Welchen Eindruck macht die EU auf einen ankommenden Geflüchteten? Die gesetzlichen Veröffentlichungen der EU in puncto Asyl sind eindeutig: Der Trend anhand der ratifizierten Richtlinien klar abzulesen. Man möchte human sein, man möchte den hilfesuchenden Personen Zukunft bieten und das möglichst einheitlich in allen EU-Staaten. Vorbehaltlich der Vorstellungen der einzelnen EU-Staaten. Vielleicht hat gerade dieses Bekennen zu mehr Offenheit und Humanität Personen in und auch abseits von Kriegs- und Konfliktgebieten auf den Plan gerufen, sich aufzumachen um "nach Europa zu gehen"?

 

Massenzustrom

Nun, nach geradezu Wellen des Zustroms ist Europa unwillig geworden. Die Asylverfahren laufen langsam, aber mit gewisser Genauigkeit ab. Manchmal auch mit Verzögerung. Man hat gar nicht das Verlangen, seitens der Europäischen Union, die Strukturen zu verändern und die Asylverfahren zu beschleunigen. Auch will die EU keine Kontingente stellen, anhand denen Einreisewillige (etwa als Fachkräfte oder Studenten) ohne große Hürden einreisen, arbeiten und womöglich Pensionsansprüche stellen können. Viel mehr soll das Pensionssystem weiterhin als heilige Kuh aufrechterhalten bleiben. Exklusiv für Europäer. Obwohl es jetzt schon kaum noch zu finanzieren ist, wenn man den Zeitungsberichten glauben kann.

 

Einige warten lang

Zurück zu den Flüchtlingen in den Hotspots Griechenland. Auf fast allen Hotspots in der Ägäis, sind die Menschen- und Persönlichkeitsrechte der Geflüchteten verletzt. Die Angehaltenen warten dort jahrelang und ohne echte Option in ihren Zelten. Der Müll türmt sich und desto mehr dies der Fall ist, desto weniger ist die Regierung Griechenlands dazu bereit, ihn wegzuräumen. Es ist der Schmelztiegel der Kulturen, von Personen aus mehreren Konfliktgebieten, insbesondere aus Syrien, Afghanistan und dem Iran. Fast wie eine Art Fortsetzung der kriegerischen Auseinandersetzungen könnte man auch Fluchtbewegungen jener Flüchtlinge, die aus den Küstengebieten Nordafrikas, etwa aus Libyen übersetzen, sehen. Es scheint nicht wirklich bemerkt zu werden, dass jedes Jahr Tausende bei dieser Überfahrt ihr Leben lassen. Unbemerkt und ungesehen.

 

Andere kürzer

Aber einige, die Offensiveren vielleicht, gelangen - geführt von privaten Seenotrettern, die Schiffbrüchigen helfen – zu Tausenden in die Auffanglager, gelockt von einer vordergründig recht immigrantenfreundlichen Asylgesetzgebung. Oder sie haben vielleicht bessere Verbindungen und gelangen per LKW oder anderen Verkehrsmitteln in die Länder der EU. Dies ist für einige ein lethales Unternehmen, denn die Geflüchteten landen unter Umständen auf überfüllten Kühllastwägen, rutschen in einen unterernährtem Zustand und verlieren teilweise auf der Fahrt ihr Bewusstsein. Auf irgendwelchen Autobahnen sind sie dann dazu veranlasst, sich aus Falltüren im Boden der Wägen zu hechten. Der LKW ist bereits wieder in Bewegung, wenn die letzten, mitunter ohnmächtigen Migranten von der Ladefläche gezerrt werden. Wenn sie Glück haben, ist das das erste EU-Land in den sie ihren Fuß gesetzt haben und stellen ihren Asylantrag.

 

Double standards?

Und eine EU, die medienwirksam über einige Hundert berät, die man aus den Lagern eventuell aufnehmen könnte. Aber eigentlich nicht wirklich will. Entweder ist die EU nicht bereit, sich den Tatsachen zu stellen, und den offiziell um Aufnahme Ansuchenden beizustehen, weil man die echten Zahlen der durch Schlepperorganisationen einreisenden Migranten nicht wahrhaben möchte, oder man versucht einfach, in den Medien den Unnachgiebigen zu geben. Aber auch die Bevölkerung der EU, die sich nicht aktiv mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzt, bemerkt, dass es zu einem Missverhältnis gekommen ist. Einerseits die, die in den Hotspots um ihr Leben kämpfen. Und ab und zu gegen Tränengas. Andererseits die, die es mit Hilfe der Schlepperorganisationen auf Anhieb bis Deutschland, Österreich, in den Benelux oder eine andere nette Gegend schaffen. Gibt es zwei Klassen von Flüchtlingen? Oder ist nur ein flüchtiger Eindruck.

Hamburger Morgenpost

Interview: Eine deutsche Krankenschwester über Leid und Elend in Moria

https://www.mopo.de/hamburg/mopo-interview-eine-deutsche-krankenschwester-ueber-leid-und-elend-in-moria-37395028 

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