Klar, die Konkurrenz zum Füllfederhalter ist in den letzten Jahrzehnten gigantisch gewachsen. Kugelschreiber – wohl der direkte Hauptkonkurrent – Faserschreiber, Gelschreiber, Filzstift, billigfüller aus dem Discounter und nicht zuletzt das scheinbare Todesurteil: der Computer. In der Tat ist für viele der Füllfederhalter deutlich in den Hintergrund gerückt, zumindest was die Alltagsarbeit angeht. Doch umso mehr ist er heute ein stückweit Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, Beweis von Stil und Selbstverständnis und nicht zuletzt – hochwertig gefertigt – ein Stück weit gar Statussymbol. Status ohne Arroganz, aber mit Bewusstsein für Stil und Niveau. Ich jedenfalls, bin auf alle Fälle bekennender Besitzer mehrerer Füllfederhalter und halte sie allesamt in Ehren, nicht nur weil mein erster eigener (jener orangefarbener Geha) sowie Stücke meiner Eltern und Großeltern darunter sind, sondern weil es ganz einfach mein geliebter »elfter Finger« ist, mit dem man Dinge und persönliches auf eine Art und Weise niederschreiben kann, wie man es mit einem PC definitiv nicht kann.

Der Computer: Tod des Füllfederhalters Neuerungen haben ihre Berechtigung – Altes aber auch!

Kaum etwas sagt mehr über einen Menschen aus als seine Handschrift – zumindest, wenn man ihm nicht persönlich begegnet. Dies ist auch der Grund, weshalb bereits in Zeiten der Schreibmaschine bei Bewerbungen großen Wert auf handgeschriebene Lebensläufe gelegt wurde. Ungeachtete dessen, verlor der Füllfederhalter außerhalb der ersten Grundschulklassen dennoch deutlich an Bedeutung. Zum einen waren Kugelschreiber plötzlich als Werbegeschenke allgegenwärtig und stets kostenlos verfügbar, zum anderen eroberte der PC als universelles Schreibwerkzeug spätestens seit den ausgehenden 1980er Jahren auch den heimischen Schreibtisch. Niemand möchte allen Ernstes aus heutiger Sicht den Computer verbannen, doch ein Stück Schreibkultur ging damit durchaus verloren. Ob auch inhaltlich sei dahingestellt, aber Emotionalität, braucht eine Form des Ausdrucks, die, so behaupte ich hier, direkt und unmittelbar zu Papier gelangen muss. Andererseits hat vielleicht gerade diese, die Schreibkultur vernichtende Technik, eben jener alten wieder zu einem, wenngleich exklusiven Comeback verholfen. Denn bei genauer Betrachtung begann mit dem Siegeszug des Computers auch ein gewisser Siegeszug des Füllfederhalters. Zwar wurde der als »gewöhnliches Schreibgerät« mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt, dafür erreichte er als ein immer begehrteres Sammlerobjekt und Zeichen (vielleicht) sich elitär präsentierender Nutzern erneut eine größere Bedeutung.

Dennoch, dieser »Siegeszug« betrifft zwar das Selbstverständnis, nicht aber die absoluten Zahlen. Im Gegenteil. Vor etwa 15 Jahren wurde fast 1,5 mal soviel Geld in Deutschland für Füllfederhalter ausgegeben als heute. Und dennoch: Tinte und Feder werden so schnell nicht verschwinden. Egal, ob es darum geht einen ganz persönlichen Brief zu schreiben, der aus mehr als nur ein paar »hihihi«, »LOL« und »HDGL« besteht, oder ob es darum geht wichtige Dokumente zu unterschreiben – der Füllfederhalter ist jedem PC an Ausdruck überlegen.

Die Erfindung des Füllfederhalters

Drei Gänsekiele begründeten die Erfolgsgeschichte

 Es war 1636, als Daniel Schwentner sich wohl darüber ärgerte, dass bei der herkömmlichen Art und Weise des Schreibens, die Feder, damals tatsächlich noch eine Richtige »Feder« – zu oft ins Tintenfass getaucht werden musste. Jedenfalls schob er drei Gänsekiele ineinander und schaffte somit die Möglichkeit mehr »Dinte« als normalerweise zu speichern. Es sollte allerdings noch gut 250 Jahre dauern, bis dieses Grundprinzip, tatsächlich auch technisch ausgereift auf den Markt kam. Voraussetzung hierfür war ein ausgeklügeltes System, bei dem Goldfeder, Iridiumspitze, sowie Dichtungen aus Hartgummi zum Einsatz kamen. Die Entwicklung führte dazu, dass die aufgenommene Tinte gleichmäßig floss, was das Schriftbild dementsprechend vorteilhaft beeinflusste. Einmal begonnen, nahm die Entwicklung einen durchaus imposanten und rapiden Verlauf. Ausgerechnet das, wofür man auch heute noch (wenngleich in geringen Maße) die Kinder zu Recht weißt, nämlich ein ungewollter Tintenklecks, sollte zu einer wichtigen Weiterentwicklung führen. Denn ausgerechnet ein Tintenfleck auf einem Vertrag veranlasste den Leidtragenden Vertragspartner dazu, sich Gedanken über die Feder und deren Optimierung zu machen. Sein Name war kein geringerer als jener, der später für erstklassige Füllfederhalter stand: Waterman. Seine Neuerung, die Feder mit einem kleinen Loch an der Oberseite zu versehen, wurde 1884 zum Patent angemeldet und ist noch heute grundlegendes Teil eines jeden Füllers.

Doch wie so häufig in der Geschichte, teilen sich mehrere Leute den Erfolg. Denn nur ein Jahr später erfand ein Amerikaner unabhängig davon ebenfalls den »modernen Füllfederhalter« – auch er, aufgrund eines Ärgernisses. Sein Name: George Parker. Es sollten noch zahlreiche Erfindungen der beiden Tüftler folgen, darunter etwa die Tintenpatrone, die aufsteckbare Außenklappe und anderes mehr.

Schüler heutzutage kennen in erster Linie Tintenpatronen, mit denen sie ihre Füller bestücken. Das eigentlich Bahnbrechende System, das die besonders edlen Füllfederhalter auch heute noch ausmachen, ist hingegen die Kolbenmechanik. Mit dieser machte sich Parker einen großen Namen, wenngleich er sich dieses Patent von dem ungarischen Ingenieur Theodor Kovacs abkaufte.

Edle Füllfederhalter werden aufwändig hergestellt

Was dem einen seine Luxuskarosse, ist dem anderen sein Füllfederhalter

Nun gut, man soll ja bekanntlich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Trotzdem: Das Auto gehört, so hören und lesen wir es immer wieder, zu der Deutschen höchsten Guts. Aber was das Selbstverständnis angeht, dürfte der Füllfederhalter schon bald danach kommen, ist in doch mindestens soviel Emotionalität gebündelt wie unter der Karosse. So kommen bei den hochwertigen Füllern heutzutage Materialien wie Gold, Edelstahl, besondere Lacke aber auch Edelsteine und gar Diamanten zum Einsatz. Für die ganz Exklusiven Federhalter bspw. Aus dem Haus e Montblanc ließe sich durchaus auch eine ausgesprochen schmucke Eigentumswohnung erstehen. Bis zu 60 Arbeitsschritte sind nötig, um einen hochwertigen Füllfederhalter zu produzieren und dass sich dies natürlich auch auf den Preis auswirkt versteht such.

Ehre wem Ehre gebührt. Manch Füllfederhalter hat in der Tat Geschichte geschrieben und wird auch heute noch dafür verehrt. Etwa der Parker 51 spielte, besonders bei Vertragsunterzeichnungen der USA eine tragende Rolle. So wurde zum Beispiel das Ende des Zweiten Weltkrieges mit diesem Modell unterzeichnet, ebenso aber auch das Ende des Koreakrieges, weshalb der der Kosenamen "pencil of peace" bekam.

Wir wollen keinesfalls das Rad zurückdrehen. Natürlich leistet uns der Computer heute beste Dienste. Auch SMS, Whatsapp und andere Angebote haben ihre Berechtigung und sind schlicht zeitgemäß. Dennoch, wenn es darum geht wirklich persönlich zu werden oder offizielles zu besiegeln, ist ein Füllfederhalter schlicht und ergreifend noch immer nicht ersetzbar. Ich jedenfalls werde meine stets in Ehren halten!

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