Faschingsmasken: Vom Kultischen zum Spaß

Wer sich eine Maske aufsetzt, egal ob an Fasching, Halloween oder zu jedem anderen Anlass, vollzieht unwillkürlich einen Rollentausch und gibt zu einem großen Teil – zumindest zeitweise – sein eigenes Ich auf, um sich in eine fremde Person oder fremde Gestalt zu verwandeln. Doch neben der Verwandlung kommt noch ein weiterer (im wörtlichen Sinne) Gesichtspunkt hinzu, schließlich wird man nicht nur ein anderer, sondern erlangt durch das Verbergen der eigenen Identität ein gewisses Maß an Anonymität. In welchem Umfang dies geschieht hängt natürlich vom Grad der Kostümierung ab, wobei Masken im Besonderen zur Anonymität beitragen.

Dies fasziniert und ängstigt zugleich. In Zeiten wo es häufig um »Partymachen« geht, kann die Maskierung den eher zweifelhaften Nebeneffekt haben, dass der Maskierte nicht nur ein großes Stück an Hemmungen verliert, die er im Alltag besitzt, sondern die Hemmungslosigkeit und das Brechen von gesellschaftlichen Konventionen geradezu auslebt. Doch solange sich alles in einem Rahmen abspielt, der wiederum den »allgemeinen unausgesprochenen Karnevalskonventionen« entspricht, kann die Anonymität auch ganz einfach Spaß machen.

Aber Masken dienten keinesfalls immer nur dem reinen Vergnügen und haben, wie so vieles, ihren Ursprung im kultischen Bereich. Von Darstellungen und Beschreibungen weiß man, dass Masken schon in frühen Kulturen der Menschheit eine Verbindung zwischen Menschen und Göttern oder auch Verstorbenen herstellen sollten oder aber gegen böse Gestalten und Mächte eingesetzt wurden. I

nteressant ist die Tatsache, dass Masken in ganz verschiedenen Regionen und Kulturen und zu ganz verschiedenen Zeiten eine wichtige Rolle in Kult und Religion gespielt haben. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus weitere Traditionen wie etwa das Tragen von geschnitzten Narren Masken (Larven), beispielsweise in der Basler Fasnacht oder der Alemannischen Fasnet. Auch das Theater machte sich das Darstellen verschiedener Charaktere durch Masken zu Eigen. Vermutlich stammt der Begriff »Maske« vom italienischen »maschera«, das, so die Annahme vieler Sprachforscher, möglicherweise wiederum von »mashara« abstammt, was im Arabischen soviel wie verspotten oder Possen reißen bedeutet und so in direkten Zusammenhang mit den Narren, die zur Unterhaltung und Belustigung da waren, steht.

Rollentausch durch Faschingssmasken

Mit Maske durch die fünfte Jahreszeit

Mancher mag sich unglaublich bescheuert vorkommen, wenn er sich zwangsweise maskieren muss, etwa bei einer »angeordneten« Verkleidungspflicht am Rosenmontag im Büro, in der Schule oder im Verein. Doch sobald man ins »echte« Faschingsgeschehen eingreift, kann man teilweise ganz froh über eine Maske sein, um nicht gleich überall als Herr X und Frau Y erkannt zu werden. Doch weshalb verkleiden wir uns eigentlich so gerne an Fasching? Gründe hierfür gibt es garantiert genügend und bei jedem sieht die Motivation sicherlich ein wenig anders aus. Doch ein Grundgedanke ist vermutlich bei jedem Maskenträger vorhanden – das Spiel.

Kinder schlüpfen in alle möglichen Rollen und dürfen dies selbstverständlich auch. Ebenso Schauspieler, deren Beruf es schließlich ist, jemanden anderen darzustellen. Doch was macht der Erwachsene, der seinen Alltag ganz bieder als braver Bürger zu meistern hat und höchstens im Beruf Freundlichkeit, Kompetenz oder Interesse »vorspielt«? Nun gut, einige suchen das Rollenspiel in gewissen Etablissements über die uns die Privatsender in zahlreichen Fernseh-Magazinen ausführlich in Kenntnis setzen, aber ansonsten bleiben einem eigentlich nur die wenigen Tage im Jahr, an denen man mit Maske und Faschingskostüm in die Rolle eines anderen schlüpfen kann. Genauso, wie all die anderen um einen herum.

Es spiel keine Rolle …

… in welche Rolle man schlüpft

Genauso unterschiedlich wie die Menschen im Alltag sind, sind sie auch bei den Vorlieben für das Faschingskostüm. Tendenziell kann man wohl annehmen, dass man gerne in die Rolle schlüpft, die der eigenen Person oder zumindest deren Anschein nach außen möglichst unähnlich ist. Allerdings lässt sich auch das nicht verallgemeinern, auch ein Wunschdenken lässt sich sicherlich beim Einen oder anderen feststellen.

Manch einer, der sich im wahren Leben für unwiderstehlich hält, wird dies in seiner Kostümierung eventuell noch ein wenig überhöhen und wer sich als Discoqueen fühlt, wird vielleicht auch dies an Fasching nochmals unterstreichen. Mit einer Maske und einem Kostüm hat man aber nicht nur die Möglichkeit sich äußerlich anders darzustellen sondern tatsächlich auch eine andere Rolle zu übernehmen und sich auszuprobieren in Dingen, die man sich im Alltag nicht trauen würde. Das naheliegende Beispiel ist natürlich das Flirten. Und solange alles im Rahmen bleibt und die Anonymität nicht missbraucht wird, ist dies ja durchaus auch als Chance zu sehen. Wie heißt es so schön? Übung macht den Meister! Und warum nicht hinter einer Faschingsmaske üben?

Ob sich allerdings jede Maske zum Flirten eignet sei dahingestellt und ob nun jeder auf Rotkäppchen steht und jede auf Frankenstein kann man ja einfach mal selbst an Karneval ausprobieren. Wie dem auch sei, möglicherweise seit Halloween auch hierzulande an Bedeutung gewinnt, sieht man an Fasching vermehrt gruselige, schaurige und besonders hässliche Masken, die sich teilweise an Figuren aus Horrorfilmen anlehnen. Bei genauer Betrachtung findet man jedoch ebenso in der traditionellen Fasnacht schaurige Masken und Fratzen, die dazu dienten das Böse zu vertreiben und den Umstehenden bei Umzügen ein wenig Angst zu machen.

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