Shrek to the Future!

Die Abenteuer sind ausgestanden, die Bösen vertrieben und der Gerechtigkeit zum Sieg verholfen. Eigentlich könnte Shrek, inzwischen mehrfacher Vater geworden, mit seinem Leben zufrieden sein. Doch die einstige Bestie wurde von den Segnungen der Zivilisationen gezähmt und führt ein banales, langweiliges Dasein zwischen Windeln wechseln, der Angetrauten Fiona täglich seine Liebe versichern und sich von respektlosen Touristen begaffen zu lassen. Ausgerechnet zum ersten Geburtstag seines Nachwuchses schmeißt Shrek die Nerven weg: Er lässt die Geburtstagsparty platzen und stapft ausgelaugt in den Wald hinaus, um wenigstens ein paar Minuten für sich zu haben.

Seine emotionale Schieflage nützt das hinterhältige Rumpelstilzchen eiskalt aus. Der machtgierige Giftzwerg überredet den Oger zum Unterschreiben eines Vertrags, der Shrek einen Tag lang in die Vergangenheit als ungebundener Junggeselle und Bürgerschreck zurückreisen lässt. Der Haken lauert natürlich wie immer im Kleingeschriebenen. Denn im Gegenzug schenkt ihm Shrek einen Tag aus seinem Leben, was Rumpelstilzchen nutzt, um mit Hilfe eines Zeitparadoxons das Königreich unter den Fingernagel zu reißen.

Shrek muss erkennen, welche Auswirkungen sein unbedachtes Handeln zeitigt: In der von Rumpelstilzchen veränderten Welt ist er Fiona ebenso fremd, wie dem Esel und seinen anderen Freunden. Und es kommt noch dicker: Wenn Shrek den Lauf der Dinge nicht bis Mitternacht wieder ins Lot rücken kann, verschwindet er für immer im Strudel der Zeit …

Besser ein Ende mit S(c)hrecken, als "Für immer Shrek"

Alleine in den Kinos spielten "Shrek – Der tollkühne Held" (2001), "Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" (2004) und "Shrek der Dritte" (2007) mehr als zwei Milliarden Dollar ein, was den grünhäutigen Oger zur erfolgreichsten Animationsfigur des frühen 21. Jahrhunderts macht. Neben den stets makellosen Computeranimationen waren es vor allem die zeitgeistigen Anspielungen und Parodien sowie flotten Musiknummern, die den Grundstein zum Erfolg legten.

Doch nach den von Kritik und Publikum bejubelten ersten beiden Teilen schlich sich zusehends Ideenlosigkeit in die Drehbücher ein. Durchaus verständlich, zieht man die überschäumende Kreativität in "Shrek – Der tollkühne Held" und "Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" in Betracht. Während das erste Abenteuer des Oger mit seinem anarchistischem Witz und dem Rundumschlag gegen die vorgegaukelte Welt von Disney & Co. eine Überraschung nach der nächsten aus dem Hut zauberte, etablierte "Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" die anfangs tabulose Figur in einer gleichermaßen schrägen, wie liebenswerten Welt mit ihren ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Mit "Shrek der Dritte" war indes das Pulver verschossen. Müde Gags, die allenfalls zu einem halbherzigen Kichern reizten, ramponierten das Image der Erfolgsserie ebenso wie der spannungsarme Plot und die Einführung des eher als nervigen Störfaktors wahrgenommenen Artus. "Für immer Shrek" greift diesen in die völlige Belanglosigkeit laufenden Faden munter auf und manövriert sich in eine kreative Sackgasse, aus der es 90 Minuten lang kein Entrinnen gibt.

Des Widerspenstigen Zähmung

Es mutet wie ein Treppenwitz der Filmgeschichte an, dass ausgerechnet Shrek, der 2001 auszog um Disneys Märchenwelten nach allen Regeln der Kunst durch den Kakao zu ziehen, neun Jahre später wie ein bittersüßes Animationsdrama des Mäuse-Imperiums daherkommt. Vom Anarcho-Witz, den schnoddrigen und respektlosen Satirestückchen und vor allem den liebenswerten Nebencharakteren ist so gut wie gar nichts mehr übrig. Die Zähmung des widerspenstigen Ogers ist abgeschlossen.

An Stelle der Erfolgsfaktoren der ersten beiden Teile tritt ein reichlich gewalttätiger (wenngleich auch weiterhin unblutiger) Actionplot mit Science-Fiction-Elementen. Zugegeben: Der Ansatz, Shreks Wurzeln aufzugreifen und somit einen Kreis zu schließen, birgt viel Potenzial in sich. Jedenfalls der grauen Theorie nach, denn die verfilmte Praxis bleibt beim Versuch stecken, der Geschichte einen dramatischen Kniff abzugewinnen. Nichts dokumentiert dieses Scheitern besser, als die üppigen Kampfszenen, die zwar gewohnt souverän animiert, aber steril inszeniert sind. Emotional kalt ist es in diesem "Far far away" geworden! Da helfen auch Horden kichernder Hexen nichts, die aus unerfindlichen Gründen Heidenangst vor dem harmlosen Rumpelstilzchen zeigen und ihm bedingungslos gehorchen.

Der gestiefelte Kater tritt in Shreks Fußstapfen

Das sympathische Monster hätte sich einen würdevolleren Abschiedsfilm verdient. Allein: Es war ihm nicht vergönnt. Was bleibt sind die beiden ersten Teile "Shrek – Der tollkühne Held" und "Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" sowie die Hoffnung, dass DreamWorks aus den hinter den Erwartungen zurückbleibenden Einspielergebnissen des dritten und vierten Teils die richtigen Lehren zieht und sich der Stärken besinnt.

Gelegenheit hierzu bot der 2012 erschienene Animationsfilm "Der gestiefelte Kater", dessen Protagonist seit "Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" zum Stammpersonal der "Shrek"-Reihe gehörte. Die Fußstapfen, in die der charmante Kater trat, sind zwar enorm groß. Aber vielleicht eilt er ja irgendwann mit Siebenmeilenstiefeln dem scheinbar übermächtigen Vorbild davon …

Originaltitel: "Shrek Forever After"

Regie: Mike Mitchell

Produktionsland und -jahr: USA 2010

Filmlänge: ca. 90 Minuten

Verleih: DreamWorks

Deutscher Kinostart: 30.6.2010

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