Ein Größenverhältnis der besonderen Art


Was Fotografen an Makroaufnahmen fasziniert, ist die Arbeit im Millimeterbereich und all die kleinen unentdeckten Details, die erst auf dem Foto sichtbar werden.
Um das Größenverhältnis von Kleinstlebewesen besser darzustellen, habe ich hinter der Schnecke einige Himmbeeren platziert.

Die Schönheit der Blüten im Detail
Kleine Sauerkleeblüten nach dem ...

Kleine Sauerkleeblüten nach dem Regen. Durchmesser Blütenkelch: 1 cm (Bild: Sabine Heppert)

Die Farben von Sauerkleeblüten haben es in sich. Sie leuchten in knallig gelb, rosa, rot bis purpurfarben aus den Kleebüscheln. Ihr Kelch misst ca. 1 cm im Durchmesser. Die fünf winzigen Blütenstempel in ihrer Mitte sind in natura kaum noch zu sehen, auf dem Makrofoto erkennen wir diese in orange.

Pollenstaub auf Blütenstempel
Die schöne Feuerlilie in voller Blüte

Die schöne Feuerlilie in voller Blüte (Bild: Sabine Heppert)

Erst auf dem Foto waren die leuchtend gelben Blütenpollen zu erkennen. Sie liegen locker auf den ca. 1,5 cm langen Blütenstempeln, zerstäuben bei jeglicher Berührung sofort und hinterlassen dabei hartnäckige Farbschlieren. Der Durchmesser einer einzigen Polle liegt im Mikrobereich und beträgt ca. 0,1 mm.

Kleine Wiesenbewohner ganz groß
Der Seidige Rohrkäfer ist nur 0,7 - ...

Der Seidige Rohrkäfer ist nur 0,7 - 0,9 cm lang (Bild: Sabine Heppert)

Der Seidige Rohrkäfer "Plateumaris sericea" mit einer Länge von ca. 0,7 - 0,9 cm gehört zu den Blattkäferarten. Es gibt braun-, blau-, rot-, grün- und violettschimmernde Exemplare. Sein Erkennungsmerkmal ist die linienförmige Punktierung auf den Flügeln.

Die besten und die schlechtesten Fotozeiten

Die beste Zeit für Makrofotografien im Freien ist der frühe Morgen. Die Insekten befinden sich noch in der Ruhephase (optimal für ein Fotoshooting mit ihnen).

Fotografieren bei Wind und Wetter?
In den Morgenstunden ist es noch relativ windstill. Wind verdirbt einem die schönsten Momentaufnahmen in der Makrofotografie. Das Foto wird selbst bei extrem kurzer Verschlusszeit unscharf. Der Weichkäfer auf der lila Blüte wäre ein tolles Motiv, doch es wehte bereits ein kaum merklicher Wind um 7:20 Uhr in der Frühe ...

Gemeiner Weichkäfer am milden, sonnigen Morgen (Bild: Sabine Heppert)

 

Bei Regen und Kälte sitzen die Insekten zusammengekauert auf Gräsern und Blüten. Ihr Anblick ist dann eher mitleidserregend. Morgentau hingegen macht ihnen nichts aus, er bringt bei Makroaufnahmen sogar zusätzliche, interessante Details mit aufs Bild. 

 

"Klicke mich ruhig an ... Bei 8 Grad im Regen bin ich aber nicht gerade fotogen ..." (Bild: Gemeiner Weichkäfer, fotografiert: Sabine Heppert)

Gelbe Halmfliege mit Morgentau, ca. 4 mm lang (Bild: Sabine Heppert)

Flugpausen für gute Momentaufnahmen

Fliegende, saugende Kleinstlebewesen zu fotografieren ist eine Herausforderung, denn sie verweilen nie lange ruhig auf Gräsern oder Blüten. Bienen und Schmetterlinge sitzen nur während der Nektaraufnahme still, hier hat man gute Chancen, ein scharfes Foto zu bekommen.

Der schöne Schwalbenschwanz liebt ...

Der schöne Schwalbenschwanz liebt Blütennektar (Bild: Irene Lehmann)

Bienen bewegen sich flink und lassen sich ziemlich schwer aufnehmen. (Bild: Sabine Heppert)

Der Gemeiner Weichkäfer ist ein zahlreich vertretener Wiesenbewohner (Bild unten). Er ergreift gerne die Flucht, wenn man ihm zu nahe kommt. Ich war nur noch einige Zentimeter von ihm entfernt, als er leicht irritiert in die Kamera blickte und dann schnell im Gras verschwand. Dieser kurze Moment jedoch reichte aus, ihn zu fotografieren:

Gemeiner Weichkäfer Cantharis ...

Gemeiner Weichkäfer Cantharis fusca: 1,1 - 1,5 cm lang (Bild: Sabine Heppert)

Lieblingsplätze von Kleinstlebewesen

Wer an Makroaufnahmen von Insekten interessiert ist, sollte nicht nur Blumenwiesen für seine Fotos auswählen. Auf verschlungenen Wegen ins Unterholz, aber auch in der Nähe von Feuchtbiotopen hat man die besten Chancen, seltene Insekten anzutreffen. Die Aufnahmen sind aufgrund ihrer Detailgenauigkeit oftmals verblüffend, denn sie zeigen uns die Augen, Fühler, Behaarungen und sogar Muster auf den Körpern von Kleinstlebewesen, die wir mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmen konnten.

Kleine Waldbewohner ganz groß
Rotköpfiger Feuerkäfer

Rotköpfiger Feuerkäfer (Bild: Sabine Heppert)

Der Rotköpfige Feuerkäfer mit seiner Länge von nur 1 bis 1,4 cm ist im Gegensatz zu seinen Artgenossen, den Scharlachroten Feuerkäfern, in unseren Wäldern relativ selten anzutreffen. Mit etwas Glück entdeckt man ihn auf dem Laub sitzend, gut geschützt im Unterholz. Er war im Gegensatz zu anderen Käfern nicht sehr scheu und schaute für eine Sekunde sogar in meine Kamera. Ansonsten lief er hin und her, so dass es eine große Herausforderung war, ihn vor seinem Absprung vom Blatt halbwegs scharf zu fotografieren.

Unterwegs auf Waldpfaden ...

Neben vielen Kleinstlebewesen gibt es noch mehr in unseren Wäldern zu entdecken. Wo man sonst achtlos vorbei läuft, gesellen sich oft merkwürdig aussehende Pflanzen und Pilze. Diese sehr schlanken, ca. 3 - 5 cm kleinen Gewächse auf dem Foto rechts unten entdeckte ich auf totem Holz. Ein Fotofreund erklärte mir, dass es sich um "Langstielige Ahorn-Holzkeulen" handelt. Wie der Name schon verrät, wächst er gerne auf Ahornhölzern.

Langstielige Ahorn-Holzkeulen, ca. 3 - 5 cm hoch (Bild: Sabine Heppert)

Nutzloser Pils?
Der Pilz an sich ist nutzlos und eignet sich auch nicht als Speisepilz. Interessant jedoch ist, dass das befallene Holz vom Berg-Ahorn im Instrumentenbau verwendet wird. Durch die Pilzwucherung soll der Klang des späteren Instrumentes einer Stradivari-Geige ähneln (nachzulesen bei wikipedia).

 

 

Was zeichnet ein Makroobjektiv noch aus?

Mit einem Makrobojektiv kann man im Gegensatz zu anderen Objektiven kleinste Objekte wunderbar freistellen und den Schärfeverlauf des Bildes optimal gestalten. Er ist das A und O auf jedem Foto, denn es steuert seine Aussagekraft. Die Schärfe lässt sich mit der Größe der Blendenzahl individuell einstellen. Die kleinste Blendenzahl bringt wesentlich mehr Licht auf das entstehende Bild, alles andere um den Fokus herum wird dann unscharf. Diese Unschärfe (wie auf dem Blütenfoto links unten) ist ein sehr gewünschter Effekt, um den Betrachter auf das Wesentliche zu lenken. 

Kleine oder große Blendenzahl und wie sie ein Foto verändert

Kleine Blendenzahl
Bei der Makrofotografie arbeite ich sehr gerne mit einer kleinen Blendenzahl. Alles konzentriert sich auf den scharfen Bildbereich (Fokus). Das Motiv wird dabei so gut wie "freigestellt". Eine Schärfe auf allen Ebenen würde zu unruhig wirken, so dass sich selbst die schönste Blüte vollkommen verlieren würde. 
Verblüfft haben mich beim Betrachten des Foto-Blümchens (0,8 mm Blüten-Durchmesser) die kleinen Häärchen, in denen noch der Morgentau hing. 
(Aufgenommen mit kleiner Blendenzahl, Fotografin: Sabine Heppert)

 
Große Blendenzahl
Die große Blendenzahl eignet sich sehr gut für Landschaftsaufnahmen wie im Bild links, alles wird dabei "scharf" abgebildet. Hier sind Makroobjektive nicht die erste Wahl.
(Darßer Boddenlandschaft vor Zingst,
Fotografin: Sabine Heppert)

Makrofotografie nur mit dem Fotostativ?

Gute Makroaufnahmen gelingen nur mit einem Stativ und bei optimalen Lichtverhältnissen. Es garantiert verwacklungsfreie, scharfe Fotos. Schon bei einem bewölkten Himmel verzögert sich die Belichtungszeit auf dem entstehenden Foto empfindlich, so dass Sie die Kamera dann länger als bei sonnigem Licht ruhig halten müssten. Jede kleinste Bewegung oder ein kaum spürbarer Windzug lässt das Makrofoto durch seine extreme Detailwiedergabe sofort unscharf wirken. Wem ein Stativ unterwegs zu unhandlich und schwer ist, kann auch mit dem sogenannten "Einbeinstativ" arbeiten. Hauptsache, die Kamera steht bei den Aufnahmen sehr ruhig und Ihr Motiv bewegt sich kaum bzw. gar nicht.

Zu guter Letzt

Wie heißt es doch so schön? "Probieren geht über Studieren." Die Faszination an diesem Hobby ließ mich seit dem Versuch mit dem Makroobjektiv einer Freundin nicht mehr los. Immer wieder entdecke ich Neues und Schönes, auch wenn ich nur mal schnell ein Makroobjektiv ausprobiert habe ...

In diesem Bericht war es mir wichtig, nicht auf all die technischen Details der Makrofotografie einzugehen, sondern den Hobbyfotografen diesen interessanten Bereich etwas näher zu bringen.
Ich hoffe, es ist mir gelungen ...

Danksagung
Lieben Dank an meine Freundin Irene für ihr wunderbares Schmetterlingsmotiv und meinen Mann Olaf, der mich bei diesem Artikel unterstützt hat.

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