Im Westen der USA, vor allem in den Staaten Utah und Arizona, befinden sich einige der größten Canyons der Welt - die bekanntesten unter ihnen sind sicher der Grand Canyon sowie der Bryce Canyon. Daneben gibt es aber zahlreiche weitere kleinere Canyons - sogenannte Slot Canyons - mit märchenhaften Namen wie etwa Windcaves Canyon, Milkweed Canyon, Rattlesnake Canyon, Water Holes Canyon oder Chute Canyon.

Zu den beeindruckensten Slot Canyons zählen aber sicher der Lower und der Upper Antelope Canyon in der Nähe von Page. Die Namensgebung kommt von Gabelantilopen, die früher in diesem Gebiet lebten.

Der Lower Antelope Canyon ist ein ca. 150 m langer schmaler Felsspalt, den das Wasser in den Sandstein gegraben hat. Er ist bis zu 40 m hoch und führt seine Besucher in eine Welt aus bizarr geformten, sanft geschwungenen oder kantig scharfen Sandsteinformationen.

Wasser und Wind haben im Laufe von Jahrmillionen diesen tiefen und schmalen Canyon in den roten Sandstein geschliffen, der an manchen Stellen so eng ist, dass gerade einmal eine Person hindurchpasst. Durch das ständige Umformen, Erodieren und Abschleifen des Sandsteins ist der Canyon einem ständigen Wandel unterzogen.

Der Einstieg in den Canyon ist ziemlich unauffällig und schaut aus wie eine unscheinbare Spalte, die in den Boden führt. Doch schon nach den ersten paar Metern offenbart sich der Canyon und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: Der Canyon führt in die Tiefe, windet sich Meter um Meter um Ecken und Kanten und es gibt Abschnitte, die so steil sind, dass ein Vorankommen nur durch das Anbringen von Tritten, Stufen und Leitern möglich ist. Ist man am Ende angekommen, kann man den Canyon über eine steil nach oben führende Eisenleiter verlassen, wo sich ein Pfad an der Canyonkante entlangschlängelt und zurück zum Parkplatz führt.

Kurz vor dem Lower Antelope Canyon

Wer allerdings im Inneren des Canyons an dessen "Ende" noch ein Stückchen weitergeht, steht plötzlich vor einem nicht gesichertern 7 m Drop (Steilabsturz), der in den nächsten Canyon hinabfällt. Dieser mündet dann einige Kilometer weiter in den Lake Powell.

Ist noch Zeit übrig, sollte man unbedingt in diesen zweiten Canyon absteigen. Dies gelingt sehr einfach, indem man über die Eisenleiter aussteigt (also nicht den Drop abklettert) und auf dem Plateau ca. 20 Minuten oberhalb des Canyons in Richtung Osten wandert. Man erreicht dann eine sandige, etwas steilere aber ungefährliche Schlucht, die in den zweiten Canyon führt. Leider war die Zeit zu knapp, sonst hätte man diesen Canyon sicher auch noch bis an sein Ende durchlaufen können. Aber immerhin konnte wir den 7 m Drop von unten betrachten :-)

Ist man wieder auf dem Plateau zurück, sollte man seinen Blick nochmals über die faszinierende Landschaft schweifen lassen. Der Ausblick lohnt sich wirklich - abgesehen von dem imposanten aber absolut deplazierten Kohlekraftwerk, das ganz in der Nähe aus dem Boden gestampft wurde... Wer es dann vorzieht, nochmals in den Canyon hinabzusteigen, um von dort aus zurückwandern, wird aufgrund der sich immer wieder veränderden Lichtverhältnisse durch neu entstehende Motiv und Eindrücke belohnt.

Der Ausstieg aus dem Canyon ...

Durch seine Enge und einer Höhe von bis zu 40 Metern gelangt nur sehr wenig Licht in den Lower Antelope Canyon. Dies genügt jedoch bereits, um den Sandstein in allen möglichen Farben von Rot über Rosa, Orange und Braun bis hin zu violetten und bläulichen Schattierungen erstrahlen zu lassen. Der Canyon beginnt dann regelrecht zu glühen und für den begeisterten Fotografen ergeben sich aufgrund der ständig wechselnden Lichtverhältnisse immer wieder neue Motive.

Bild 1

Im Gegensatz zum Lower Antelope Canyon ist der Upper Antelope Canyon - den wir aus Zeitgründen leider nicht mehr besucht konnten - leichter zu begehen. Er ist knapp 400 Meter lang, relativ breit und man muss sich weder durch enge Felsspalten zwängen, noch über Treppen oder Leitern auf- und absteigen. Der Upper Antelope Canyon wird auch Corkscrew Canyon - also Korkenzieher Canyon - genannt. Sein indianischer Name ist Tse Bighnilini, was soviel heißt wie "Der Platz, wo das Wasser durch die Felsen fließt". Klingt einleuchtend :-)

Seine faszinierendste Seite zeigt der Upper Antelope Canyon bei sonnigem Wetter zur Mittagszeit, wenn es vereinzelten Sonnenstrahlen gelingt, den Boden des Canyons zu erreichen. Diese bilden dann sogenannte Beams (Lichtsäulen) und sind der Höhepunkt des Lichtspektakels im Canyon. Die Führer werfen dann eine Handvoll Sand in die Luft, damit die Sonnenstrahlen perfekt zur Geltung kommen. Wer dieses Schauspiel einmal selbst miterleben möchte, sollte zur Mittagszeit im Canyon sein, denn nur dann erreichen die Beams auch den Boden. Während im Frühjahr nur eine Handvoll Beams entstehen, können im Sommer bis zu 30 verschiedene beobachtet werden.

 Die beiden Canyons befinden sich im Privatbesitz von Navajo Familien, die auch deren Vermarktung übernehmen. Im Jahre 2008 kostetet ein Besuch des Upper Antelope Canyon 27 Dollar, der Eintrittspreis für den Lower Antelope Canyon betrug 24 Dollar.

Die Anfahrt zu den Canyons erfolgt von Page aus über die SR98 in Richtung Kayenta. Wenige Kilometer hinter der Stadt in der Nähe des Kohlekraftwerks, das nicht zu verfehlen ist - etwa bei Milepost 299 - befindet sich der Parkplatz zum Upper Antelope Canyon. Wenn es nicht zu heiß ist, können die 3 Meilen zu Fuß bewältigt werden. Bequemer ist es allerdings mit den Jeeps, die einen direkt vom Parkplatz zum Canyon bringen.

Für die Besichtigung des Lower Antelope Canyons fährt man einfach noch eine halbe Meile weiter in Richtung Kraftwerk und biegt anschließend links ab. Von dort sind es nur noch wenige Meter bis zum Parkplatz. Das Kassenhäuschen der Eigentümer ist schon von weitem sichtbar.

Die Canyons werden mehrmals im Jahr von sogenannten Flash-Floods (Sturzfluten) heimgesucht. Flash-Floods können u.a. durch weit entfernte sintflutartige Regengüsse entstehen und ein Gebiet mit riesigen Wassermassen überschwemmen auch wenn dort gerade die Sonne scheint. So hatte sich im Sommer 1997 oberhalb des Lower Antelope Canyons ein kleiner natürlicher See gebildet, der zunächst die Wassermassen auffing. Als dann aber irgendwann die natürliche Barriere durch nachfließendes Wasser brach, rollte eine gewaltige Flutwelle durch den Canyon, die alles mitriss. Von den 12 Besuchern, die zu dieser Zeit im Canyon waren, überlebte nur einer. Ein Denkmal am Eingang des Canyons weist jeden Touristen auf dieses tragische Ereignis hin. Es ist also ratsam, sich schon vorher über die Wetterverhältnisse zu informieren, da - wie bereits gesagt - selbst bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel ein weit entfernter Wolkenbruch die Canyons überfluten kann.

Wer sich weiter über die Slot Canyons im Südwesten der USA informieren möchte, findet auf der englischsprachigen Seite Slot Canyons of the American Southwest eine interessante Übersicht mit vielen Informationen.

Ein ähnlich fasznierendes Spektakel aus Farben und Formen bietet übrigens der Bryce Canyon. Auch diesem sollte unbedingt ein Besuch abgestatett werden, wenn man schon einmal in dieser fantastischen Gegend ist.

Alle Photos habe ich mit meiner Kamera Lumix DMC-FZ18 von Panasonic gemacht. Für alle ambitionierte Hobbyphotographen kann ich nur den aktuellen Nachfolger - die Lumix DMC-FZ38 - empfehlen. Weitere Photos und ein paar Infos zur Kamera findet Ihr auf der Seite Sonnenuntergänge über Ulm.

Hans, am 10.11.2009
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Bildquelle:
Reisefieber (Dezember in Goa, Indien)

Autor seit 7 Jahren
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