Das Korruptionsmuseum - eine ehemalige Präsidentenresidenz

In der Ukraine regierte einst ein Präsident, für den man ein Grundstück in der Größe von 140 Hektar fand. Das mit einem Zoo, einer Garage mit einer Sammlung Luxusautos und -motorräder und eine eigene Tankstelle verfügte! Wem das noch nicht genug ist, dem wird sicher der Pferdeclub zusagen oder der Frisörsalon, über den das Haus verfügt. Wer nun meint, dieser, den weltlichen Gütern und dem Materialismus zugewandte Herr hätte nichts für die Geistlichkeit übrig gehabt, irrt: Es gibt sogar eine kleine Kirche. (Kein Wunder: "The estate was founded as a monastery that functioned off-and-on until closed in 1923 by the Bolsheviks following the establishment of the Soviet Union ..." Wikipedia zu "Mezhyhirya".)

 

Impressionen:

https://depositphotos.com/61192189/stock-photo-mezhyhirya-residence-interior-ukraine.html

 

Ja, nun, was sich so irritierend anhört, ist in der Ukraine alles andere als alltäglich. Sobald man also in einigen Kreisen davon Wind bekam, was hinter dem fünf Meter hohen Zaun stattfand, war es auch schon vorbei mit der privaten Welt des "Ersten Mannes im Staate", der sich diese Reichtümer gönnte, ohne sein Volk daran teilhaben zu lassen. Er wurde – teils aus dem Staat gejagt, teils – abgedankt, denn die kritischen Stimmen wurden tatsächlich gehört, die bisher nur für stille Verunstimmung sorgten. Der Präsident plante seinen Weg über den Dnjpr, benutzte dann aber doch einen Helikopter. Die Residenz allerdings, die mit antiken Säulen im Garten, mit Marmor, Holz, Kristall und Gold im Innenraum geschmückt wurde, war im Volk unter "Donezker Chic" genannt und an die Oligarchie angelehnt, wie die Welt in einem Artikel von Inga Pylypchuk (Welt.de, 2014) verrät.

 

BathroomDer Hauptvorwurf galt, die als "Protz-Tempel" bezeichnete Anlage war einzig und allein für ihn. Die Stimme lautete, er rückte sich mit der Umsetzung in die Nähe von den Heimstätten der Diktatoren, die ihn einen Hauch des Bösen verliehen. Vor allem, weil die Umsetzung der Villenanlage aus schmutzigen Quellen stammt. Nun ist es ein Museum – zugänglich für die Bevölkerung, die sich nun die goldenen Türklinken "in die Hand" geben kann.

 

Weiterführende Information

Ukraine: Der Palast des Ex-Präsidenten ist Europas skurrilstes Museum - WELT

Ukraine auf Korruptionsindex: "Korruption auf fast jeder Ebene" | tagesschau.de

"Holodomor" Museum und Denkmäler

 In Kiew - inzwischen ist es eine Sehenswürdigkeit - befindet sich ein "Holodomor Museum", das an den "Holodomor" der Jahre 1932/33. Der Begriff "Holodomor" bedeutet etwa "Tod durch Hunger", was als Strategie der Sowjetführung angesehen wurde, eine Bevölkerung gefügig zu machen. Der Schrecken ist unfassbar: Es starben innerhalb dieser Phase Millionen von Menschen in der Ukraine durch geplante Maßnahmen. Dies aber gerade wird bestritten, denn diese Darstellung würde den "Holodomor" als Völkermord deklarieren. Dem widerspricht das Programm, das am 10. Parteitag der KpdSU (1921) vorgegeben wurde und sich klar dafür aussprach "den Bauern ein wenig hungern zu lassen". Und dies sollte wiederum der Industrie zugute kommen. Diese Maßnahmen wurden am Parteitag 1927 verstärkt, weil die Industrie profitierte. Es wurde also ein Plan für fünf Jahre festgelegt – die Phase endete 1932. Allerdings waren mit den beiden Missernten und der "Naturalstrafen-Verstärkung", sowie die Führung von "Schwarzen Listen" praktisch die Bedingungen für eine Hungersnot gegeben, die einerseits die Landbevölkerung in Bedrängnis brachte und andererseits die Rüstungsindustrie förderte.

 

Nach dem Fall der Sowjetunion begann eine Phase der Aufarbeitung, die in der Folge zur Errichtung von Denkmälern führte, die an den Genozid erinnern sollten. Während die Ukraine sich bereits seit 1991 bemüht, den "Holodomor" international als Völkermord anerkannt zu sehen, wird dieses Bemühen von anderen Seiten torpediert. Zwar wurden in verschiedenen Gegenden "Holodomor"-Denkmäler errichtet, doch wurden sie – wie zuletzt im Zuge des Ukraine-Krieges durch russische Truppen wieder geschliffen. Dies geschah in Mariupol, wie n-tv.de in einem News-Ticker vom 20.10.22 um 10:53 Uhr berichtet.

 

Weiterführende Information

Holodomor - Wikipedia

Denkmal für die Opfer des Hungersnots (Holodomor ) (ukrainatour.com) 

Autor seit 2 Jahren
122 Seiten
Laden ...
Fehler!