Die ersten Belege...

Erstaunlicherweise sind die ersten Beweise zur Existenz des Kondoms bzw. eines Penis-Futterals in einer Höhle von Les Combarelles in Südwestfrankreich zu finden: dort gibt es urzeitliche Wandzeichnungen eines Liebespaares während des Geschlechtsakts, bei dem der Mann eine Hülle über den Penis gestülpt hat. Vermutlich waren diese Futteralen nicht in erster Linie als Schutz vor Geschlechtskrankheiten oder Schwangerschaften gedacht, sondern dienten dem Schutz vor Insektenbissen, den Gefahren in freier Natur oder im Kampf.

Auch als Statussymbol und Schmuck ist das erste Kondom in früheren Zeiten durchaus vorstellbar. So zumindest ist es aus Japan überliefert, wo man starre Penishüllen aus Schildpatt anfertigte, die die Lust und das Verlangen der Partnerin steigern sollten (was von der Autorin dieses Artikels angezweifelt werden darf).

Die Zivilisation bringt nicht nur Gutes...

Abhilfe schaffen ist nötig. Um 1550 wurde das Kondom zur Vorbeugung gegen Syphilis und Co. verstärkt eingesetzt und weiter entwickelt. Die ersten Kondome, wie man sie heute kennt, bestanden aus Hammel-, Ziegen- und Schweinedarm.

Im 18. Jahrhundert imponiert der als Frauenheld in die Geschichte eingegangene Giacomo Casanova seinen Eroberungen mehr oder weniger diskret mit dem Aufblasen seiner Kondome, um von deren Reißfestigkeit und seiner eigenen Manneskraft zu überzeugen.

Der Sonnenkönig Ludwig XIV. bevorzugt Spezialanfertigungen aus einer Mischung in Samt und Seide, und der Schriftsteller und Dichter Heinrich Heine besteht beim intimen Stelldichein auf Verhüterlis aus blaue Seide.

Tous disent que je ne fume que le Nil (Bild: AllPosters)

Der erste Gummi...

Lange Zeit machte dem Naturdarm-Kondom keiner Konkurrenz. Auch Kondome aus Baumwolle und der bereits erwähnten Seide waren beliebt beim sexuellen Vergnügen ohne Reue. Es kam ein so genannter "Trockenständer" auf den Markt, über dem das gewaschene Kondom gespannt und zur Wiederverwendung getrocknet wurde.

Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erfand der Gummifabrikant und Reifenhersteller Charles N. Goodyear den "Gummi" aus vulkanisiertem Kautschuk. In Qualität und Gefühlsechtheit ließ der jedoch zu wünschen übrig: er war extrem dickwandig und hatte eine störende, schlecht vernähte Längsnaht.

Ab 1900 geht es aufwärts...

Verbessert wurde das Kondom, indem man es ab 1900 nahtlos und dünner herstellen konnte; ein Jahr später bereits mit Reservoir. Der Mann von Welt tarnte seine "anrüchigen" Errungenschaften in schmuckvollen "Mogelpackungen", die als Zigarettenschachteln ausgewiesen wurden, in Wahrheit jedoch Kondome enthielten.

Knapp fünfzig Jahre später ist Schluss mit der Eintönigkeit des "Gummis". In Japan werden 1949 die ersten farbigen Kondome als Massenware produziert und finden reißenden Absatz. Der Erfolg der bunten Präservative hält sich bis zur revolutionären Erfindung der Antibabypille, die daraufhin das Zepter in (ehelichen) Schlafzimmern schwingt.

Lange Zeit hatte das Kondom daraufhin ausgedient, ehe das Bekanntwerden der Immunschwäche AIDS in den 1980er Jahre für einen Boom und erneute Aufmerksamkeit um das bis dato belächelte Kondom sorgte, das in jeder erdenklichen Form und Werbekampagnen in den Fokus und das Bewusstsein des Konsumenten rückt. So gibt es Kondome mit Geschmack, singende Kondome, figürliche und genoppte Kondome, mit Gleitmittel versehene und sogar latexfreie für Allergiker.

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