Die ältesten AKW wurden abgeschaltet - Acht deutsche Atommeiler sind vom Netz genommen

Durch den Gau im Atomkraftwerk in Fukushima war in der Bundesrepublik ein heftiger Diskurs über das Atom-Moratiorium der Bundesregierung entbrannt. Die bereits vor 1980 in Betrieb genommenen Atommeiler wurden abgeschaltet. Es handelt sich dabei um Isar 1 in Bayern, Philippbsurg und Neckarwestheim 1 in Baden-Würrtemberg, Biblis A und B in Hessen, Unterweser in Niedersachsen und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. Weiterhin soll das ebenfalls in Schleswig-Holstein stationierte AKW Krümmel nicht mehr ans Netz genommen werden. Es war wegen wiederholter Störfälle bereits vor dem Moratorium abgeschaltet worden.

Stresstest der Reaktorsicherheitskommission: Kein AKW gegen Flugzeugabstürze gesichert

Heute ist klar, dass diese acht Atommeiler auch nie mehr ans Netz gehen werden. Der Stresstest aller deutschen AWK, der sich über zwei Monate erstreckte und dessen Ergebnis am 17. Mai 2011 an die Öffentlichkeit sickerte, hat ergeben, dass diese AKW zu große Sicherheitsmängel haben. Die von der Bundesregierung beauftragte Reaktorsicherheitskommission (RSK) mit rund 100 Fachleuten hat die Sicherheitsstandards neu definiert und festgestellt, dass nicht eines der insgesamt 17 Atommeiler einem Flugszeugabsturz Stand halten kann.

Angst der deutschen Bevölkerung vor dem Atom-Gau wächst

Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am 15. März 2011 ankündigte, sollten alle 17 Atommeiler in der Bundesrepublik einer Sicherheitsprüfung "ohne Tabus" unterzogen werden. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass trotz des Kappens der alten AKW vom Stromnetz die Lichter nicht ausgehen. Aber gerade dieses Szenario wurde von den Befürworten der Laufzeitverlängerung ständig im Munde geführt, um die Entscheidung vom September 2010 zu rechtfertigen, die gegen die Proteste von Opposition und Kernkraftkritikern gefällt worden war. Der am 27.03.2011 abgewählte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Stefan Mappus, ein Fan der Kernenergie und glühender Verfechter der Laufzeitverlängerung, hatte einen Doppelsalto rückwärts vollzogen und das AKW Neckarwestheim 1 endgültig stillgelegt.

Angela Merkel revidiert ihre Pro-Atomkraft-Argumente über Nacht

Noch am Samstag, 12. März 2011, hatte die Bundeskanzlerin gebetsmühlenartig betont, dass deutsche Atomkraftwerke sicher sind und sie an der beschlossenen Laufzeitverlängerung festhält. Nur zwei Tage später räumte sie ein, dass man vor dem Hintergrund der Ereignisse in Fukushima die Sicherheit der AKWs in der Bundesrepublik genauestens unter die Lupe nehmen müsse. Das Bundeskabinett hatte dann im Schulterschluss mit den Chefs der Länderregierungen das Atom-Moratorium verabschiedet. Doch die Laufzeitverlängerung wurde nur ausgesetzt. Sie blieb auf Grund rechtlicher Vorgaben weiter bestehen. Am 27. Mai 2011 hatte die Umweltministerkonferenz in Wernigerode beschlossen, die sieben ältesten AKW nicht mehr ans Netz zu nehmen und den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Das Atom-Moratorium wurde mit Argwohn betrachtet

Die Angst der Menschen vor einem Atomcrash ist groß, zumal die Atommeiler im hoch technisierten Japan als sicher galten. Sie fürchten sich vor radioaktiv verseuchten Lebensmitteln, die auf den deutschen Markt kommen und vor allem davor, dass es auch hier zu einer Reaktorkatastrophe kommen könnte. Es ist bekannt, dass einige deutsche Atomkraftwerke einem Flugzeugabsturz nicht Stand halten, da wäre ein Stresstest gar nicht nötig gewesen. Das Atom-Moratorium der Bundesregierung wurde mit Argwohn betrachtet.

Das Restkrisiko bei der Energie-Gewinnung durch Kernkraft ist kein imaginärer Begriff mehr. Wie Fukushima zeigt, ist die nukleare Katastrophe überall und zu jeder Zeit möglich. Die Menschen glauben den Behauptungen nicht mehr, dass Atomkraft für einen längeren Zeitraum unverzichtbar ist. Das hat sich auch bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ausgedrückt, wo die Grünen einen immensen Stimmenzuwachs verzeichnen und mit Winfried Kretschmann in Baden-Württtemberg den ersten grünen Ministerpräsidenten in der Bundesrepublik stellen. Selbst bei den Kommunalwahlen in Hessen wäre die Partei von Bündnis 90/Die Grünen als eindeutiger Wahlsieger hervorgegangen. 

Hundertausende gingen auf die Straße, um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Die Anbieter von Ökostrom verzeichnen eine exorbitatente Zulauf. Die großen Energiekonzerne machten Druck und mahnten, dass durch das Moratorium mit der Abschaltung der sieben Kernkraftwerke vermehrt Strom aus Frankreich und Tschechien importiert werden muss, um den Bedarf zu decken. Frankreich produziert 80 Prozent der Elektrizität aus Kernkraft.

Ethik-Kommission: Atomausstieg bis 2021 möglich

Die von Angela Merkel eingesetzte Ethik-Kommission, die sich im Rahmen des Moratoriums mit dem Atomausstieg befasste, war zum Schluss gekommen, dass keine Engpässe entstehen, wenn die insgesamt acht abgeschalteten AKW nicht mehr ans Netz genommen werden. Das Gremium unter der Leitung von Klaus Töpfer fasste zusammen: Deutschland kommt spätestens 2021 ohne Atomkraft aus. Am 30.05.2011 legte die Kommission ihren der Bundesregierung ihren Abschlussbericht vor. Der Atomausstieg wurde am 6.6.2011 beschlossen. Am 28.05.2011 hatte die Umweltminister-Konferenz bereits entschieden: Die 7 ältesten AKW bleiben abgeschaltet.

25 Jahre Tschernobyl und nichts dazu gelernt

Im April 1986 ereignete sich der bisher größte Atomunfall der Geschichte in Tschernobyl mit fatalen Folgen für die Bevölkerung: Ein massiver Anstieg der Krebserkrankungen, Missbildungen von Kindern und ein über Jahrzehnte unbewohnbares, weil radioaktiv verseuchtetes Gebiet rund um das geborstene Atomkraftwerk. Selbst in der Bundesrepublik Deutschland sind die Folgen immer noch gegenwärtig. Insbesondere im Süden und Osten Bayerns wurde durch den Fallout bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl Cäsium-137 mit einer Halbwertzeit von 30 Jahren im Waldboden gespeichert, das Pilze geradezu aufsaugen, wie das Magazin "Focus" am 22. März 2011 berichtet. Wildschweine fressen diese Pilze und werden radioaktiv verstrahlt. Noch heute müssen erlegte Wildschweine entsorgt werden, weil sie so stark mit Cäsium 137 belastet sind, dass ihr Fleisch aus dem Verkehr gezogen werden muss. 600 Becquerel pro Kilogramm sind erlaubt, und die werden oft überschritten. Im vergangenen Jahr wurden Werte zwischen 1000 und 44000 Becquerel bei Wildschweinen gemessen.

Was ist ein Super-Gau

Ein Auslegungsstörfall eines Kernkraftwerks, nach der Definition des Bundesamts für Strahlenschutz auch als größter anzunehmender Unfall bezeichnet, ist der größte Unfall, "für den die Sicherheitssysteme noch ausgelegt sein müssen. Die...

Die radioaktive Halbwertzeit

Die Halbwertszeit ist die Zeit, in der sich ein exponentiell mit der Zeit abnehmender Wert halbiert hat. Bei exponentiellem Wachstum spricht man entsprechend von einer Verdoppelungszeit bzw. Generationszeit. Die nach einer Halbwertszeit...

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima

Als Nuklearkatastrophe von Fukushima werden eine Reihe von katastrophalen Unfällen und schweren Störfällen im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi und deren Auswirkungen bezeichnet. Die Unfallserie begann am 11. März 2011 um 14:47 Uhr mit dem Tōhoku-Erdbeben und lief gleichzeitig in vier von sechs Reaktorblöcken ab. In Block 1 bis 3 kam es zu Kernschmelzen. Große...

Super-Gau in Fukushima um ein Vielfaches schlimmer als in Tschernobyl

In Japan werden die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung die von Tschernobyl um ein Vielfaches übertreffen. Obwohl es nach den Hiobsbotschaften unmittelbar nach der Nuklearkatastrophe recht ruhig um die Ereignisse in Fukushima wurde, ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Am 15. Mai 2011 wurde öffentlich, dass die Folgen des Unglücks von Fukushima weit schlimmer sind als angenommen. Die Brennstäbe im Reaktor 1 hatten sich schon kurz nach dem Erdbeben durch den Boden des Reaktorkessels gefressen und zur radioaktiven Verseuchung geführt. Tepco, die Betreiberfirma des AKW in Fukushima, gab am 24. Mai 2011 zu, dass es in insgesamt drei Reaktoren zu einer Kernschmelze gekommen ist.

Das Gebiet um Fukushima ist dicht besiedelt, und die Millionenstadt Tokio kann - sofern die Windrichtung ungünstig ist - von atomaren Fallout betroffen werden. Diese Gefahr besteht auch weiterhin, wenn auch aktuell keine akuten Ereignisse darauf hinweisen sollten. Die Informationspolitik des AKW-Betreibers Tepco lässt schon seit Eintreten der Katastrophe stark zu wünschen übrig. So wäre es nicht verwunderlich, wenn weitere nukleare Bedrohungen auftauchten, von denen zunächst nichts bekannt war.

Radioaktive Gefahr überschreitet Landesgrenzen

AKW Fessenheim weiter in Betrieb
Frankreichs 58 kommerzielle Atomreaktoren - darunter das älteste AKW Fessenheim nahe der deutschen Grenze - können nach Ansicht der nationalen Atomaufsichtsbehörde ASN bedenkenlos weiter betrieben werden. Die Reaktoren hätten eine ausreichende Sicherheit, betonte die Behörde nach einem AKW-Stresstest. Bei keinem einzigen Kraftwerk gebe es die Notwendigkeit einer sofortigen Stilllegung. Voraussetzung seien aber Verbesserungen, die der Bericht auflistet. Er wurde am Dienstag der Regierung übergeben. Der Stresstest war nach der Atomkatastrophe in Japan für alle 143 Strommeiler in der EU angeordnet worden.

Energiewende in Deutschland lässt Frankreich kalt

Trotz Fukushima halten viele Länder, auch in Europa, an der Kernkraft fest. Ein Grund ist, dass sie ihre Stromversorgung zum überwiegenden Teil über Atommeiler speisen und keine alternativen Technologien entwickelt haben. Der vermeintlich billige Atomstrom, die Macht der Atomlobby und die in diesen Staaten kaum diskutierte Entsorgung der ausgedienten Brennelemente, die noch Jahrhunderte radioaktiv strahlen, haben dazu geführt, dass nach Tschernobyl kein Umdenken erfolgte und keine Neubewertung des Restrisikos erfolgte. Fukushima hat an dieser Einstellung nur wenig geändert.

AKW Fessenheim: Trotz Sicherheitsmängeln weiter in Betrieb

Ein symptomatisches Besipiel ist Frankreich. Obwohl eklatante Sicherheitsmängel am AKW Fessenheim festgestellt wurden, das nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist, bleibt es weiterhin am Netz. Zu Jahresbeginn 2012 teilte die Atomaufsichtsbehörde ASN mit, dass der von der EU angeordnete Stresstest für die Meiler in Frankreich abgeschlossen und ausgewertet ist. Nach dem Ergebnis können laut ASN alle Atomreaktoren Frankreichs bedenkenlos weiter betrieben werden. Einige, wie das AKW Fessenheim, das bereits seit 1977 in Betrieb ist, müssen jedoch Sicherheitslücken schließen. Dafür haben die Betreiber sechs Monate Zeit.

Energiemix, dezentrale Versorgung, Energie-Effizienz und Energie-Einsparung das Rezept der Zukunft

Kaum bekannt ist, dass in der Bundesrepublik im Mai 2012 der Zeitpunkt erreicht wurde, wo mehr Strom aus regenerativen Energieträgern als aus Atomstrom in die Leitungen gespeist wurde. Unabhängige Experten sind sich einig, dass ein Energiemix aus Photovoltaik, Wasser- und Windkraft sowie Geothermie und Biomasse mit einer dezentrale Energieversorgung ein Zukunftskonzept sind. Unterstützt durch eine Steigerung der Energie-Effizienz und Energie-Einsparung ist ein Ausstieg aus der Kernenergie schon deutlich früher möglich als prognostiziert.

Krimifreundin, am 16.03.2011
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