht als bloses Gestaltungselement sollte vermieden werden!

Folgende Fragen gelten bei der Einrichtung einer Beleuchtung als besonders wichtig:

  • Ist eine Beleuchtung hier notwendig?
  • Ist wirklich nur das gewünschte Objekt beleuchtet, oder kann man noch mehr Abschirmen?
  • Wird von oben nach unten bestrahlt? (nicht über die Horizontale)
  • Welches Licht, welcher Art und in welcher Stärke ist erforderlich?
  • Wie lange und wann muss das Licht brennen?

Besonders gefragt sind hier natürlich Gemeinden, aber auch jede Privatperson kann durch einen verantwortlichen Umgang mit Licht für weniger Lichtverschmutzung beitragen.

auch notwendig?
Schön, aber ...

(Bild: Pixabay.com)

Wer hilft?

Unterstützung kann man sich von Nachtschutzorganisationen holen. In Deutschland ist hier z.B. die Dark Sky Vereinigung der Sternfreunde e.V. Ansprechpartner auch für Behörden. Die Initiative klärt auf, gibt Informationen über moderne Lichttechniken und setzt sich für das Verbot von z.B. Lichtbeamern ein.

Wie können wir bei der Erforschung mithelfen?

Mit der kostenlosen "Verlust der Nacht App" können nun Smartphonebenutzer bei der Erforschung der Himmelshelligkeit mithelfen. Die App für Android frägt die Sichtbarkeit bestimmter Sterne ab. Damit können die Wissenschaftler herausfinden, wie hell der Himmel an dem entsprechenden Ort ist und wie viele Sterne gesehen werden können. Weitere Informationen finden Sie hier: Verlust der Nacht App.

Die dunkelsten Orte in Deutschland

Mehrere besonders dunkle Orte in Deutschland wurden vorgeschlagen, um als Lichtschutzgebiete, sog. Sternenparks, ausgewiesen zu werden. Beworben haben sich dafür der Sternenpark Schwäbische Alb, der Naturpark Westhavelland, die Sternwarte in Sankt Andreasberg im Nationalpark Harz und der Nationalpark Eifel. Sie warten derzeit auf die Bestätigung durch die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN). Weltweit gibt es um die 50 anerkannten Sternparks.

Mir geht langsam ein Licht auf!

Bisher habe ich mich immer über die dürftige Beleuchtung bei uns im Dorf aufgeregt. Angesichts der beschriebenen Probleme, die zu viel Licht jedoch bereiten können, bin ich nun fast froh, dass wir hier doch noch schätzungsweise mindestens einen Vorstadthimmel zu Gesicht bekommen und auch einige Sternbilder finden können. Bei genauem Hinsehen sind sogar die Straßenlaternen auf den Boden gerichtet, somit die Streuung nach oben also sehr gering - und die Kirchenbeleuchtung wird noch vor Mitternacht abgeschalten. Ein guter Schritt in die richtige Richtung.

SusanneEdele, am 27.10.2013
10 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
Gojibeeren ("Superfoods" und ihre Alternativen aus heimischem Anbau)

Laden ...
Fehler!