Thematische Schwerpunkte - Geschichtswerkstätten setzen andere Akzente in der historischen Forschung

Gemäß ihrem Ursprung in der alternativen Szene der späten siebziger und frühen achtziger Jahre, wurden zunächst verstärkt regionale Aspekte des Nationalsozialismus aufgearbeitet. Dieser Schwerpunkt besteht auch heute noch in den meisten Geschichtswerkstätten weiter, wurde jedoch seither um viele zusätzliche Forschungsfelder ergänzt.

Die Geschichte von Minderheiten, von Arbeitern und Frauen sind ebenso Thema, wie die allgemeineren Schwerpunkte aus den Bereichen Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte und verwandten Gebieten. Besonders auf Zeitzeugeninterviews wird gerne zurückgegriffen. Die sogenannte "Oral History", also die mündlich überlieferte Geschichte, ist hier maßgeblich methodisch entwickelt worden.

Die Bewegung, aus der die Geschichtswerkstätten hervorgegangen sind, war der damals vorherrschenden, akademischen Geschichtswissenschaft gegenüber äußerst kritisch eingestellt. Zum Vorwurf wurde den professionellen Historikern gemacht, dass der Fokus historischer Betrachtung vorwiegend auf Quellenmaterial beruhte, das mit dem Alltag der Menschen wenig zu tun hatte.

Staatsverträge, diplomatische Depeschen, Reden von Politikern und viele weitere Quellen machten eine historische Analyse von geschichtlichen Ereignissen immer nur aus Sicht der so genannten "herrschenden Klasse" möglich. Die Auswirkungen der "großen Politik", mit der sich die Geschichtswissenschaft hauptsächlich befasste auf die Bevölkerung blieben dabei in der Regel ausgespart.

Es gab ein starkes Bedürfnis nach Wissen über das Leben, wie es in unterschiedlichen Zeiten wirklich war. So lagern heute in den Archiven der Geschichtswerkstätten viele private Fotosammlungen, Zeitungen und Zeitungsausschnitte, Alltags-Schriftgut und eben auch verschriftlichte Zeitzeugeninterviews. Erst mit solchen Quellen wurde es möglich, zu ermessen und zu verstehen, wie der normale Bürger, z.B. i m Nationalsozialismus, von großer Politik beeinflusst wurde.

Kann ich da mitmachen?

Die meisten Geschichtswerkstätten sind heute in Form eines gemeinnützigen Vereins organisiert. Dabei ist es oft möglich, neben reinen Fördermitgliedschaften auch aktive Mitgliedschaften zu beantragen und aktiv in der Forschung, Dokumentation oder in anderen Aufgabengebieten mitzuwirken.

Da es keine gemeinsame Organisation der Geschichtswerkstätten in Deutschland gibt und auch im Internet eine Vollständige Übersicht über alle existierenden Werkstätten und Stadtteilarchive fehlt, kann ich Ihnen an dieser Stelle nur eine Google-Recherche empfehlen.

Bestimmt gibt es auch in Ihrer Nähe eine Möglichkeit, an einem solchen Projekt mitzuarbeiten. Wenn dieser Artikel Ihr Interesse an dem Thema geweckt hat, dann zögern Sie nicht, zu Ihrer nächstgelegenen Geschichtswerkstatt Kontakt aufzunehmen. Man wird Sie sicher freundlich und mit offenen Armen empfangen.

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Rene_Junge, am 13.09.2012
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Bildquelle:
johannes flörsch (Wie finde ich die Sternschnuppen der Perseiden 2016?)
Karin Scherbart (Wie macht man einen Regenbogen selbst?)

Autor seit 4 Jahren
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