(Bild: Pixabay / SpaceX-Imagery)

Müllschweine gibt es nicht nur auf der Erde

Müll ist auf unserem Planeten leider ein großes Problem, egal ob verseuchter Boden, verpestete Luft oder Plastikmüll in den Meeren. Doch der Mensch hat den Hang zur Sorglosigkeit und das Bedürfnis sich auszubreiten – längst bis ins Weltall hinein. Dieser in diesem Falle Forscherdrang soll auch gar nicht kritisiert werden, doch die Sorglosigkeit dabei könnte noch zum ernsthaften Problem werden. Von den etwa 1100 Satelliten geht dabei sicherlich eine geringere Gefahr aus, zumindest solange sie sich unter Kontrolle befinden. Das eigentliche Problem sind die Reste die die Raumfahrt im All als Müll hinterlassen hat. Wir sprechen hier immerhin von einer Anzahl im höheren zweistelligen Millionenbereich an Teilen, die völlig unkontrolliert um die Erde rasen. Dabei handelt es sich um Millionen von Teilen kleiner Kunststoffpartikel die im Mikrometerbereich liegen und zumindest keine Gefahr für uns auf der Erde bringen. Doch für die unbemannte aber auch bemannte Raumfahrt selbst können diese Kleinstteile durchaus zum Problem werden. Aber auch deutlich größerer Müll schwirrt unkontrolliert umher.

Mehrere hunderttausend Überreste bestehen aus ganzen ausrangierten Satelliten die etliche Tonnen wiegen, Motoren von Raketen sowie Raketenhüllen und anderes im Laufe einer Mission nicht mehr Benötigte bzw. als hinderlicher Ballast abgeworfener Schrott tummelt sich zwischen Satelliten und Raumstationen. Einer unmittelbaren Gefahr ausgesetzt sind zwangsläufig Satelliten aber auch Raumkapseln, was besonders prekär ist, wenn diese bemannt sind.

Die ISS, die Internationale Weltraumstation, steht unentwegt im Kreuzfeuer des Mülls. Konkrete Pläne, was man dagegen unternehmen kann existieren bisher jedoch noch nicht.

Woher stammt der Weltraumschrott?

Natürlich von der Erde, das ist schon klar … Aber wie kommt er zustande? Ein Blick auf einige wenige Zahlen genügen und man ahnt wage die Dimension. In den lezten sechzig Jahren starteten etwa 7000 Raketen und machten sich auf den Weg ins All um Satelliten in ihre Umlaufbahn zu bringen oder Teile für die ISS sowie ihrer Vorgängerin MIR zu transportieren. Die meisten Satelliten befinden sich in 600 Kilometern und 1500 Kilometern Höhe. Einige die relativ zur Erde immer an gleicher Position stehen begleiten uns in 36000 Kilometern Höhe.

Zahlreiche ausrangierte Satelliten oder auch Raketenoberstufen, die während des Flugs ausgedient haben sind in der Erdatmosphäre verglüht. Andere hingegen fliegen noch immer unkontrolliert in Erdnähe, etwa bis zu 2000 Kilometern Höhe um die Erde. Dabei geht es dort oben teilweise heftiger zu als auf deutschen Autobahnen. Immer wieder explodiert Schrott aufgrund ungenutzter Restbestände von Treibstoff, ebenso alte Batterien. Auch zu unzähligen Zusammenstößen von Schrottteilen kommt es häufig, was wiederum dazu führt, dass sich, fast wie bei einer Zellteilung, der Schrott geradezu vermehrt, wobei die Schrottteile freilich kleiner aber zahlenmäßig eben mehr werden. Durchschnittlich 3300 mal finden solche Kollisionen jährlich statt. Die Angaben über Anzahl an herumfliegenden Teilen, die über einen Zentimeter groß sind, schwanken von Institut zu Institut und liegen zwischen 500000 und 700000. Dabei bewegen sie sich mit ungefähr 26000 km/h. Zum Vergleich: Eine Gewehrkugel kann, je nach Gewehr bis zu 4000 km/h erreichen. Somit dürfte es auch kaum ausschlaggebend sein, aus welchem Material der Weltraummüll besteht – selbst ein Kuscheltier mit dieser Geschwindigkeit würde erheblichen Schaden anrichten. Grund für die Zunahme an diesem gefährlichen Weltraumschrott sind die Konstruktionen, die nicht auf Wiederverwendung ausgelegt sind. So wird beispielsweise bei Raketen ein Hilfsmotor abgestoßen, bevor ein Satellit durch eine weitere, letzte Zündung auf seine Umlaufbahn gebracht wird. So geschehen auch wieder im Frühjahr 2016 bei einem russischen Satellitenstart seit dem nun ein weiterer Motor elliptisch um die Erde kreist und dabei an seiner nahesten Umlaufstelle auf 709 Kilometer der Erde nahe kommt (vgl. Entfernung München – Rom). Während solcher Müll gewissermaßen »gewollt« oder zumindest bewusst entsteht kommt es aber auch zu nicht unerheblicher Schrottbelastung durch Unfälle wie dem im Jahre 2009, als ein russischer Satellit mit einem amerikanischen Satelliten zusammenstieß und beide in 2300 größere Teile zerbarsten wovon ein Großteil noch immer die Erde umkreist. Aber auch nationale Rücksichtslosigkeit und Militärgläubigkeit kann uns weiteren unkontrollierbaren Weltraumschrott bescheren. So etwas Chinas mehr als fragwürdiges Vorgehen bei seinen militärischen Raketentests. Ein ausgedienter Wettersatellit wurde kurzerhand 2007 als Testziel für eine Mittelstreckenrakete auserkoren und »bereichert« seitdem den Orbit um weitere etwa 3500 Schrotteile von über 10 Zentimetern Größe sowie zusätzlichen geschätzten 150000 Kleinteilen …

Gefahr für die ISS-Besatzung

Nicht nur Satelliten die kontrolliert zur Erde zurückgekehrt sind weisen tausende von Treffern auf, sondern auch die Internationale Raumstation ISS – und damit die Besatzung – ist solchen Gefahren ständig ausgesetzt. Immerhin schon acht Mal musst sie größeren Teilen ausweichen und wurde durch kleinere Teile auch schon beschädigt, so kam es etwa zu einem Sprung in einem Fenster oder riss einer der großen Solarzellenflügel. Auch bei den inzwischen ausgemusterten Space Shuttles mussten Teile nach Einschlägen getauscht werden.

Müllvermeidung auch ein Thema in der Raumfahrt

Sicherlich ist es einfacher auf der Erde Müll zu vermeiden oder zu recyceln, dennoch muss auch in der Raumfahrt ein Umdenken stattfinden, denn Weltraumschrott gefährdet nicht nur die Besatzung von Weltraummissionen und unter Umständen auch Menschen auf der Erde sondern – und das ist ja bedauerlicherweise immer das stärkste Argument – er kann auch zu enormen Kosten durch Beschädigungen führen.

Ein Bestreben ist es, ausgediente Satelliten und Raketen kontrolliert abstürzen zu lassen, was bedeutet, dass das Meiste davon während der Absturzes in der Atmosphäre verglüht. Gesetzliche Vorgaben hierfür gibt es jedoch nicht, lediglich ein EU-Entwurf für einen Verhaltenscodex liegt seit 2008 in der Schublade.

Der Mensch hat durch Unvernunft schon vieles zerstört, bleibt abzuwarten ob im Laufe der nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte weitere Zerstörungen dann auch aus dem Weltraum hinzu kommen. Aber das ist ja dann wieder wie so oft, das Problem der kommenden Generationen …

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