Intro

Zur Zeit des Wirtschaftswunders im Europa der späten 50er und 60er Jahre, entfaltete sich eine reiche Konsumwelt, die aus Wünschen, Begierden und Angebot und Nachfrage bestand. In den Jahren entstanden zahlreiche Filme zum Thema Prostitution und brachten so das Phänomen auf die Kinoleinwand. Denn, es war ansonsten ein an den Rand gedrängtes Gebiet in diesen Jahren: "Verwunderl ich ist, dass in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs eine an den gesellschaftlichen Rand gedrängte Berufsgruppe in filmen "dokumentiert" wird. Der Zeitraum 1958 – 1968 entspricht den so genannten "langen Fünfziger Jahren", also einer Zeit, in der die Folgen des enormen Wirtschaftswachstums der Nachkriegszeit sowie die sozialen Umstrukturierungen bereits für die breite Bevölkerung greifbar wurden."

Die sexuelle Revolution

 

1960 wurde die Antibabypille auf den Markt gebracht und gelangte in der Folge nach Großbritannien und Deutschland. Begleitet wurde sie von Warnungen der Moralisten und des Papstes. Getragen wurde die Sexuelle Revolution allerdings von dem unter "Studentenbewegung" subsumierten Begriff, der eine Reihe von Protesten umfasste wie auch im Jahr 1968 gipfelte und als Generationserfahrung in der Gesellschaft verankert wurde. "Diese Ereignisse legten den Grundstein für viele Arten eines sozialen Radikalismus und öffentliche Anliegen, für den Feminismus und die Umweltbewegung genauso wie für den Internationalismus, die Sozialdemokratie und ganz allgemein für gesellschaftliche Reformen", schreibt die Autorin in ihrer Arbeit.

 

 

Filme

 

Schon vor dem Jahr 1950 gab es eine Reihe von filmischen Werken zum Thema Prostitution. Es wird schon in der Stummfilmzeit aufgegriffen und widmet sich der "gefallenen Frau", einer aus unglücklichen Fügungen aus "ihrem sicheren Umfeld gerissen wird", und sich aus Not heraus in die Prostitution begibt. Die "gute Frau" wird zur "schlechten", aus Überlebensinstinkt. Die Autorin nenn dies, eine Feministin zitierend, das "Good-Bad-Woman-Syndrom. Ein Grundelement der "Prostituiertenfilme", die meist schulmeisterlichen Charakter verfügen.

 

Heranwachsende Kinder und Jugendliche sind praktisch mit der Aufgabe versehen, emotionale Bindung zur Mutter zu entwickeln. Das männliche Kind muss, demnach, die sexuellen von anderen Gefühlen trennen. Doch das Resultat dieser Entwicklung ist, das Männer "unfähig sind, für ein und dasselbe Objekt sexuelles Begehren und Zuneigung zu empfinden". Seine Ehefrau und Mutter seiner Kinder bringt er Achtung und Liebe entgegen, doch aufgrund ihrer Mutterschaft symbolisieren sie ihre Mütter. Sie werden zwar als "gut" empfunden, doch sexuelle Erfüllung scheinen sie nicht mehr zu bieten. So etwa lautet die Aussage der Diplomandin, eine Schrift aus dem Jahr 1976 zitierend. Im Film entwickelt sich die Heldin in ein Unikat, dem man in der wirklichen Welt "scheinbar nicht begegnen kann: ein Good-Bad-Girl. Ein anderes Phänomen, das mit dem Thema "gefallene Frau" assoziiert wird, ist "White Slave" - ein Phänomen, das auf den Sklavenhandel und Frauenraub im 19. Jahrhundert zurückgeht. Allerdings wurden diese Filme vom National Board of Review 1916 beendet weil sie das Patriarchat in seiner Ausformung zeigten.

 

1983 hat sich ein Autor die Mühe gemacht, alle Filme (bis dahin), die von Prostitution handeln, zu zählen: Er kam auf 14.000. Ein anderer erkannte, dass sich "Traumvorstellungen der Männer und Albträume gleichermaßen" finden. Darunter der Typ der "Rächerin", die sich für Unterdrückung revanchiert und die "Sirene", die die Angst der Männer ihre wahre Identität und die Kontrolle an die Frau zu verlieren symbolisiert. Als das Thema der "Gefallenen Frau" als Schreckgespenst der Frauenerziehung nicht mehr glaubhaft realisieren ließ, traten neue Archetypen an ihre Stelle: "Fröhliche Nutte" als Typ der emanzipierten Frau, deren "einzige Aufgabe es ist, die Männer glücklich zu machen", oder "Baby Doll", der Typ, der inzestuöse Interessen anspricht.

Fazit

Ein ehrgeiziges Projekt, das sich - subjektiv gesehen - einer ganzen Reihe an Filmen widmet. Es wird auf die Filme eingegangen, wobei nicht alle Aspekte erfasst werden - und ich noch mit der Überlegung kämpfe, ob man einen Film auch "zerlesen" kann. An sich gefällt mir die Arbeit sehr gut und befreit auch von dem Gedanken, dass es diese "Sexwellen", wie sie aus den 1970er Jahren zu über uns schwappten, immerzu erleben müsste, wie es manche versuchen. (Es liegt also nicht an deren Älterwerden, sondern an der Abwesenheit anderer Faktoren.) Diese Arbeit befreit und ist lesenswert, wenn auch sie anregt, weiterzudenken.

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